Erschwerte Beziehung zu meinen Eltern (30,W)
Ich weiß nicht, ob das hier der richtige Ort ist, aber ich würde gerne etwas loswerden. Es geht um Gedanken und Gefühle, die ich bisher kaum jemandem erzählt habe. Vielleicht kann das jemand nachvollziehen oder hat Ähnliches erlebt.
Ich bin mittlerweile 30 Jahre alt, weiblich, und lebe nach außen betrachtet eigentlich ein eigenständiges Leben. Ich habe eine Ausbildung abgeschlossen und studiere zusätzlich. Trotzdem geht es mir oft schlecht. Lange hatte ich Schwierigkeiten einzuordnen, wie es mir wirklich geht. Ich frage mich oft, ob ich zu viel erwarte, ob ich mich zu sehr beschwere, ob ich zu schwach oder einfach undiszipliniert bin.
Gleichzeitig weiß ich, dass ich nicht besonders einfach aufgewachsen bin. Ich bin mit meiner Schwester und meinen Eltern in einer kleinen Wohnung aufgewachsen. Meine Schwester und ich haben uns ein Zimmer geteilt, weniger als zwölf Quadratmeter. Einen Schreibtisch hatten wir weder im Zimmer noch irgendwo anders in der Wohnung. Unsere Wochenenden haben wir oft damit verbracht, uns abzuwechseln: Eine von uns war im Wohnzimmer, die andere im Zimmer. Meistens waren wir am Laptop. Rückblickend glaube ich, dass das auch eine Art Flucht war.
Bis heute verbringe ich sehr viel Zeit online. Das begleitet mich schon seit meiner Schulzeit. In den Sommerferien kam es vor, dass ich sechs Wochen lang oder sogar mehrere Monate kaum das Zimmer verlassen habe und fast nur am Laptop war.
Mein Vater kam am Wochenende häufig betrunken nach Hause. Er war nie körperlich gewalttätig gegenüber mir oder meiner Schwester, aber die Situationen waren trotzdem sehr belastend. Oft kam er morgens um fünf oder sechs Uhr nach Hause und begann dann, meine Mutter zu terrorisieren. Meine Mutter schlief damals im selben Zimmer wie meine Schwester und ich, weil sie nicht mit meinem Vater im Schlafzimmer schlafen wollte. Wenn er betrunken nach Hause kam, hielt er uns wach, fing Streit an, beleidigte meine Mutter und drohte ihr teilweise mit körperlicher Gewalt.
Manchmal drängte oder zwang er sie auch, ihm so früh am Morgen noch etwas zu kochen. Es kam vor, dass sie ihm etwas zubereitete, er ein bisschen davon aß, den Rest auf den Boden warf und anschließend schlafen ging. Meine Mutter machte danach die Küche und den Boden sauber. Für mich war das als Kind und Jugendliche einfach Alltag, aber heute merke ich, wie sehr mich das geprägt hat.
Als Familie haben wir kaum etwas zusammen unternommen. Wir waren nie im Urlaub. Ich erinnere mich nur an wenige Ausnahmen, zum Beispiel einmal Erdbeeren pflücken im Sommer. Mehr gemeinsame Unternehmungen gab es eigentlich nicht. Obwohl wir in der Nähe vom Strand wohnten, sind wir all die Jahre nie dorthin gefahren. Es gab einfach keinen gemeinsamen Familienalltag, keine Ausflüge, keine Erlebnisse, an die ich mich gerne erinnern könnte.
Gleichzeitig wurde ich sehr streng erzogen. Ich durfte kaum rausgehen oder selbstständig etwas machen. Das wirkt für mich im Nachhinein widersprüchlich: Mein Vater fuhr uns zum Beispiel immer zur Schule, was nach außen vielleicht fürsorglich wirkte. Gleichzeitig erlaubte meine Mutter uns aber kaum Selbstständigkeit. Als ich mit 17 ansprach, dass ich nicht mehr möchte, dass sie bei uns im Zimmer schläft, bestrafte sie mich mit Schweigen oder schrie mich an.
Vor Kurzem ist mir wieder ein Satz eingefallen, den meine Mutter damals gesagt hat: dass mein Vater am Wochenende immer auswärts essen ging. Dieser Satz hat mich plötzlich sehr getroffen, weil mir bewusst wurde, dass ich selbst mit meiner Familie nie richtig essen war und gar nicht wusste, wie so etwas abläuft. Erst als meine Mutter etwas mehr verdiente, als ich etwa 17 war, gab sie mir manchmal 50 Euro im Monat. Davon ging ich dann mit Freundinnen essen, weil ich bei ihnen gesehen hatte, dass man so etwas macht.
Ich durfte auch nie wirklich Hobbys ausleben. Schon als Kind war ich im Grunde selbst verantwortlich für alles, was mit der Schule zu tun hatte. Ich musste funktionieren, ohne dass mir wirklich jemand Struktur, Unterstützung oder Orientierung gegeben hat.
Heute merke ich, dass mich vieles davon noch immer belastet. Ich habe starke Probleme mit Motivation und damit, meinen Tag zu strukturieren. Ich falle ständig aus Routinen heraus, schiebe Dinge auf und erledige vieles erst auf den letzten Drücker. Gleichzeitig mache ich mir dafür große Vorwürfe.
Ich erinnere mich auch daran, dass ich mit neun Jahren, während meine Eltern sich wieder stritten, dachte, dass ich nicht mehr existieren möchte. Dieses Gefühl begleitet mich in gewisser Weise bis heute. Ich habe oft einen starken Selbsthass und finde mich selbst manchmal kaum auszuhalten.
Ich versuche aktuell, einen Therapieplatz in meiner Stadt zu bekommen. Ich war bereits bei einer ersten Notfallsprechstunde, in der eine Verdachtsdiagnose gestellt wurde. Einen festen Therapieplatz habe ich bisher aber noch nicht bekommen.
Danke fürs Lesen.
(KI Nutzung zur Korrektur des Textes auf Rechtschreibfehler)