u/LoveDaMayo

Penis mit Ausrufezeichen, Schreiben wie ein Influencer, und mein behaarter Bauch

Ich hatte im Kopf eigentlich einen so guten Anfang für diese Ausgabe meiner Wochenrückschau. Wirklich. Aber ich habe sie nicht sofort aufgeschrieben, und mittlerweile habe ich vergessen, was ich ursprünglich schreiben wollte. Wieder einmal hat mich meine Disziplinlosigkeit eingeholt. Jetzt muss ich hier stattdessen irgendwelche Wörter aneinanderreihen - einfach nur, um überhaupt einen Einstieg in den Text zu haben.

Was hiermit erledigt wäre. Das war er, der Einstieg, ob er einem nun gefällt oder nicht. Laut Experten geht es beim Schreiben von Texten, beim Drehen von Videos, oder im Grunde bei jeglicher Art von Inhalten, die man produziert, um eine gute “Hook”. Denn nur mit einer guten Hook behält man die Aufmerksamkeit der Leute.

Man soll ein wenig wie ein Marktschreier denken, wenn man etwas produziert, von dem man möchte, dass die Leute es auch konsumieren, oder in meinem Fall: lesen.

Vielleicht schreibe ich das nächste Mal einfach “Penis” in den Titel, vorzugsweise mit drei bis vier Ausrufezeichen. Oder noch besser: Ich verwende diesen Trick jetzt schon!

Die Leute sehen das und fragen sich instinktiv, was ich damit wohl sagen möchte?

Sicher etwas Intellektuelles.

Vor einigen Abenden zappte ich mich durch das Fernsehprogramm auf meinem Flachbildfernseher, Marke Samsung. Dabei stiess ich auf einem öffentlich-rechtlichen Sender aus deutschen Landen auf eine Theaterperformance, bei der eine Frau auf der Bühne oben ohne die Texte irgendeines Dichters, von dem ich nie gehört hatte, vorgelesen hat.

So kann man natürlich auch die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Bevor ich selbst aber zu solch drastischen Schritten greife, würde ich zuerst meinen Bauch rasieren. Nicht, dass die Leute denken, ich sei ein Orang Utan-Charakterdarsteller und sich am Ende gar nicht auf den Inhalt, sondern nur aufs Äussere konzentrieren.

Apropos behaarter Bauch: Ich war letzten Freitag in einem Hallenbad im Dreiländereck Frankreich, Deutschland, Schweiz.

Gute Nachricht: Ich war nicht die Person mit dem behaartesten Bauch. Bei weitem nicht.

Bessere Nachricht: Das Hallenbad war - entgegen meiner Erwartung - voll mit angenehmen, sehr höflichen und zuvorkommenden Menschen jeder Nationalität und jeden Alters.

Man hört in den Medien nämlich immer wieder Horrorgeschichten aus den Bäderwelten Westeuropas. Davon wurde ich zum Glück verschont. Es war ein positives Erlebnis, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Vielleicht auch deshalb, weil ich - ungelogen - nach einer rasanten Rutschbahnfahrt von jenem verschwommenen Bereich in meinem linken Auge befreit wurde. Wahrscheinlich wurde mein gemartertes Gehirn irgendwie wieder in die richtige Stellung geschüttelt, als mich die Schwerkraft durch die Röhre jagte.

Wer also das nächste Mal Badespass für die ganze Familie zu fairen Preisen und in angenehmer Atmosphäre erleben möchte, der soll ab ins Laguna Badeland in Weil am Rhein! Gut möglich, dass man auf einmal auch wieder seine volle Sehstärke zurückerlangt! Das gönn’ ich mir natürlich für den läppischen Preis von 19 Euro pro Person!

Dieser Text wurde übrigens nicht gesponsert vom besagten Laguna Badeland. Ich wollte einfach nur mal so schreiben wie ein Influencer. Diesen Traum habe ich mir hiermit erfüllt… und Gott, es nervt.

Zum Glück bin ich kein Influencer und kann Dinge schreiben, wie ich es möchte. Es darf auch mal komplett sinnbefreit sein. Oder ich kann einfach Wörter erfinden, beispielsweise “Klaramarko”.

So nenne ich jetzt das Gebrechen, das ich in meinem Auge hatte, bevor ich mich in die “Black Hole” benannte Rutsche wagte.

Ich will das Influencer-Ding nochmals ausprobieren. Man sollte ja alles mindestens zweimal tun, bevor man eine Entscheidung für oder dagegen fällt.

Also:

Falls euch dieser Text gefallen hat, lasst doch ein Like da und folgt mir auf meinen Social Media. Nur diese Woche gibt es mit dem Code “Ivan_Summer_2026” zudem 50% auf Bauch-Rasierschaum in meinem E-Shop! Greift jetzt zu!

Fühlt sich noch immer falsch an. Fast so falsch wie ein rasierter Bauch.

