u/Icy_Dingo1568

Ratschläge erwünscht

Ich m(21)versuche die Situation möglichst objektiv zusammenzufassen, weil ich mittlerweile selbst nicht mehr weiß, ob wir eine vernünftige Entscheidung getroffen haben oder ob wir vielleicht zu früh aufgegeben haben.

Meine Exfreundin w(21) und ich haben uns vor kurzem getrennt bzw. die Beziehung beendet, obwohl wir uns beide eigentlich noch sehr gern haben. Genau das macht es gerade so schwierig. Es gab keinen Betrug, keinen Hass, als Auslöser. Eher das Gefühl, dass gewisse Dynamiken uns beide auf Dauer emotional erschöpft haben.

Ein großes Thema war, dass wir ein sehr unterschiedliches Verständnis von Nähe und Beziehung hatten. Sie hatte ein starkes Bedürfnis nach emotionaler und körperlicher Nähe sowie kleinen Gesten im Alltag. Viele Dinge sollten für sie eher selbstverständlich „von selbst“ kommen – z. B. sie abholen, mehr körperliche Nähe, mehr Initiative meinerseits etc. Für sie war das Ausdruck von Liebe.

Ich hingegen bin eher jemand, der Freiwilligkeit braucht und sich unter impliziten Erwartungen schnell unter Druck gesetzt fühlt. Ich habe versucht, mich anzunähern und Dinge zu ändern, aber irgendwann hatte ich oft das Gefühl, mich dabei selbst zu verlieren oder unauthentisch zu handeln. Nicht weil sie mir egal war, sondern weil manche Dinge für mich einfach anders funktionieren.

Zusätzlich kommt dazu, dass psychisch bei ihr einiges mitgespielt hat. Ich möchte sie nicht auf irgendeine Diagnose reduzieren, weil sie natürlich viel mehr ist als das, aber gewisse Verlustängste, impulsive emotionale Reaktionen und starke Unsicherheiten haben die Dynamik wahrscheinlich verstärkt. Streit eskalierte oft sehr emotional und ich hatte immer mehr das Gefühl, nicht nur Partner zu sein, sondern teilweise auch emotionale Stabilität mittragen zu müssen. Das hat mich langfristig ziemlich erschöpft.

Wir haben aber nicht einfach beim ersten Problem aufgegeben. Wir haben wirklich viel darüber gesprochen, reflektiert, versucht Lösungen zu finden und uns gegenseitig zu erklären, wie wir Dinge wahrnehmen. Teilweise ging es auch um Therapie oder andere Unterstützungsmöglichkeiten. Trotzdem kamen viele Muster immer wieder zurück.

Irgendwann standen wir dann beide an dem Punkt, wo wir uns gefragt haben, ob Liebe alleine reicht, wenn die eigentliche Dynamik trotzdem immer wieder weh tut.

Und genau das macht die Situation jetzt so schwer. Weil wir uns eben nicht getrennt haben, weil keine Gefühle mehr da wären. Sondern obwohl noch Gefühle da sind. Deshalb fühlt es sich weder klar noch erleichternd an, sondern eher traurig, leer und widersprüchlich.

Ein Teil von mir denkt sich natürlich ständig, ob man nicht doch noch irgendeinen Weg finden könnte oder ob wir vielleicht zu früh aufgegeben haben. Gleichzeitig weiß ich aber auch, wie belastend manche Situationen zuletzt wirklich waren und dass das eben nicht nur Kleinigkeiten waren.

Mich würde ehrlich interessieren, wie Außenstehende so eine Situation einschätzen. Klingt das eher nach einer Beziehung, die trotz Liebe langfristig einfach nicht gesund funktioniert hätte? Oder eher nach etwas, woran man mit genug Arbeit und Zeit vielleicht doch noch hätte wachsen können?

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u/Icy_Dingo1568 — 1 day ago