Ich bin gerade ziemlich verwirrt in meiner Beziehung und vertraue meinem eigenen Urteil nicht so ganz, deshalb würde ich mich sehr über eine Außenperspektive freuen.
Mein Freund (m,30) und ich (m, 34) sind seit etwa 1,5 Jahren zusammen. Auf dem Papier ist er ein wirklich guter Partner: Er ist freundlich, fürsorglich, zuverlässig und möchte mir helfen, wenn ich Probleme habe. Wenn etwas Praktisches ansteht, ist er sofort da und unterstützt mich.
Aber emotional und intellektuell fühlt sich etwas… off an, und ich kann es nicht mehr ignorieren.
Wenn wir Zeit miteinander verbringen, bleiben unsere Gespräche oft sehr oberflächlich. Wir reden darüber, was wir gemacht haben, was wir vorhaben oder was bei Freunden so passiert. Wenn ich aber etwas anspreche, das mich wirklich interessiert oder begeistert, geht er kaum darauf ein. Es fühlt sich an, als würde ich ins Leere sprechen.
Ein konkretes Beispiel: Musik ist ein riesiger Teil meines Lebens. Ich bin ehrlich gesagt ziemlich besessen davon – darüber verarbeite ich Gefühle und fühle mich verbunden. Er „mag“ Musik zwar, aber eher nebenbei. Wenn ich etwas abspiele, nimmt er es kaum wahr. Er meinte mal, ich könne ihn ja auf ein Konzert mitnehmen, aber das hat mich eher verwirrt, weil er von sich aus kein echtes Interesse zeigt. Ich gehe dann lieber mit Freunden, die dafür wirklich brennen. Ich merke auch, dass ich mich auf seine Musik einlasse und versuche, sie zu verstehen – aber er macht das bei meiner nicht.
Ähnlich ist es mit anderen Dingen: Ich interessiere mich sehr für Bücher und Literatur (ich habe Literatur studiert), aber er liest nicht und interessiert sich auch nicht wirklich dafür. Das Gleiche gilt für Filme, Serien und kulturelle Themen allgemein. Diese Dinge sind mir wichtig, aber ich habe nicht das Gefühl, sie wirklich mit ihm teilen zu können.
Er ist Fotograf, und ich interessiere mich auch für Fotografie. Aber auch da habe ich oft das Gefühl, dass ich mich in seine Welt hineinbewege, während er sich nicht wirklich in meine hineinbegibt.
Ein weiteres Beispiel: Ich habe ihm mein Lieblingsbuch ausgeliehen – etwas, das mir wirklich viel bedeutet. Er hat es verloren (hat mir aber ein neues besorgt), was an sich nicht schlimm ist. Aber er hat vielleicht drei Seiten gelesen. Und das hat sich irgendwie bezeichnend angefühlt.
Was mich zusätzlich verunsichert:
Wenn mir etwas sehr Schönes oder Intensives passiert, ist mein erster Impuls nicht, ihn anzurufen. Ich melde mich eher bei Freunden. Auch wenn es mir schlecht geht, gehe ich emotional nicht wirklich zu ihm – obwohl er eigentlich fürsorglich ist.
Gleichzeitig liebe ich ihn und fühle mich so sicher mit ihm wie noch nie zuvor. In der Vergangenheit habe ich mich oft zu emotional nicht verfügbaren oder instabilen Menschen hingezogen gefühlt, deshalb habe ich Angst, dass ich vielleicht etwas Gutes kaputt mache, weil es sich weniger „aufregend“ anfühlt.
Aber es fühlt sich nicht so an, als würde ich Drama oder Chaos vermissen. Es fühlt sich eher so an, als würde mir Tiefe fehlen – und das Gefühl, wirklich gesehen und verstanden zu werden.
Meine Frage ist:
Kann eine Beziehung langfristig funktionieren, wenn Fürsorge und Stabilität da sind, aber emotionale und intellektuelle Verbindung fehlen?
Oder ist dieses Gefühl, dass „etwas fehlt“, etwas, das ich ernst nehmen sollte?
Ich bin mir unsicher, ob sich so etwas entwickeln kann – oder ob es eher eine grundlegende Unvereinbarkeit ist.
Ich würde mich sehr über eure Gedanken freuen.
TL;DR: Ich bin seit 1,5 Jahren mit meinem Freund zusammen. Er ist liebevoll und zuverlässig, aber mir fehlt emotionale und intellektuelle Verbindung. Ich fühle mich nicht wirklich gesehen und teile wichtige Dinge eher mit Freunden dals mit ihm. Ich weiß nicht, ob ich etwas Gutes infrage stelle oder ob hier wirklich etwas Grundlegendes fehlt.