u/Jxsttthxxghts

Liebe Schwarnintelligenz,

Ich (M,23) studiere Lehramt Französisch, Philosophie Sport in NRW (B.A.) und schreibe voraussichtlich im nächsten Semester meine Bachelorarbeit. Seit einiger Zeit mache ich mir jedoch (womöglich auch unnötiger Weise) Sorgen.

Kurz zu meinem Hintergrund:

Es sei gesagt, dass der Sport mich schon mein ganzes Leben lang als Leidenschaft begleitet und ich Deutsch-Französisch bilingual aufgewachsen bin. Ebenfalls stelle ich mir meine Fächerkombination gerade durch das Fach Sport als ziemlich erfüllend vor. Meine Mutter (selbst auch Lehrerin), wie auch so ziemlich alle Freunde und Bekannten sind auch davon überzeugt, dass ich eines Tages ein sehr guter Lehrer werde. Das Arbeiten mit Kindern hat mir in anderen Rollen (Freizeiten, Sportcamps etc.) auch immer Spaß gemacht - all diese Gründe haben mich zur Wahl meines Studiums geführt.

Die Noten in meinem Studium stimmen auch soweit und ich scheine akademisch gut aufgehoben (Studium an der DSHS). Rein formal passt das Studium also wie die Faust aufs Auge (kleine Annekdote als Boxsportler;) ). Als Nebenjob arbeite ich in der Gastro.

Seit einiger Zeit arbeitet es dennoch in mir. Mich wurmt, dass ich außer Schule und Studium nie etwas anderes wirklich kennengelernt habe - auch, da meine Fächerkombi mit meinen Voraussetzungen mehr oder weniger dem Weg des 'geringsten Widerstandes' entspricht. Es liegt nunmal in der Natur eines Lehramtsstudiums, dass man eine lange Ausbildung absolviert und in seinem Weg ziemlich 'festgefahren' ist (was an sich persé ja auch nichts Schlimmes und in anderen Bereichen noch stärker der Fall ist). Allerdings sammelt man - zumindest bis zum Praxissemester im 2. Mastersemester - so gut wie gar keine Erfahrungen seinem späteren Beruf. In den Praktika, die ich bisher absolviert habe, durfte ich zwei Unterrichtsstunden übernehmen - beide waren im Fach Sport und liefen ziemlich gut (Feedback von Lehrperson und SuS war durchweg positiv). Für meinen Geschmack viel zu wenig. Denn auch kurz vor dem achelor-Abschluss habe ich eigentlich *keinen Schimmer*, ob Lehrer tatsächlich der richtige Beruf für mich ist. Weder weiß ich, ob ich mich vor einer Klasse wohlfühlen, noch, ob ich das Ref durchhalte oder ob mir unterrichten überhaupt liegt.

Die Horrorvorstellung ist, dass ich im Praxissemester vor einer Klasse stehe, extrem nervös werde, Lampenfieber kriege und mich selbst als für den Job ungeeignet erlebe (wie realistisch dies ist, sei mal dahingestellt).

Natürlich sind das Gehalt und die Aussicht auf eine Verbamtung sehr attraktiv und eine solche Sicherheit hat man in kaum einem anderen Job, allerdings will ich auch in meinem Job glücklich werden.

Im Praxissemester im Master werde ich bereits Mitte 24 Jahre alt sein, für mich vom Gefühl her zu alt, sich nochmal neu umzuorientieren.

Als Kontrast:

Viele meiner Freunde haben ein duales Studium bei der Stadt angepeilt (IT), haben von Anfang an Berührungspunkte mit ihrem Beruf gesammelt und verdienen auch zum jetzigen Zeitpunkt bereits gutes Geld - stehen also mit beiden Beinen (und mit hervorragender Work-Life-Balance) fest im Leben. Ich ertappe mich häufiger dabei, es zu bereuen, nicht einen ähnlichen Weg gegangen zu sein. Eben dadurch, dass ich so wenig kennengelernt habe, habe ich immer mehr den Eindruck, gar nicht mehr zu wissen, was ich denn überhaupt will.

Daher die Frage:

Bringt ein Lehramt B.A./Master einem überhaupt etwas auf dem Arbeitsmarkt oder bin ich 'gefangen' in einem Metier, von dem ich nicht einmal weiß, ob ich ihn wirklich die nächsten 50 Jahre meines Lebens ausüben will?

Oder müsste ich mich gänzlich neu umorientieren?

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u/Jxsttthxxghts — 15 days ago