u/Stephan_Schleim

Drogenprobleme und Traumata: Neue Studie untersuchte Zusammenhang bei Cannabis und Opioiden
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Drogenprobleme und Traumata: Neue Studie untersuchte Zusammenhang bei Cannabis und Opioiden

Es ist lange bekannt, dass Menschen mit mehr traumatischen Erfahrungen auch mehr psychoaktive Substanzen/Genussmittel/Drogen konsumieren: das heißt, oft mehrere Mittel aber auch in höheren Mengen. Stärkerer Konsum führt häufiger zu unerwünschten Wirkungen.

Für diese neue Studie untersuchten US-Forscher, vor allem vom Center for Disease Control and Prevention in Atlanta, den Zusammenhang dieser beiden Faktoren: Wie viele der unerwünschten Wirkungen lassen sich statistisch durch traumatische Erfahrungen erklären? Letztere wurden hier als belastende Kindheitserfahrungen (Adverse Childhood Experiences, ACEs) erhoben.

Dafür wurden die Daten von rund 25.000 Erwachsenen aus den US-Bundesstaaten Arizona und Massachusetts ausgewertet. Neben Cannabiskonsum stand auch der in den USA stärker verbreitete, doch auch in Europa zunehmende Konsum von Opioiden im Fokus.

Von den 25.000 Personen gaben 18% an, Cannabis nicht-medizinisch zu verwenden, 6% Opioide und 2% beides. Diejenigen, die unerwünschte Wirkungen angaben, hatten fast immer zwei oder mehr belastende Kindheitserfahrungen (89%, 82%, 84% für die drei genannten Gruppen).

Im Ergebnis berichten die Forscherinnen und Forscher, dass 63% der unerwünschten Wirkungen bei den Cannabiskonsumierenden und 64% bei den Opioid-Konsumierenden auf belastende Kindheitserfahrungen zurückgeführt werden können. Daher ziehen das Fazit:

>"Die Vermeidung von belastenden Kindheitserfahrungen könnte die substanzbedingten Schäden im Erwachsenenalter erheblich reduzieren." (Aslam et al., 2026)

Meiner Meinung nach folgt daraus auch eine wichtige Konsequenz für die Therapie und Drogenpolitik: Strafen treffen vor allem diejenigen, die ohnehin schon schlechtere Startbedingungen im Leben haben; bei der Therapie von Substanzkonsum sollte an das Vorliegen traumatischer Erfahrungen gedacht werden.

Einschränkung: Die Studie liefert, wie fast immer, keinen 100% Beweis einer Ursache-Wirkungs-Beziehung. Aber der Zusammenhang liegt nahe. Und natürlich werden damit nicht 100% der Probleme beim Substanzkonsum auf frühere belastende Erfahrungen zurückgeführt, doch ein großer Teil von ihnen.

Quelle (open access): Aslam, M. V., Rooks-Peck, C., Florence, C., Barnett, S. B. L., Gaffney, C., & Swedo, E. A. (2026). Adverse Effects of Non-Medical Use of Cannabis or Opioids Associated with Adverse Childhood Experiences. International Journal of Environmental Research and Public Health, 23(5), 574.

u/Stephan_Schleim — 3 days ago

Hier im Sub geht es immer wieder um die Frage, wie gut Psychopharmaka bei bestimmten Störungsbildern helfen. Manche schwören darauf, die Medikamente hätten viel genutzt, während andere eher ergebnislos von Präparat zu Präparat wechseln und wieder andere über Nebenwirkungen klagen.

Ein psychiatrisches Forschungsteam der angesehenen Stanford- und Yale-Universitäten hat die Neuzulassungen psychiatrischer Medikamente durch die amerikanische Regulationsbehörde (FDA, siehe Abbildung) in den Jahren 2012 bis 2024 ausgewertet. Dabei geht es um 22 Zulassungen. Das Ergebnis erschien im Journal for Clinical Psychiatry.

Dabei ging es oft nicht um völlig neue Medikamente, sondern die Ausweitung eines schon verwendeten Psychopharmakons auf ein neues Störungsbild. Dieser Schritt kann für die Pharmafirmen finanziell lukrativ sein, wenn dadurch der Patentschutz verlängert wird, sie das Medikament also länger exklusiv vermarkten dürfen.

Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Von den 22 Neuzulassungen erwies sich laut den Forschern keine einzige als klinisch nützlich:

>"Hinsichtlich des klinischen Nutzens erhielt keines der Medikamente, für die Daten vorlagen, die Bewertung 'klinisch hilfreich' … Die Innovationen in der Entwicklung psychiatrischer Medikamente waren in den letzten 13 Jahren begrenzt; die meisten neuen Medikamente stellten eher inkrementelle Verbesserungen als bahnbrechende Innovationen dar. Im Vergleich zu anderen medizinischen Fachgebieten scheint die Entwicklung psychiatrischer Medikamente hinsichtlich Neuartigkeit und klinischer Wirkung hinterherzuhinken."

Wissenschaftliche Publikation: Havlik, J., Isaac, S., Radovan, C., Ostacher, M. J., Smith, D., & Rhee, T. G. (2026). Innovation in Psychiatric Drug Development: A Quantitative Analysis of FDA-Approved Psychiatric Drugs, 2012-2024. The Journal of Clinical Psychiatry, 87(1), 25m16063.

u/Stephan_Schleim — 17 days ago