u/beyvelati

Freund eskaliert komplett nach Konflikt im Job für den ich ihn empfohlen hatte - wie würdet ihr damit umgehen?

Hallo zusammen, 

ich bräuchte mal eine möglichst neutrale Einschätzung von außen, weil ich merke, dass ich gedanklich etwas im Kreis laufe.

Ich halte es bewusst etwas allgemeiner, weil es auch ein berufliches Umfeld betrifft.

Kurz zum Kontext:

Ich habe einem Freund geholfen, eine befristete Stelle in meinem Unternehmen zu bekommen. Wir kennen uns seit mehreren Jahren, haben ein enges Verhältnis und erzählen uns eigentlich alles - deshalb habe ich ihn auch ohne große Bedenken empfohlen (er wäre sonst arbeitslos geworden, da er seit längerem nichts anderes gefunden hatte). Wir haben dann sogar in derselben Abteilung gearbeitet, was ich persönlich sehr geschätzt habe, weil solche Konstellationen ja eher selten sind.

 

Was passiert ist:

Relativ früh kam es zu einem Konflikt zwischen ihm und einem Kollegen. Nichts Extremes - eher eine stressige Situation, die emotional hochgekocht ist - wichtig dabei zu erwähnen ist, dass alles via online Meeting (one on one) passiert ist. Ihn hat das aber sehr stark mitgenommen (laut ihm mentale Belastung) und sich direkt krankschreiben lassen. 

In der ersten Woche hat er mir und einer Kollegin auch konkret gesagt, was seine Probleme mit der Situation bzw. dem Arbeitsumfeld sind. Daraufhin haben diese Kollegin und ich das aktiv aufgegriffen und mit den relevanten Personen im Team besprochen. Die Punkte wurden ziemlich direkt adressiert und gelöst, sodass die ursprünglichen Gründe eigentlich nicht mehr bestanden hätten. Mein Freund hatte dies entsprechend bestätigt, wollte sich aber noch etwas Zeit geben Kraft zu tanken.

Trotzdem ist er auch danach nicht zurückgekommen.

Aus ein paar Tagen wurden Wochen. Am Ende waren es über 6 Wochen Abwesenheit - also mehr als ein Drittel der gesamten befristeten Stelle.

 

Meine Rolle in der Situation:

Für mich war das nicht komplett „neutral“, weil:

  • ich ihn empfohlen hatte
  • er im Team auch mit mir assoziiert wurde und auch als Freund damals vorgestellt wurde
  • Kollegen mich teilweise gefragt haben, wie es ihm geht (nicht jeder weiß, was passiert ist)
  • und wir beide am selben Standort arbeiten

Zusätzlich war da natürlich auch die persönliche Ebene: Ich habe mich ehrlich gesagt auch einfach gefreut, mit einem Freund zusammenzuarbeiten und Zeit zu verbringen - mehrere Verabredungen uns im Büro zu treffen sind entsprechend leider ins Wasser gefallen.

Parallel dazu war ich über Wochen hinweg seine Anlaufstelle. Ich habe ihm zugehört, ihn emotional unterstützt und versucht, ihn so gut wie möglich aufzufangen.

 

Problem:

Ich habe das Thema bewusst nicht direkt angesprochen, sondern ihm über drei Wochen Zeit gelassen, in denen ich ihn stets supported habe.

Danach habe ich ihm geschrieben - ruhig, sachlich und ohne Vorwürfe. Im Kern habe ich gesagt:

  • dass ich seine Situation verstehe
  • dass ich unter keinen Umständen ihm Druck machen will
  • dass es seine Entscheidung ist
  • aber dass ich mir wünschen würde, auch weil seine zuvor kommunizierten Implikationen auf der Arbeit längst behoben wurden, dass er sich vielleicht nochmal überlegt, zumindest die letzten Wochen zurückzukommen

Ich habe auch klar gemacht, dass es für mich nicht nur beruflich relevant ist, sondern auch persönlich schade wäre, wenn diese gemeinsame Zeit einfach so endet.

Und ich habe explizit gesagt, dass es für mich auch okay ist, wenn er sich dagegen entscheidet.

 

Seine Reaktion:

Die war ehrlich gesagt ziemlich heftig und für mich unerwartet.

