Community Aufruf: 45M, €4,7M Vermögen
Hallo zusammen,
Mein Weg war eine Mischung aus dem ursprünglichen Plan, mit einem hohen sechsstelligen Betrag in Rente zu gehen, und einem glücklichen Liquiditätsereignis. Hier ist meine Geschichte:
Die harten Fakten
- Vermögen: Aktuell ca. 4,7 Millionen Euro.
- Struktur: Fast alles in ETFs. Ich bin eher konservativ unterwegs, da ich weiß, dass ich Marktschwankungen psychologisch nicht so gut wegstecke. Mein Portfolio (basierend auf Backtests vergangener Krisen):
- 50% Aktien-ETFs
- 40% Anleihen-ETFs
- 10% Gold-ETCs
- Zusätzlich ca. 1,5% Krypto (reine FOMO-Position)
- Cash nur auf dem Girokonto für das laufende Budget
- Status: Seit ca. 3 Jahren Privatier.
- Entnahmerate (SWR): ca. 2,5% - 2,6%.
Der Weg & Die Entscheidung Ich habe in verschiedenen Ländern gearbeitet. Erst während meiner Zeit in den USA habe ich angefangen, mich mit Investitionen zu beschäftigen und dort auch zum ersten Mal von der FIRE-Idee gehört. Mein erstes Ziel lag damals bei knapp unter einer Million Euro.
Der entscheidende Wendepunkt war dann ein glücklicher Umstand: Ein früherer Arbeitgeber, an dem ich noch Anteile hielt, vollzog einen erfolgreichen Exit. Das hat mein Kapital quasi über Nacht massiv anwachsen lassen. Ich habe danach noch einige Jahre weitergearbeitet, um über alles nachzudenken, bevor ich zu folgenden Schlüssen kam:
- „Die with Zero“: Das Buch hat mich echt geprägt. Die Gesundheit hält nicht ewig, und ich will Dinge erleben, für die ich später vielleicht keine Kraft mehr habe.
- Testlauf: Ich wollte ausprobieren, ob ich bereit für den Ruhestand bin – mit dem Wissen, dass ich zur Not jederzeit wieder einen Job finden würde.
- Markt vs. Gehalt: Mein Jahresgehalt war im Vergleich zum Depot nicht mehr so hoch. Wenn die Marktschwankungen an einem Tag so hoch sind wie ein halbes Jahresnetto, wird es echt schwer, sich jeden Morgen fürs Büro zu motivieren.
Die Zweifel waren da, aber die Kombination dieser Faktoren war am Ende stärker.
Die Praxis in Deutschland
Krankenversicherung: Ich bin freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert. Ich habe mit der Kasse vereinbart, dass ich unterjährig den Mindestbeitrag zahle und dann nach dem Steuerbescheid den Rest entsprechend meiner realen Einkünfte nachzahle. Ein Wechsel in die PKV hat bei mir wegen gesundheitlicher Themen leider nicht geklappt.
Steuern: Hier muss ich zwei Phasen unterscheiden:
- Der Exit: Die Ausübung meiner Optionen und der anschließende Verkauf haben zu einer gewaltigen Steuerlast im siebenstelligen Bereich geführt. Da das erfolgreiche Liquiditätsereignis für mich eine Überraschung war, hatte ich keine Zeit, mich steuerlich großartig vorzubereiten (z. B. durch eine Holding-Struktur). Vielleicht hätte man die Last senken können, aber wenn ich sehe, dass einige ehemalige Kollegen bis heute mit dem Finanzamt über die Bewertung streiten, bin ich eigentlich froh, dass das Thema für mich erledigt ist.
- Laufende Entnahme: Jetzt, da ich vom Kapital lebe, versuche ich die Steuerlast so gering wie möglich zu halten. Ich realisiere kaum Gewinne, sondern nutze geschickte Verlustverrechnungen (Saldierung verschiedener Positionen), um die Last zu drücken. Die Vorabpauschale ist bei meiner Depotgröße natürlich ordentlich, aber ich rechne damit, dass ich diese Beträge später beim Verkauf der Anteile anrechnen kann.
Ein Punkt, der mich wirklich beschäftigt: Ich habe damals einen Fehler bei der Auswahl des Gold-ETCs gemacht. Er ist zwar massiv im Plus, verfügt aber über keine physische Hinterlegung (kein Auslieferungsanspruch), weshalb hier leider die Abgeltungsteuer greift. Das führt bei der Realisierung der Gewinne natürlich zu einer ordentlichen Steuerlast, die ich so nicht eingeplant hatte.
Wohnen: Wir mieten eine Wohnung und sind damit eigentlich ziemlich zufrieden. Wir haben über einen Kauf nachgedacht, aber bisher einfach keinen triftigen Grund gefunden, warum wir unbedingt Wohneigentum brauchen.
Fazit & Tipps
- Realität vs. Traum: Im Grunde hat sich an meinem Alltag nicht viel geändert, aber psychologisch gesehen ist es sogar besser geworden, als ich dachte. Ich bin viel mehr für meine Kinder da. Das Feedback meiner Frau: Ich bin deutlich entspannter, zuverlässiger und insgesamt ein angenehmerer Mensch geworden. Außerdem konzentriere ich mich mehr auf meine Gesundheit und habe mehr Sportreisen gemacht als in den 10 Jahren zuvor.
- Der Punkt zu meiner Frau: Sie könnte sofort aufhören zu arbeiten, darüber haben wir offen gesprochen. Aber ihr macht ihr Job sehr viel Spaß und sie möchte nicht kündigen. Tatsächlich sagt sie sogar, dass sie sich im Büro jetzt viel freier fühlt und bereits befördert wurde – einfach mit dem Wissen, dass wir das Kapital als Sicherheit im Rücken haben und ich zu Hause viel mit den Kindern helfe. Ihren Verdienst gibt sie nicht für den Haushalt aus. Das ist einfach ihr eigenes Geld für alles, was sie sich außerhalb des Familienbudgets für sich selbst oder uns kaufen möchte. Für mich passt das absolut.
- Rat an Jüngere: Es ist schwer, Tipps zu geben, ohne wie ein Snob zu klingen. Mir ist völlig klar, dass das Liquiditätsereignis ein riesiger Glücksfall war. Trotzdem habe ich ein paar Ratschläge:
- Mein größtes Bedauern: Ich hätte viel früher mit dem Investieren anfangen sollen. Finanzielle Bildung lohnt sich in jedem Fall.
- Aktiv bleiben: Die Wahrscheinlichkeit für einen „Glücksgriff“ ist höher, wenn man etwas dafür tut. Ich habe in vielen Firmen gearbeitet und bin mehrmals umgezogen – nur eine Firma ist am Ende durch die Decke gegangen. Aber ohne mein Zutun wäre das sicher nicht passiert.
- Wohlfühlfaktor: Ich habe lange über die Zusammensetzung des idealen Portfolios für mich nachgedacht. Besonders in Zeiten, als ich noch weniger Kapital hatte und viel empfindlicher auf Krisen reagiert habe, kam ich zu dieser Erkenntnis: Man muss sich mit seinem Portfolio wohlfühlen – egal ob 100% ETFs, 100% Immobilien oder 100% Krypto. Die „perfekte“ Strategie bringt nichts, wenn man nicht an sie glaubt und beim ersten Kursrutsch aus Panik alles verkauft.
Was kommt jetzt? Ich möchte die Zeit mit meiner Frau, den Kindern und meinen Eltern genießen. Sportlich habe ich auch noch ein paar Ziele, an denen ich gerade arbeite.