u/kensvop

Guten Abend zusammen,

seit ein paar Monaten plagen mich ein paar Fragen bzgl. der weiteren Karriereplanung (siehe Titel), die ich für mich alleine einfach nicht gelöst bekomme - was ist eure Meinung? Ich bin gespannt auf Rückmeldungen vor allem von den 40+, die ggf. in einer ähnlichen Situation waren und ihm Rückblick beide Optionen einordnen können.

Momentane Situation:
Verheiratet, beide Anfang/Mitte 30 mit Kind (2 Jahre). Wir haben jeweils 8 Jahre Berufserfahrung, und haben bis zur Geburt jeweils in der Unternehmensberatung (Mgmt. Consulting) Karriere gemacht, zuletzt mit rund 350k Bruttojahresgehalt (Fix + Bonus zusammen; wir haben mit einem Sabbatical uns optimiert, um noch Elterngeld zu erhalten, die Grenze lag damals noch bei 300k zu versteuerndem Einkommen).
Die Geburt bzw. unser Kind hat natürlich vieles verändert - wir haben beide Elternzeit genommen und sind nun beide zurück in unseren alten Jobs mit jeweils Teilzeit (80%). Durch weitere Beförderungen und Gehaltsanpassungen sind wir in Teilzeit jetzt bei 300k Jahresbrutto. Wie sich der ein oder andere aber denken kann, klappt Teilzeit in der Unternehmensberatung nicht zu gut, und ich arbeite oft immer noch 55-60 Stunden pro Woche plus gelegentlich Dienstreisen. Bei meiner Frau sieht es besser aus, aber auch hier sind Dienstreisen noch die Regel. Eigentlich mögen wir beide unsere Jobs sehr, jedoch haben sich unsere Einstellungen bzgl. Karriere sehr in Richtung Familienzeit gewandelt, was dazu geführt hat, dass ich mich immer schwerer für die Arbeit und das Stundenpensum motivieren kann. Home Office ist für uns beide möglich und das Kind geht in die Kita. Großeltern sind in unserer Stadt auch beide da und unterstützen wenn nötig.

Meine Optionen:
Während meine Frau in ihrem Job erstmal bleiben möchte, schaue ich mich gerade aktiv um. Der nächste Karriereschritt bei mir ist Junior-Partner (ohne Equity) aber mit Sales Targets, die nur mit 100% möglich ist (was ich aufgrund Familie nicht abbilden kann/will). Gehalt all-in wären Richtung 250-275k, je nach Bonus, mit circa 3-4 Jahren dann bis zum Equity Partner. Momentan bin ich all-in (auf Vollzeit gerechnet) bei rund 200-220k.
Ich habe nun ein paar Gespräche geführt und habe Angebote um die EUR 120-140k bekommen (fix; Bonus ggf. 10-20% bzw. ein Equity/Shares Package bei Startups), für spannende Jobs in Corporates aber auch Startups/Scaleups, die thematisch und inhaltlich sehr spannend sind. Diese Jobs wären ohne Dienstreisen verbunden, würden aber auch nicht der klassische 9-5 Job sein, sondern eher 50 Stunden pro Woche (meine Schätzung). Dafür würden diese fast nahtlos an meine bisherige Karriere anknüpfen und ich könnte mich weiter vertiefen/Expertise aufbauen.
Gleichzeitig überlege ich, mich in der Industrie auf 40 Stunden Stellen zu bewerben, um dann auch wirklich nur 40-45 Stunden zu arbeiten. Habe aber hier Sorge, mich bewusst auf ein "Abstellgleis" zu bewerben. Klar hätte ich kein Problem damit meine Karriere mal ein paar Jahre zu pausieren, aber klappt es dann (in 3-4 Jahren) wieder Fahrt aufzunehmen?

Mein Dilemma:
Ich bin hin- und hergerissen zwischen "ich will so viel Zeit mit meinem Kind verbringen, gerade wenn es noch so klein ist" vs. "ich habe nun 8 Jahre in der Beratung mir den Arsch aufgerissen, ich muss meine Karriere weiter vorantreiben".

Was ist unser/mein langfristiges Ziel:
Wir arbeiten beide auf FIRE mit Anfang 50 hin. Wir haben in unserer DINK-Zeit recht aggressiv gespart und haben momentan rund 450k investiert. Wir wohnen zur Miete (kein Eigentum geplant) und haben monatlich rund 5k Kosten für tägliches Leben, können trotzdem 4-5k pro Monat sparen, der Rest geht für Urlaube drauf (wir reisen gerne und viel, wird jetzt mit kleinem Kind etwas günstiger aufgrund von weniger Fernreisen).

Zusammenfassung und meine Fragen:
TLDR: Ich überlege aufgrund von Familie im Job kürzer zu treten und einen neuen Job mit weniger Gehalt anzunehmen. Ich will möglichst viel Zeit mit meinem Kind verbringen, aber gleichzeitig meine Karriere vorantreiben. Beides scheint aber schwierig.

Meine konkreten Fragen:

  1. Was würdet ihr mir raten: a) In der Unternehmensberatung bleiben und weiter durchziehen (aber Familie vernachlässigen), b) einen spannenden Job mit Gehaltseinbuße, aber auch mit 50 Stunden annehmen oder c) versuchen auf 40 Stunden Industrie-Job zu gehen und Karrierepause einlegen
  2. Für die, die sich schon entschieden haben - wie habt ihr euch entschieden und habt ihr es bereut? Ich lese immer, dass man eher bereut zu wenig Zeit mit Familie/Kindern verbracht zu haben, als die eigene Karriere voranzutreiben
  3. Bzgl. Coast FIRE Ziel - ggf. einfach den Sparplan reduzieren und das Ziel verschieben? Ist es mit 50 überhaupt erstrebenswert? Wenn die Kinder im Studium sind, kann man auch (in Teilzeit) weiterarbeiten.

Freue mich auf euren Input und Meinungen!

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u/kensvop — 12 days ago