Er hat mir vorgeworfen:

  • ich würde mich in den Mittelpunkt stellen
  • ich hätte seine Grenzen überschritten
  • ich würde sein Unwohlsein verstärken
  • und er müsse sich jetzt sogar „vor mir schützen“

Außerdem hat er mehrfach betont, dass es ausschließlich um ihn und seine mentale Gesundheit gehe und ich damit nichts zu tun hätte.

Seitdem (ca. 3 Wochen) habe ich nichts mehr von ihm gehört.

Er hat inzwischen sogar sein IT-Equipment abgegeben, obwohl sein Vertrag noch weiterläuft, was für mich ehrlich gesagt auch nochmal ein sehr endgültiges Signal ist.

 

Was mich daran beschäftigt:

Mich beschäftigt weniger, dass er nicht zurückkommt - das ist am Ende seine Entscheidung.

Was mich wirklich beschäftigt, ist:

  • die Art und Weise seiner Reaktion
  • dass es ihm komplett egal ist, wie ich, als diejenige die ihn empfohlen hat, im Team dasteht
  • und die komplette Funkstille danach

Weil sich das für mich wie eine starke Verdrehung der Situation angefühlt hat.

Ich habe ihm keine Vorwürfe gemacht, nichts eingefordert, keine Erwartung formuliert - ich habe nur einen Wunsch geäußert und gleichzeitig gesagt, dass ich seine Entscheidung respektiere.

Trotzdem hat seine Reaktion bei mir kurzzeitig Schuldgefühle ausgelöst. So nach dem Motto: War es vielleicht doch zu viel, das überhaupt anzusprechen?

Und ich merke, dass ich mir das aktiv wieder „geradeziehen“ muss, indem ich mir sage, dass ich eigentlich nichts Unangemessenes gesagt habe, vor allem nicht nachdem der Vorfall bereits drei Wochen her war.

Zudem hatte ich ihn ja auch aktiv empfohlen - und auch wenn mir rational klar ist, dass ich sein Verhalten nicht kontrollieren kann, fällt so eine Situation zumindest indirekt auf mich zurück. Nicht formal, aber im Eindruck, den andere im Team gewinnen.

Was mich dabei stört, ist weniger das Ergebnis, sondern dass es ihn scheinbar gar nicht interessiert hat.
Ich hätte nicht erwartet, dass er sofort zurückkommt oder sich „zusammenreißt“. Aber nach mehreren Wochen Abwesenheit hätte ich zumindest gehofft, dass er die letzten zwei, drei Wochen seiner Stelle noch irgendwie sauber zu Ende bringt - auch mit Blick auf mich und die Situation, in die ich dadurch gebracht werde.

Was es zusätzlich schwierig macht:

Sobald das Thema mentale Gesundheit im Raum steht, habe ich das Gefühl, dass jede eigene Perspektive automatisch riskant wird, weil man schnell in die Rolle kommt, „unsensibel“ zu sein - selbst wenn man sich sehr vorsichtig ausdrückt.

Mir ging es aber nie darum, „gegen“ ihn zu argumentieren oder ihn zu etwas zu drängen. Ich wollte einfach, dass meine Perspektive zumindest einmal gesehen wird.

 

Welchen Ratschlag würdet ihr mir geben? Wie würdet ihr jetzt damit umgehen?

  • Nochmal auf ihn zugehen oder einfach komplett lassen und innerlich das Thema abschließen? 
  • Oder ist das einfach ein Punkt, an dem man akzeptieren muss, dass die Dynamik nicht mehr gesund ist?

Ich merke, dass mich weniger die Situation selbst beschäftigt, sondern eher dieses Gefühl, dass meine Perspektive komplett entwertet wurde – obwohl ich eigentlich sehr vorsichtig und respektvoll war.

 

Danke euch :)

Kurzfassung:

Ich habe einen Freund für einen Job empfohlen; nach einem Konflikt ist er seit Wochen krank (laut ihm mentale Belastung), obwohl die Probleme im Team gelöst wurden.
Nach 3+ Wochen habe ich vorsichtig geäußert, dass ich mir wünschen würde, er überlegt zurückzukommen – ohne Druck.
Er reagierte sehr heftig (Grenzüberschreitung, „muss mich vor dir schützen“) und hat seitdem den Kontakt abgebrochen, kam nicht wieder zurück zur Arbeit, hat IT Equipment abgegeben, obwohl Vertrags erst in 1 Monat ausläuft.
Wie würdet ihr damit umgehen – nochmal auf ihn zugehen oder komplett loslassen?

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u/beyvelati — 17 hours ago