Finanzamt neue Tatsachen
Hallo zusammen!
Ich möchte vorab sagen, dass ich selbstverständlich selbst Verantwortung für meine Situation trage und niemand anderem die Schuld geben möchte. Trotzdem wollte ich einfach mal schildern, wie es überhaupt dazu gekommen ist und vielleicht hat jemand ähnliche Erfahrungen oder einen Rat.
Ich bin damals mit 18 Vater geworden. Die Mutter meines Sohnes arbeitet bei der Stadt und natürlich wurde der Unterhalt entsprechend konsequent eingefordert, was ja auch legitim ist. Allerdings hatte ich damals noch Schule/Ausbildung und wurde vom Jugendamt teilweise massiv unter Druck gesetzt. Ich wurde teilweise 10–15 Mal am Tag angerufen und bekam Schreiben in einem extrem harten behördlich-juristischen Tonfall. Dadurch hat sich bei mir über die Jahre tatsächlich eine richtige Angst bzw. Vermeidungsverhalten gegenüber Behörden, Briefen und Bürokratie entwickelt.
Meine Familie hat mir damals zwar geholfen, wodurch keine größeren Unterhaltsschulden entstanden sind, aber rückblickend hat das leider auch dazu geführt, dass ich nie richtig gelernt habe, mich solchen Themen selbst zu stellen.
In den letzten Jahren habe ich aber sehr vieles aufgearbeitet. Mein Briefkasten ist nicht mehr voll, Krankenversicherungsschulden und andere Rückstände habe ich geregelt bzw. bezahlt. Eigentlich gibt es nur noch ein großes Thema: Steuern.
Ich hatte ein Gewerbe, konnte dieses aber durch Corona faktisch nicht mehr ausüben. Die letzten Einnahmen daraus hatte ich Anfang 2021. Das Problem war nur, dass ich das Gewerbe damals nicht ordentlich abgemeldet habe. Dadurch hat das Finanzamt weiter Einkommen geschätzt, obwohl faktisch gar keine Tätigkeit mehr bestand.
Jetzt habe ich es geschafft, das Gewerbe rückwirkend zum Jahr 2021 abzumelden und habe dafür inzwischen auch die Bestätigung erhalten. Ich habe außerdem alle Steuererklärungen nachgereicht und erklärt, dass das Gewerbe tatsächlich seit Anfang 2021 nicht mehr genutzt wurde.
Das Problem ist jetzt: Viele Bescheide wurden damals geschätzt und teilweise bestandskräftig oder vollstreckt, weil ich mich schlicht nicht gekümmert bzw. überfordert war. Ich habe jetzt beantragt, die Sachen wegen neuer Tatsachen nochmal zu prüfen, weil ja jetzt offiziell feststeht, dass das Gewerbe seit 2021 gar nicht mehr aktiv war.
Allerdings wurde das erstmal wegen „grober Fahrlässigkeit“ abgelehnt.
Teilweise kann ich das sogar verstehen. Gleichzeitig muss ich aber auch sagen, dass 2021 für mich persönlich komplett eskaliert ist. Mein Vater hatte einen schweren Schlaganfall und wäre fast gestorben. Ich war als einziger Angehöriger neben Vollzeitjob plötzlich komplett für Pflege, Organisation usw. verantwortlich. Ende 2023 ist er dann verstorben.
Zusätzlich hatte ich durch den ganzen Dauerstress irgendwann selbst gesundheitliche Probleme und war psychisch und körperlich komplett am Limit. Es war wirklich eine Art Dauerkrisenmodus über mehrere Jahre.
Dann kam Ende 2023 noch dazu, dass mir mein Arbeitgeber sechs Tage vor Weihnachten einen Aufhebungsvertrag vorgelegt hat.
Ich weiß, vieles davon klingt wie Ausreden, aber ich versuche einfach ehrlich zu erklären, warum ich damals so funktioniert bzw. eben nicht funktioniert habe.
Meine Frage wäre jetzt:
Wie seht ihr die Chancen bei so einem Einspruch? Gerade vor dem Hintergrund, dass ich jetzt die rückwirkende Gewerbeabmeldung nachweisen kann und damit eigentlich belegt ist, dass die damaligen Schätzungen auf falschen Annahmen beruhten.
Vielen Dank fürs Lesen und eure Hilfe.
LG