Ich (w, 31) stecke gerade irgendwie in meinem Leben fest und weiß nicht mehr, ob ich übertreibe oder ob wirklich etwas nicht stimmt.
Ich bin seit zehn Jahren mit meinem Partner zusammen. Er kann unglaublich lieb und fürsorglich sein, ist fleißig und sehr verantwortungsbewusst. Genau das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich so lange vieles relativiert habe. Aber gleichzeitig gibt es eine andere Seite von ihm, die mich immer mehr verunsichert.
Er macht häufiger abwertende Kommentare, gerade wenn ich emotional bin. Wenn ich weine oder über meine Ängste spreche, kommt eher Spott oder Ungeduld (z.B. "Du immer mit deiner Angst", "Das hält doch keiner aus."). Wenn ich über meine Gefühle rede oder darüber, dass ich mich gerade irgendwie nicht wohl in meinem Leben fühle, wird er schnell laut oder unsachlich. Teilweise sagt er dann Sachen wie „Dann geh doch“ oder stellt mich so dar, als würde ich übertreiben, kindisch sein oder mir alles einbilden. Ich bin mitunter ängstlich bzw. vorsichtig, ja. Aber ich denke nicht, dass das sooo viel schlimmer ist als bei anderen Menschen.
Auch unabhängig davon kommen immer wieder verletzende Aussagen – über mich, über andere Menschen, über Dinge, die mir wichtig sind (z.B. politische Ansichten). Wenn ich das anspreche, heißt es oft, er hätte dieses oder jenes nicht gesagt und ich würde alles zu dramatisch sehen oder auf die Goldwaage legen. Teilweise stimmt das sicher auch, aber ich kann einfach schwer einschätzen, ob ich übertreibe/zu empfindlich bin. Häufig ist es so, dass ich nach nur kurzer Zeit alles Unangenehme vergesse und wieder Harmonie haben möchte.
Parallel dazu fühlt sich gerade mein ganzes Leben irgendwie falsch an. Ich habe einen festen Job, wir haben ein Haus, und eigentlich ist alles „auf Zukunft gebaut“. Aber innerlich fühlt es sich eher eng an als richtig. Ich habe oft das Gefühl, dass dieses Leben gerade nicht zu mir passt und genau das kann ich mit ihm kaum besprechen, ohne dass es eskaliert. Ich denke, ich müsste dankbar sein, dabei will ich lieber noch mal frei sein, mehr reisen, mich leicht(er) fühlen als jetzt gerade.
Das Schwierige ist: Ich liebe ihn wirklich. Und genau deshalb fange ich immer wieder an, sein Verhalten zu relativieren und an mir zu zweifeln.
Ich weiß gerade nicht:
Bin ich einfach in einer schwierigen Phase und sehe alles zu negativ? Verbaue ich mir meine Zukunft, wenn ich ihn verlasse?
Oder ist das, was ich hier beschreibe, eigentlich schon ziemlich ungesund?
Vielleicht hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht oder kann mir eine ehrliche Einschätzung geben.