Ich habe Erinnerungen, aber kein erlebtes „Ich“ / ist das ADHS oder was anderes?
Ich (28) versuche etwas zu beschreiben, was sich nicht wie ein typisches ADHS-Problem anfühlt, aber vielleicht damit zusammenhängt.
Von außen betrachtet habe ich Dinge erlebt. Ich war in Situationen, habe gearbeitet, hatte Kontakt mit Menschen. Es gibt Erinnerungen. Aber intern ist davon nichts wirklich an mich gebunden. Es fühlt sich nicht so an, als hätte ich das erlebt. Eher so, als hätte ich Zugriff auf Erinnerungen, die genauso gut zu einer anderen Person gehören könnten.
Das Problem ist nicht, dass nichts passiert ist – sondern dass sich daraus kein „Selbst“ gebildet hat.
Viele beschreiben bei ADHS ja Schwierigkeiten mit Fokus, Impulsen, Motivation etc. Was ich aber merke, geht eine Ebene darunter:Ich habe keine stabile Verankerung meiner eigenen Erfahrungen. Dinge passieren, ich nehme sie wahr, aber sie werden nicht Teil von mir.
Dadurch entsteht ein zweites Problem:Ich kann kaum echte Verbindung zu Menschen aufbauen, die aus ihren Erfahrungen heraus leben. Für die ist es selbstverständlich, dass ihr Erlebtes ihre Identität formt. Für mich fehlt genau diese Selbstverständlichkeit komplett.
Wenn ich mit solchen Menschen rede, habe ich nicht das Gefühl, gesehen zu werden. Nicht, weil sie etwas falsch machen, sondern weil sie auf etwas reagieren, das bei mir so gar nicht existiert.
Es fühlt sich eher so an, als wäre ich an einem Punkt, an dem ich meine Existenz im Hier und Jetzt überhaupt erst aufbauen müsste. Nicht darauf aufbauen, sondern überhaupt erst anfangen.
Mein eigentliches Bedürfnis ist simpel formuliert:Ich will Dinge nicht nur sehen oder durchlaufen, sondern wirklich erleben und daraus ein Ich entwickeln.
Aktuell passiert aber genau das nicht. Es bleibt alles wie „unverbundenes Material“.
Was ich mich frage:
Gibt es hier Leute (evtl. mit ADHS oder ähnlichem), die dieses Gefühl kennen?
Ist das überhaupt ein ADHS-Ding oder eher etwas anderes (Dissoziation, Depersonalisation etc.)?
Und vor allem: Wie kommt man von diesem Zustand ins tatsächliche Erleben, sodass Dinge sich wirklich „eigen“ anfühlen?
Mir geht es nicht um allgemeine Tipps wie „mehr rausgehen“ oder „achtsam sein“. Das greift bei mir nicht auf der Ebene, auf der das Problem liegt.