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u/LoveDaMayo — 3 days ago

Vergangenen Sonntag ist es passiert. Ein Leben lang musste ich darauf warten. Nun nicht mehr. Und genau hier halte ich es literarisch und für alle Ewigkeiten fest: Ich wurde als Asozialer bezeichnet. In der Öffentlichkeit, und ohne dafür Geld bezahlen zu müssen, nur um es mir von jemandem sagen zu lassen, der es eigentlich gar nicht so meint. Ich zittere noch immer ein klein wenig, während ich das Geschehene hier niedertippe.

Das Einzige, was ich dafür tun musste, war, in Rufweite von Kindern eine Zigarette zu rauchen. Hätte ich doch nur gewusst, dass es so einfach ist…

Das Label wurde mir übrigens von einer Person zugeteilt, die Dörte-Anna heisst. Ihren Personalausweis habe ich zwar nicht gesehen, kann mir aber gut vorstellen, dass genau dieser Name drinsteht.

Ich tat nach dem zärtlichen verbalen Austausch, was Asoziale nun mal so tun, und rauchte meine Zigarette in Ruhe fertig. Passivraucher haben, gerade in unserer Zeit, ein eklatantes Nachwuchsproblem. Da muss man schon in jungen Jahren ansetzen, weshalb ich das langsame Zuende-Rauchen nicht nur als persönlichen Genuss, sondern als historische Verantwortung den anwesenden Kindern gegenüber empfunden habe.

Dörte-Annas Heldenmut will ich aber auch nicht kleinreden. Wie lange hatte sie sich wohl ein solches Szenario herbeigesehnt, in langen Nächten, auf dem Rücken liegend und in die Decke des dunklen Schlafzimmers über sich starrend…? Ich weiss es nicht. Aber so wird ihr der Tag als jener in Erinnerung bleiben, an dem sie zur Kämpferin für das Wohl der Kinder wurde, und ich zum offiziell anerkannten Asozialen.

Wir hatten also beide etwas davon!

Ich bin ohnehin ein Konsensmensch. Das bedeutet, dass ich eigentlich immer darum bemüht bin, dass am Schluss alle aus einer Sache das Positive ziehen können und etwas gewinnen. Vor allem ich.

Im Alltag neige ich eher weniger zum Gewinnen. Beweis: Ich habe noch nie etwas in einer Lotterie abgestaubt. Wäre das nämlich der Fall, dann sässe ich jetzt nicht auf einem äusserst unbequemen Bürostuhl, sondern würde über meine Ländereien irgendwo in Bosnien wachen, während Tabakpflanzen in der kräftigen Sonne der Herzegowina wachsen und gedeihen.

Tabak, der dann in Westeuropa zu Zigaretten für irgendeinen Asozialen verarbeitet wird.

Meine Heimat Bosnien hat derzeit gerade einen viralen Moment in den Sozialen Medien. Ich glaube, das hat irgendwann nach dem (unerwartet) gewonnenen Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiel gegen Italien begonnen.

Plötzlich wollen alle nach Bosnien. Und endlich ist es mal cool, sagen zu können, dass man an einem Ort geboren wurde, den die Menschen tatsächlich auf der Karte - so ungefähr - finden könnten.

Wir, die Menschen aus Bosnien und Herzegowina sowie dem breiteren Balkan, gelten gemeinhin als die Mexikaner Europas. Wohingegen die Mexikaner Amerikas als… Mexikaner gelten? Moment, ich habe mich jetzt ein wenig verzettelt.

Verzettelt! Das und “Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiel” sind übrigens meine gekrönten Lieblingswörter dieses Textes.

Menschen, die Deutsch als Muttersprache sprechen, nehmen das vielleicht nicht so deutlich wahr, aber: Deutsch ist eine der schönsten und poetischsten Sprachen, die es gibt.

Ich habe sie zwar erst gelernt, als ich etwa sechs Jahre alt war, aber seither nutze ich sie jeden Tag. Vielleicht auch, weil ich im deutschsprachigen Raum Europas lebe. Ja, doch, ergibt Sinn!

Man kann mit ihr spielen, elegant tanzen oder wuchtig vorpreschen, sie hat einen herb-melodischen Klang in der Aussprache… Deutsch ist, und das zurecht, die Sprache der Dichter und Denker.

Ausserdem wurde ich noch nie so klangvoll und elegant als Asozialer bezeichnet wie in der Sprache Goethes und Schillers.

Und damit beende ich meine Liebeserklärung an das Deutsch, das ich mittlerweile als meine zweite Muttersprache bezeichnen würde… und diesen Text beende ich auch.

Und zwar gleich. Moment…

Jetzt.

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u/LoveDaMayo — 10 days ago

Während ich wieder mal einen Strafzettel unter den Scheibenwischern meines Autos zog, blickte ich in den stahlblauen Aprilhimmel und fragte mich, wie lange das noch so weitergehen soll? Ich sollte mir wirklich eine Anwohnerparkkarte besorgen, dann hätte ich dieses Problem nicht, dachte ich mit knirschenden, fast frisch geputzten Zähnen. Aber für so viel Commitment bin ich noch nicht bereit - ich lebe ja erst seit etwa zehn Jahren in meiner aktuellen Wohnung. Was, wenn ich morgen auf einmal als Schriftsteller durchstarte und nach Los Angeles ziehen müsste? Dann hätte ich das Ding umsonst gekauft!

