Ich liebe meinen Partner eigentlich – warum fühlt sich trotzdem alles „falsch“ an? Identitätskrise?
Hey zusammen,
ich schreibe das hier, weil ich mich seit langer Zeit innerlich komplett zerrissen fühle und gerne wissen würde, ob jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat.
Ich (w, 28) bin seit fast 6 Jahren in einer eigentlich sehr gesunden Beziehung. Mein Partner (m, 27) ist wirklich ein toller Mensch: fürsorglich, liebevoll, unterstützend, zuverlässig, sehr offene Kommunikation. Er gibt mir Sicherheit, behandelt mich gut und sagt selbst, dass ich die Frau fürs Leben für ihn bin. Eigentlich alles, was man sich wünschen sollte.
Und genau deshalb fühle ich mich so schuldig.
Denn obwohl „objektiv“ alles gut ist, habe ich seit ungefähr 1,5 Jahren immer wieder das Gefühl, dass etwas fehlt. Ich fühle mich innerlich distanziert, teilweise leer und frage mich ständig, ob ich überhaupt noch am richtigen Platz bin. Ich denke immer mal wieder über Trennung nach, obwohl ich meinen Partner eigentlich liebe und ihn auf keinen Fall verletzen will, einfach nur aus dem Grund, weil ich es so ungerecht gegenüber ihm finde, dass ich so schwanke und unsicher bin.
Das Schwierige ist:
Ich kann nicht mal genau erklären, WAS fehlt.
Aber ich merke:
- Die körperliche Anziehung ist deutlich weniger geworden
- Wenn er Nähe sucht, blocke ich innerlich manchmal ab
- Der Gedanke an GV mit ihm fühlt sich teilweise eher nach Druck/Pflicht an
- Ich werde schnell von seiner Stimmung beeinflusst
- Wenn er still oder zurückgezogen ist, wird mein Kopf extrem laut
- Gleichzeitig wünsche ich mir Nähe und Distanz gleichzeitig
Wir führen inzwischen eine offene Beziehung (ca. 1 Jahr, durch verschiedenen Gründen, Tode im Freundeskreis, FOMO, Auslebung etc. was von beiden Seiten gelebt wird und einverstanden sind), was mir anfangs tatsächlich ein Gefühl von Freiheit gegeben hat. Dabei habe ich jemanden kennengelernt (knapp 4 Monate), mit dem ich eine extrem intensive Verbindung habe. Nicht nur körperlich (Stichwort Lovelanguage), sondern auch emotional und mental. Mit ihm fühle ich mich lebendig, begehrt, verstanden und irgendwie „mehr ich selbst“. Ich denke ständig an ihn, vermisse ihn schnell und spüre dort eine Intensität, die ich in meinen bisherigen Beziehungen noch nie in dem Ausmaß gefühlt habe.
Aber ich weiß auch:
Neue Menschen bringen natürlich Spannung, Dopamin und Aufregung mit sich. Deshalb habe ich Angst, alles zu idealisieren oder mich in dieses Gefühl reinzusteigern.
Gleichzeitig habe ich angefangen zu merken, dass mein Problem vielleicht noch tiefer liegt:
Ich glaube, ein Teil von mir fühlt sich generell noch nicht bereit, sich komplett „settlen“ zu wollen. Ich habe ein starkes Bedürfnis nach Freiheit, neuen Erfahrungen, Lebendigkeit und Selbstfindung. Manchmal fühlt sich das gemeinsame Leben fast einengend an, obwohl mein Partner nichts falsch macht. Wir wohnen seit 2 Jahren zusammen, vorher Fernbeziehung, wo wir uns alle 2 Wochen gesehen haben. Generell in den ganzen Jahren hatten wir nie wirklich Streit. Also eigentlich traumhaft.
Und genau das macht mich fertig:
Wie kann man jemanden lieben, dankbar sein und trotzdem innerlich unglücklich oder unerfüllt sein?
Ich frage mich oft:
- Ist das nur eine Phase?
- Habe ich unrealistische Erwartungen an Liebe?
- Suche ich zu viel Intensität?
- Oder bin ich einfach nicht mehr glücklich in der Beziehung?
- Kann man jemanden lieben und trotzdem nicht mehr die richtige Beziehung mit ihm haben?
- Hat jemand schon mal gemerkt, dass er eher Freiheit/Selbstfindung gebraucht hat als eine feste Partnerschaft?
- Und wie unterscheidet man echte Zweifel von Bindungsangst oder Overthinking?
- Macht es Sinn sich räumlich zu trennen, also jeder seine eigene Wohnung damit mir der Druck rausgenommen wird und ich so erstmal mich auf einer Weise finden kann?
Ich habe einfach Angst:
- einen wundervollen Menschen zu verlieren
- später alles zu bereuen
-aber gleichzeitig auch Angst, mich selbst immer mehr zu verlieren, wenn ich bleibe.
Vielleicht hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht oder einen klareren Blick von außen 🤍
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Kurzfassung:
Ich (27) bin seit mehreren Jahren in einer eigentlich liebevollen, gesunden Beziehung mit einem tollen Partner, der mich sehr liebt und mir Sicherheit gibt. Trotzdem fühle ich mich seit ca. 1,5 Jahren innerlich distanziert und frage mich immer öfter, ob ich noch am richtigen Platz bin.
Die körperliche Anziehung und Lust auf meinen Partner sind deutlich weniger geworden, Nähe fühlt sich manchmal eher nach Druck an. Gleichzeitig habe ich in unserer offenen Beziehung jemanden kennengelernt, bei dem ich wieder starke emotionale und körperliche Intensität spüre. Das hat mir gezeigt, dass ich diese Gefühle grundsätzlich noch empfinden kann.
Ich merke aber auch, dass es vielleicht nicht nur um die Beziehung geht, sondern darum, dass ich mich generell nach mehr Freiheit, Lebendigkeit, Selbstfindung und neuen Erfahrungen sehne und mich noch nicht wirklich „angekommen“ fühle.
Jetzt stehe ich zwischen:
- einem sicheren, liebevollen Partner, den ich nicht verlieren und verletzen will
und
- dem Gefühl, dass mir innerlich trotzdem etwas fehlt und ich mich selbst verliere, wenn ich bleibe.
Ich versuche herauszufinden, ob das eine Phase / Bindungsangst / Overthinking ist oder ob ich ehrlich akzeptieren muss, dass die Beziehung sich für mich verändert hat. 🤍