u/parisya

Review Wilhelm Büchner Hochschule(WBH) 7 Months in /Master

Ich habe mal ein "2 Months in" Review über erste Eindrücke geschrieben. Dieses würde ich jetzt ergänzen.

Zu mir: ich habe meine Bachelor schon in dem Laden gemacht und arbeite bei Max-Planck in der Entwicklung und dem Prototyping von elektrischen und mechanischen Baugruppen. Den Master habe ich angefangen, weil ich gerne neues Lerne, das Feld an sich spannend finde und weil es zeitlich gerade rein passt. Wirklich angewiesen bin ich auf den Abschluss nicht.

Ich bin im Master Elektro- und Informationstechnik, Schwerpunkt "Allgemeine Elektrotechnik" und habe die Klausurphase jetzt durch. Sofern ich nicht in der letzten Klausur durchgefallen bin. Nehmt das Ganze also mit einer Prise Salz.

tldr: Es wird gespart was das Zeug hält. Die Qualität ist inzwischen unterirdisch.

Ich gehe einfach mal meine 4 Klausurenmodule durch und beziehe mich auf die Qualität des Studienmaterials, darauf was man effektiv gelernt hat und die Prüfung. Dinge wie Betreuung lasse ich weg, das kann die KI eh besser als lustlose Dozenten.

Höhere Regelungstechnik:

Man bekommt ein Buch (Regelungstechnik II von Unbehauen) und ein Heft dazu. Das Buch gibt es inzwischen nur noch als PDF (vor einem Jahr hat man wenigstens noch das Taschenbuch bekommen). Das Buch ist aus den 80ern und didaktisch auch noch auf diesem Stand. Es dauert ewig zu verstehen was der Mann von einem will. Am Ende rechnet man aber nur mit Matrizen rum und lernt maximal, wie man eine kleine elektrische Schaltung in eine Zustandsmatrix wandelt. Mit Regelungstechnik hat das fast nichts zutun und man lernt dazu auch nichts neues.

Höhere Mathematik:

Thema sind Felder und ähnliches. Man wiederholt partielle Ableitungen und Integrale. Allerdings sind die Hefte Hefte echt sperrig, also wirft man die irgendwann in die Ecke und lernt mit den vielen Altklausuren, wenn man die in die Finger bekommt. In der Prüfung kann man da dann auch 1:1 abschreiben, weil die Aufgaben sich seit 2020 nicht geändert haben. Hat man was gelernt? Eher nicht. Aber man hat das Ableiten geübt, immerhin.

Produktentwicklung:

Hier wird man in 3 Heften mit insgesamt ~230 Seiten/A4 mit den buntesten Fakten über Produktentwicklung beworfen. Kosten, Kreativitätstools, Nachhaltigkeit, etc. Ein roter Faden ist teilweise schwer zu finden. Für die Klausur gibt es "Kernthemen", die einen Großteil der Inhalte abdecken sollen. Davon kam bei mir in der Prüfung überhaupt nichts dran. Also Stunden der Lernens umsonst, weil niemand Lust hat 5 Minutenzu investieren um zu checken ob das passt. Dann wurde ich zum ersten mal Opfer des "Aufgabenpools" Hier erstellt nicht mehr ein Dozent eine Prüfung, sondern es gibt ein paar Aufgaben und die werden dann random ausgewählt. Jetzt kam bei mir ein Thema fast identisch zwei mal, so dass etwas was 1.5 von 230 Seiten 30% der Prüfung ausgemacht hat. Ratet, was ich mir nicht angeschaut habe. Ich habe in de Prüfung auf die Redundanz der Aufgaben hingewiesen, hat den Dozenten nicht gestört. Jetzt darf ich da also mit einem Widerspruch hinterher rennen.

Habe ich in dem Modul etwas gelernt? Eigentlich kaum. 95% sind sofort wieder weg.

Fertigung in der Elektrotechnik:

Hier warten vier Hefte mit je rund 100 Seiten auf euch. Das meiste wird aus einem Buch abgeschrieben und mit Sätzen aus der Wikipedia gespickt. Letzteres wird nicht als Quelle angegeben. Aber eine Hochschule hat mit sauberem wissenschaftlichen Arbeiten auch wenig Erfahrung. Auch wiederholen sich Inhalte teils mehrfach und es werden neue Fehler eingebaut. Die sind nach 8 Jahren auch immernoch da. Die Kernthemen sind so allgemein, dass die das ganze fast nicht eingrenzen.

Thematisch ist einiges sehr spannend. Testverfahren für Baugruppen, EMV und Gegenmittel im Design, etc. Einiges ist wieder Blödsinn.

