Im Dunkeln
„Er hat es hierher geschafft.“
Jerome hing den Spiegel auf.
„Fall mir nicht runter. Nicht jetzt.“
Der Umzug war absolviert. Zur Belohnung gab sich Jerome seine Medizin.
„Jetzt wird’s wild“, prophezeite er dem Spiegel.
„Du wohnst in der Stadt“, antwortete er.
Jerome merkte, dass dieser Trip anders enden könnte.
„Du wagst es, bei mir aufzutauchen?“
„Ich wage.“
„Du hast dich lange nicht mehr blicken lassen. Und jetzt hängst du vor mir.“
„Viel zu verarbeiten.“
„Deine fehlerhaften Verarbeitungen kenne ich. Und doch lässt du uns im Dunkeln. Warum bist du hier?“
„Um mich zu bedanken.“
„Humor hast du also auch?“
„Ja. Aber im Ernst. Danke, dass ihr mich nicht im Dunkeln lasst. Dafür, dass ihr die Fäden durch mich zieht. Damit ich nicht stürze.“
„Das ist eine ungewöhnliche Art.“
„Die Danksagung hat noch einen anderen Ursprung. Einen anderen Grund, der meine Scherben weicher schleift.“
„Weiche Scherben? Deine Scherben schneiden immer noch.“
„Ich kann fühlen, dass sie weicher werden. Und dafür brauche ich eine Sache. Reflexionen. Für alle bisherigen ein großes Danke. Das kommt von Herzen.“
„Warum sehen wir dich nie?“
„Meine Transformation ist noch nicht abgeschlossen. Ich brauche eure Reflexionen, damit ich einer von euch werden kann. Bis dahin mache ich das, was ich am besten kann. Verarbeiten.“
„Was bringt dir das?“
„Was bringe ich euch? Ich zeige euch nichts Neues. Das kann ich gar nicht. Anfangs waren es nur scharfe Kanten und trotzdem schenkt ihr mir Reflexionen. Kürzlich spiegelte mich sogar der Regen zurück. Ich danke eurem Silberrahmen, dass er versucht, mich von weißen Räumen sowie Gesichts- und Körperlosen zu befreien.“
„Eine sehr eigene Art.“
„Ich bin ja auch ein sehr eigener Spiegel. Danke.“
„Wofür diesmal?“
„Für eure Aufmerksamkeit.“
Der Spiegel löste sich in Luft auf.