Immerhin tue ich mit dem (zumeist verspäteten) Zahlen solcher Strafzettel etwas für die Staatskasse. Man muss Dinge auch einfach mal positiv sehen können: Der Staat tut so viel für uns, da kann man als Zeichen der Dankbarkeit auch einfach mal so ein Zettelchen (mit extra Trinkgeld und einem Lächeln auf den Lippen) bezahlen.

Andererseits fehlt mir für derartiges Mäzenatentum die soziale Ader. Ich habe genau einmal in meinem Leben Geld gespendet, und zwar an ein Roma-Hilfswerk in Bulgarien. Und das auch nur, weil ich kurz davor einen Film über das Fahrende Volk gesehen hatte und es im Nachgang so cool fand.

Obdachlosen auf der Strasse gebe ich allerdings immer eine Zigarette, selbst wenn sie gar nicht danach fragen oder Nichtraucher sind. Denn ich bin der Überzeugung, dass jeder Mensch uneingeschränkten Zugang zu Zigaretten haben sollte, überall und zu jeder Zeit.

Seit ich auf selbstgedrehte Zigaretten umgestiegen bin, dauert diese wohlwollende Transaktion immer etwas länger als früher. Dann entwickelt sich manchmal eine unangenehme Stille, während ich die Papes anlecke und dabei dem auf seine Nikotinstängel wartenden Gegenüber tief in die Augen schaue.

Was ich damit sagen will: Um meine Zuneigung zu erlangen, appelliert man am besten an meine Emotionen! Warum nicht mal ein herzliches Smiley oder ein “Dankeschön” auf den Strafzettel drucken? Dann würde ich noch achtloser parkieren als jetzt schon.

Ich selbst habe übrigens kürzlich appelliert - und zwar an meine Geschirrspülmaschine.

Sie hat den Geist aufgegeben. Ohne grosse Vorankündigung, ohne monatelange Reklamationen oder irgendeinen Hinweis darauf, dass es ihr schlecht geht. Bis sie dann eines Tages das Geschirr mangelhaft gewaschen ausspuckte… auf dem Display ein Hinweis für mich, in blutroter, leuchtender Schrift: Fehler E09.

“Oh, Fehler E09!”, dachte ich mir nur. “Wir werden ja sehen”, ging mein innerer Monolog weiter, während ich sie erneut startete und sauberes Geschirr einforderte.

Meine Forderung blieb so ergebnislos wie eine Tanzstunde bei Detlef D! Soost: Fehler E09 heisst in Robotersprache wohl “defekte Heizpumpe”. Und siehe da, mit defekter Heizpumpe kriegt man auch kein sauberes Geschirr.

Noch dazu kommt es nass aus der Maschine. Dann muss man es von Hand abtrocknen. Sorry, aber wir leben ja wohl nicht mehr im Dunklen Mittelalter, dass ich meine Lebenszeit für so etwas verschwende?

Wobei… ich würde gerne im Mittelalter leben. Das wäre genau meine Zeit gewesen. Keine Strafzettel, kein LinkedIn, nur Leben im Augenblick und Pest. Wahrscheinlich wäre ich ein Mönch gewesen, vielleicht sogar ein Kardinal mit eigenem Bistum, irgendwo in Los Angeles mit Blick auf den Ozean. Wer weiss?

Mit etwas Glück erlebe ich es noch, dass unsere Welt in mittelalterliche Verhältnisse zurückgebombt wird. Noch ein Krieg hier, ein nuklearer Sprengkörper da, ein Ölengpass mehr… Das wäre irgendwie voll romantisch.

Mit Öl habe ich übrigens beruflich zu tun. Ich muss nämlich unter anderem darauf achten, dass die Liegenschaften, die ich verwalte, immer genügend Heizöl haben. Meine Expertenmeinung: Öl ist gerade recht teuer, vielleicht wird es sogar noch teurer.

Manchmal vergesse ich die Liegenschaften und das Öl, das die Leute zum Heizen brauchen. Meistens dann, wenn ich meine wöchentlichen Texte auf den letzten Drücker fertig schreiben muss. Aber, wie ich anfangs schon sagte: Man muss das Positive sehen!

Solche Ereignisse bringen eine gewisse Dramatik in so einen Text, es trieft ein klein bisschen vor Sturm und vor Drang, und die Leute ohne Heizung sehen mal, wie das früher war, als Ritter durch’s Land zogen und die Menschen nur Scheibentelefone hatten.

Der Klang einer Hupe dringt an mein Ohr! Der Öllieferant ist da. Ich muss zu ihm. Ihm zeigen, wo der Schlauch rein muss. Das klingt erotisch, ist es aber gar nicht.

Vor allem muss ich jetzt ein elegantes Ende für diesen Text finden. Und zwar schnell!

Ende.

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u/LoveDaMayo — 17 days ago