u/Lucky-Prune-8746

Ich suche nach möglichst objektiven Einschätzungen, weil ich selbst gerade nicht mehr klar entscheiden kann.

Meine Frau (28) und ich (29) sind seit knapp zehn Jahren zusammen und seit fast einem Jahr verheiratet. Schon von Anfang an gab es Punkte, die mich beschäftigt haben. Dazu gehören unter anderem unterschiedliche Einstellungen zu Sport, Ernährung und persönlicher Weiterentwicklung sowie fehlende gemeinsame Interessen oder Hobbys, die über den Alltag hinausgehen.

Ein weiterer zentraler Punkt ist unsere unterschiedliche Bedürfnislage in Bezug auf Körperlichkeit und Sexualität. Für mich ist körperliche Nähe ein wichtiger Bestandteil der Beziehung, inklusive spontaner Intimität. Bei ihr ist dieses Bedürfnis deutlich geringer ausgeprägt. Wenn ich nichts initiiere, passiert in der Regel nichts, und auch wenn ich aktiv werde, werde ich häufig zurückgewiesen.

Diese Themen sind uns beiden bewusst. Wir haben im Laufe der Jahre mehrfach offen darüber gesprochen. Sie zeigt dabei Verständnis und äußert auch den Wunsch, etwas zu verändern. Es gab konkrete Ansätze und Absprachen, jedoch haben sich die für mich wesentlichen Punkte langfristig kaum verändert. Veränderungen, die stattgefunden haben, betreffen eher Bereiche, die für mich weniger entscheidend sind.

In einem aktuellen Streit hat sie zu Recht angesprochen, dass ich über die Jahre immer wieder versucht habe, sie zu verändern. Das sehe ich inzwischen auch selbstkritisch. Daraus ergibt sich für mich eine grundlegende Frage: Bin ich mit ihr als Person glücklich, so wie sie ist – oder mit einer Vorstellung von ihr, die es in der Realität nicht gibt?

Gleichzeitig möchte ich betonen, dass unsere Beziehung viele sehr positive Aspekte hat. Wir verstehen uns emotional sehr gut, können offen miteinander sprechen, teilen Vertrauen und sind grundsätzlich sehr eng verbunden. Der Gedanke, sie zu verlieren, fällt mir entsprechend schwer.

Trotzdem bleibt die Unsicherheit, ob ich mit den bestehenden Unterschieden langfristig wirklich zufrieden sein kann – insbesondere, weil gemeinsame Werte und Lebensvorstellungen mit zunehmendem Alter für mich an Bedeutung gewinnen. Rückblickend habe ich oft darauf gehofft, dass sich bestimmte Dinge mit der Zeit entwickeln. Diese Erwartung hat sich bisher jedoch nicht erfüllt.

Ich stehe daher aktuell vor der Frage, ob es der richtige Weg ist, sie vollständig so zu akzeptieren, wie sie ist – mit allen positiven und negativen Seiten – oder ob ich mir eingestehen muss, dass diese Unterschiede langfristig nicht mit meinen Vorstellungen von einer erfüllten Beziehung vereinbar sind.

Mich würden vor allem Perspektiven von Menschen interessieren, die ähnliche Situationen erlebt haben oder eine differenzierte Sicht darauf haben.

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u/Lucky-Prune-8746 — 14 days ago