Meine erste App in iOS + Play Store gelaunched. Ohne Claude wäre das zeitlich nicht gegangen.
Ahoi in die Runde,
kurz zur Einordnung: hauptberuflicher Freelancer (Schwerpunkt Design und Entwicklung).
Ich will ehrlich darüber schreiben, weil die üblichen "Solo-Dev-baut-App"-Posts oft verschweigen, was den Unterschied macht: ohne Claude hätte ich das zeitlich nicht geschafft. Nicht weil ich ohne nicht coden könnte, sondern weil neben Kundenarbeit einfach keine Zeit für 60 Prozent Rohbauarbeit übrig ist. Plus den ganzen organisatorischen Aufwand.
Was AI konkret übernommen hat
Planing, Tests, Migrations, Feintuning, die langweiligen Strecken, die bei jedem Projekt den Großteil der Zeit fressen. Pair-Programming-artig, nicht Autopilot. Ich beschreibe was ich will, prüfe den Vorschlag, nehme was passt, verwerfe den Rest. Produkt-Entscheidungen, Architektur, Datenmodell und alle Trade-offs kommen weiter von mir.
Claude ist schnell und gründlich bei Ausführung, aber es denkt nicht für dich und wenn du es lässt, baut es Dinge, die an deinem eigentlichen Problem vorbeigehen. Sich selbst zu bremsen ist dabei unfassbar wichtig. Muss(te) ich selbst lernen. Nach wie vor.
Was AI nicht abnimmt
Zwei Dinge haben mich unabhängig davon Wochen gekostet, und daran hat kein Modell was geändert.
Apple DSA-Compliance. Seit letztem Jahr verifiziert Apple Händlerdaten bevor die App in der EU live geht. Drei bis vierzehn Tage Wartezeit. Meine Adresse war in den Apple-Formularen mit Tippfehler drin ("Ullsteinstrae" statt "Ullsteinstraße"). Apple matcht das gegen Handelsregister- und Impressum-Daten, und ein einziger Zeichenfehler heißt neue Runde. Impressum, Gewerbemeldung und Apple-Developer-Account müssen byte-genau gleich sein, inklusive Umlaut.
Google Play Closed Testing. Google verlangt 12 aktive Tester über 14 Tage, bevor du überhaupt submitten darfst. Der Zähler ist strikt. Wer keine Audience hat, muss früh rekrutieren. Da ich keine Freunde nerven wollte, habe ich mich für einen Bezahlservice entschieden. Was soll ich sagen, hat geklappt.
Der ehrliche Teil
Ich habe keinen Bock auf "Indie-Hero-von-Null"-Erzählungen, weil sie für andere frustrierend werden, wenn sie das nachbauen wollen und merken, dass die Zeit-Mathematik nicht aufgeht. Die Wahrheit ist simpler: neben Kundenarbeit durchziehbare Solo-Projekte sind heute eine andere Kategorie als vor drei Jahren. Nicht weil man weniger arbeitet, sondern weil die Werkzeuge so viel schneller und besser geworden sind.
Frage an die Runde:
Und falls ihr selbst schon mal eine App oder ein eigenes Produkt alleine neben der Kundenarbeit durchgezogen habt: wie ging es euch dabei? Wo wäre es bei euch fast gescheitert, was hat euch wieder drangehalten, und wie schaut ihr heute auf den Aufwand im Verhältnis zu dem was rausgekommen ist?
Cheers,
Rafael