Jetzt sitzt man da also mit seinen 400 Seiten und versucht sich die in 6 Wochen ins Hirn zu prügeln. Nur um dann auf eine Prüfung zu treffen, bei der einem fast die Kinnlade runter fällt. Jede Aufgabe hat eine andere Schriftgröße, eine andere Art der Durchnummerierung. Es wird sich also nicht mal die Zeit genommen, das Zeug ordentlich zu formatieren. Oder den Leuten wenigstens eine klare Vorgabe zu machen. Statt abzufragen, ob das Thema verstanden wurde, wird nach Dingen, wie der Referenzkennzeichnung nach DIN EN 61666 gefragt. Wohlgemerkt - man hat 400+ Seiten und es wird solches Nischenwissen gefragt. Themen, wie EMV und Multilayer Leiterplatten tauchen in den Heften mehrmals auf, kamen in meiner Prüfung aber gar nicht dran.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie Demotivierend und frustrierend sowas ist. Man sitzt 6 Wochen da, pausiert sein Leben weil man nach Feierabend jeden Tag 2 Stunden macht und am WE 6 bis 8, nur um dann auf eine Handwerklich miesgemachte Prüfung zu treffen.

Man zahlt im Master btw 600€ im Monat.

Habe ich hier was gelernt? Ja, aber nicht aus den Heften.

Labore und Hausarbeiten:

Ansonsten kann ich noch von meinem Labor erzählen. Hier ging es im LTSpice. Das läuft inzwischen auf jedem besseren Toaster, aber man muss nach Darmstadt fahren, weil eine Onlineveranstaltung, laut Dozenten, zu teuer ist. Man zahlt also 600€ im Monat und dann, je nach Wohnort, nochmal 200€ für Anfahrt und Hotel. Das ganze nennt sich eigentlich "Schaltungsentwurf und Simulation mit Labor", aber man hechelt einfach durch ein paar Simulationsaufgaben mit vorgefertigten Schaltungen durch. Der Lerneffekt hält arg sich in Grenzen.

Zusätzlich, zu den Klausuren gibt es noch B-Aufgaben. Also Hausarbeiten. In Zeiten von KI sind die, in meinen Augen, eigentlich komplett sinnfrei. Und die lassen sich vom Umfang her auch ohne an einem WE abarbeiten. Dafür gibt es dann 6CP, welche eigentlich 180 Stunden Aufwand sein sollen.

Zusatz zur "Flexibilität". Die ist an sich gut, weil es keine starren Semester gibt. Haken ist: das Material wird in Paketen verschickt. Und es werden Module oft geteilt. Ihr bekommt also die hälfte der Hefte in einem Paket, die anderen im nächsten, 3 Monate später. Ihr könnt euch alles vorab schicken lassen, seid dann aber an den Vertrag gebunden und kommt nicht raus, falls es euch zu dumm wird. Außerdem gibt es Labore mit wenigen Terminen, die sieht man aber erst, wenn das Modul freigeschaltet ist. Da solltet ihr frühzeitig den Studienservice anhauen, damit ihr planen könnt.

Insgesamt würde ich die Finger davon lassen, wenn ihr Freude am Studium und der Weiterbildung haben wollt. Oder wenn ihr was brauchbares lernen wollt. Preis/Leistung ist eine Katastrophe. Wenn ihr den Abschluss unbedingt braucht, könnt ihr den hier machen. Stellt euch halt auf Frust durch schlechtes Handwerk seitens der Hochschule ein.

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u/parisya — 5 days ago

Ist es zu viel Verlangt mehr als 5 Minuten in die Erstellung einer Hochschulprüfung zu stecken?!

So ein Fernstudium ist ja eh schon ein übler Zeitfresser. Gerade im Master und im technischen Bereich. Job und Leben hat man ja nebenher auch nicht.

Jetzt hab ich also die letzten 6 Wochen jeden Tag wenigstens 2 Stunden (am WE auch mal 6+) damit zugebracht mir diese 4 Lernhefte, A4, mit wenigstens 100 Seiten in die Birne zu kloppen. Ich hab mir alle Prozesse angeschaut, die Testprozesse gelernt, und Wochenlang jeweils die "Nennen sie 5 Vorteile von XY" ins Hirn geprügelt, wie sie in den Übungsklausuren gefragt werden. Und diese Lernhefte sind wirklich scheiße geschrieben. Da wurde einfach lustlos aus irgendwelchen Büchern abgeschrieben. Und der Wikipedia. Letzteres ist nichtmal als Quelle angegeben. Von Fehlern und Aktualität will ich gar nicht erst anfangen

Dann habt doch wenigstens so viel Anstand und fragt nicht nur irgendwelches absolut sinnloses Nischenwissen aus den jeweils ersten 15 Seiten des Heftes, weil ihr selbst keinen Bock mehr habt eure beschissenen Skripte anzufassen.

Und ist es zu viel verlangt, wenn jeder Fragenblock die selbe Schriftgröße und Art der Nummerierung hat? Ich verstehe ja, dass ihr einen Aufgabenpool habt, aber selbst da kann man einheitliche Formatierungen nutzen. Wenn ihr dazu zu dämlich seid, lasst euch vom Praktikanten eine Vorlage erstellen.

Und für so eine dämliche Scheiße zahlt man dann fast 600€ im Monat.

Wilhelm Büchner Hochschule, falls sich jemand fragt.

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u/parisya — 6 days ago

That girl turned 17 today!

still standing strong, despite IBD and a small lymphoma in her bowel.

u/parisya — 15 days ago