Grüß euch Leute,
ich bin 27, habe einen Master in Geschichtswissenschaft und verdiene zurzeit 3.300 netto als so eine Art Führungskraft (Arbeitgeber u. Branche bleibt geheim). Relevante Fachkenntnisse erwerbe ich hier aber nicht und habe ich auch nicht vorzuweisen.
Innerhalb der nächsten ein oder zwei Jahre werde ich mich wieder auf dem Arbeitsmarkt umschauen müssen, und bin mittlerweile tatsächlich am Überlegen, ob es sich finanziell lohnen würde eine verkürzte Lehre als Zimmermann, gefolgt vom Meister zu machen und dann mit eigener Firma selbstständig zu werden.
Erste Sondierungen auf dem Arbeitsmarkt für Stellen als Projektmanager und Ähnliches sind zwar nicht katastrophal verlaufen, aber nach Geschichtswissenschaftlern hat man sich natürlich auch vor der Rezession und der Krise der deutschen Industrie nicht gerade die Finger geleckt, und das ist nicht besser geworden.
Jetzt konkurriere ich als Geisteswissenschaftler mit den ganzen entlassenen oder neu auf den Arbeitsmarkt kommenden Maschinenbauern, Elektroingenieuren und BWL´ern um die paar freien Stellen, was noch dazu die Löhne drückt.
Ich habe Stand jetzt 5 Bewerbungen verschickt, bisher 3 Absagen erhalten, wobei ein Arbeitgeber (Amazon) aber trotzdem ein Gespräch für eine andere Stelle machen will und noch eine Einladung über Stepstone von einer Art Personaldienstleister (Leiharbeitsfirma) für Akademiker, also nicht gerade überschwänglich die Resonanz.
Außerdem gewinne ich zunehmend den Eindruck, auch wenn man als Akademiker (noch) immer irgendeinen Schreibtischjob bekommen wird, sind die Aufstiegschancen und das Gehalt eher begrenzt. Selbstständig machen kann man sich, besonders mit einem Geschichtsstudium, auch schlecht. So bleibt man als Akademiker fast immer irgendein angestellter PC-Dulli mit mittelmäßigem Gehalt, auch wenn man Personalverantwortung trägt.
Die selbstständigen Handwerksmeister die ich kenne, haben dagegen alle fette Grundstücke, fette Häuser, fette Karren und teilweise sogar fette Yachten, die machen mal so richtig Kohle. Dagegen sind die meisten Bachelor- und Masterstudenten sowie PostDocs in meinem Alter, mich eingeschlossen, ziemliche Geringverdiener, die von so einem Lebensstandard nur träumen können.
Allerdings wärs schon ziemlich bitter, als Dreißigjähriger mit Abi und Master zwischen Haupt- und Realschulabsolventen in der Berufsschule zu sitzen, während alle gleichaltrigen Kollegen dir vom Wissensstand her geschlagene 15 Jahre voraus sind.
Was meint ihr, bin ich ein verwöhnter Mailschubser, dem es mit Kaffee und über 3000 netto im Büro einfach zu gut geht, oder könnte es sich tatsächlich lohnen noch mal ne Lehre und einen Meister hinten ranzuhängen, und sich selbstständig zu machen?