u/Smithywerbenjagger

"hör mal auf mit deinem Autisten scheiß"

Bin w, 28 und wurde vor kurzem diagnostiziert.

Wie gehe ich damit um, dass andere in meinem Umfeld nicht damit umgehen können und Dinge sagen, die ich nicht hören darf, weil sie mich extrem treffen und ich sie nicht vergessen kann?

Als Beispiel:

Ich bin seit 8 Jahren in einer Beziehung und seit 5 Jahren verheiratet. In den letzten 2 Jahren ging es viel um Autismus und ich habe ihm viel erzählt, viel geweint, war halt alles sehr viel. Seit der Diagnose äußert er Dinge, die alles so viel schlimmer machen.

Er sagt mir zb während eines meltdowns noch "boah jetzt hör doch mal auf mit deinem Autisten scheiß" bevor er das Zimmer verlässt und ich voll im meltdown stecke.

Er sagt mir ständig, dass ich mental nicht so stark bin wie er, weil ich meine Gefühle nicht im Griff habe.

Er sagt mir "alter hör mal auf damit, so extrem war das sonst auch nicht, du bist immer noch normal im Kopf und nicht verrückt " - wenn ich das maskieren immer mehr lasse und mehr in seiner Gegenwart stimme.

Es ist noch so viel mehr und es kommt nicht nur von ihm, sondern auch von Familie und dem einzigen Freund den ich habe... Zb "na behindi heute schon nen Psychoanfall gehabt?" "Ey ich hab jetzt ne behinderte in der Familie, oder behindi?" und schlägt sich dabei mit T-Rex Händen auf die eigene Brust. Das ist wohl ihre Art, damit umzugehen. Ne assoziale, verletzende Art.

Ich hab aktuell fast täglich meltdowns, weil ich so überfordert bin.

Immer wenn ich sowas höre ist der Schmerz so extrem, dass ich das Gefühl habe ich überlebe das nicht. Deswegen halte ich mir oft aus Angst schon die Ohren zu, weil ich nicht hören will was andere in dem Moment zu mir sagen, weil ich noch mehr Schmerz einfach nicht ertragen würde und weiß, dass diese Menschen das nicht verstehen und mir trotzdem solche Dinge sagen. Das löst natürlich einen Teufelskreis aus, wenn ich mit Finger in den Ohren vor den Menschen stehe , weil sie das unfassbar respektlos finden 🥹 "du warst doch sonst nie so! Hör mal auf mit dem ganzen autisten scheiß das ist ja krank!"

Weil mein Mann bei der Eheschließung zb nichts vom Ass wusste und ich das unfair finde, habe ich ihn gefragt, ob er überhaupt noch mit mir verheiratet sein möchte.

Er bejahte übrigens.

Jetzt weiß ich schon was mit mir los ist und erkläre es den Menschen, um uns allen das Leben zu erleichtern, aber weil sie mich als "Mensch ohne autismus" kennengelernt haben, funktioniert das alles irgendwie nicht.

Eigentlich will ich mich selbst erkunden, weniger maskieren, raus aus dem Überlebensmodus aber durch die Umstände passiert genau das Gegenteil und alles ist so kompliziert

Ich schäme mich, ich verstecke mich, ich Weine heimlich, ich mache allgemein alles heimlich mit mir aus, dabei will ich endlich weg von diesem Verhalten.

Ich habe das Gefühl, dass die Menschen mir nicht glauben und das alles ist so nervig und belastend.

Niemand in meinem Umfeld informiert sich, weil sich niemand wirklich für mich interessiert. Ich bin die jenige, die allen alles erklären will, weil es mir wichtig ist, dass mich alle verstehen. Ich verlange das natürlich von niemandem aber im tiefsten Herzen wünsche ich mir das.

Es wäre viel einfacher ein neues Leben zu beginnen und direkt beim Kennenlernen ein " hallo, ich bin x und habe autismus" zu droppen.

reddit.com
u/Smithywerbenjagger — 6 days ago