u/Entrophexion

Ich lasse konkrete Zahlen hier bewusst raus aus Gründen, da nicht relevant für die Kernfrage:

Ein langjähriger Freund (Mitte 30) verdient eigentlich nicht schlecht, lebt ländlich, zahlt günstige Miete (mittlerer bis oberer dreistelliger Bereich warm) und etwa Unterhalt für seine Tochter, hat aber inzwischen einen mittleren fünfstelligen Betrag Schulden (Dispo, Kreditkarte, Kredite, Privatschulden) und kann wohl mittlerweile nicht mal mehr sicher seine Miete zahlen.

Er hat z. B. ständig den Job und Wohnung gewechselt (jeweils locker 10-20 Mal, kein Witz), ist oft krankgeschrieben und hat dauernd neue halbgare Ideen oder Projekte (z. B. zwischendrin eine völlig stümperhafte "Selbstständigkeit"), die nie langfristig verfolgt werden, das Kind mit seiner nun Ex war auch bereits wenige Monate nach Beziehungsbeginn im Anmarsch, mehrere Weiterbildungsmaßnahmen hat er abgebrochen. Gleichzeitig werden immer wieder impulsive finanzielle Entscheidungen getroffen, z. B. seinerzeit ein Kredit für Umbauten am Haus der nun Ex, was ihm nicht gehört oder jetzt der Wunsch nach einer Umschuldung mit zusätzlichen Mitteln, um noch ein Auto kaufen zu können, weil seins bald durch ist (Spoiler: er bekommt keinen).

Er definiert sich extrem über seine Tochter und sagt oft, dass er „alles“ für sie macht, so auch der jüngste Umzug, weil er unbedingt ein extra Kinderzimmer wollte (sie übernachtet lediglich alle 2 Wochen ein WE bei ihm), obwohl ihm schon länger das Wasser bis zum Hals steht, der letzte Umzug war wohl der finale Todesstoß. Aber auch sonst hat er glaube ich keinerlei Überblick über seine Ausgaben, er raucht, fährt ständig unnötige Strecken mit dem Auto, kauft irgendein Zeug, was er nicht braucht und ging zumindest zeitweise jeden Morgen beim Bäcker frühstücken etc...

Mir ist klar, dass er eigentlich dringend zur Schuldnerberatung bzw. vermutlich mittlerweile auch in die Privatinsolvenz müsste, aber er bewegt sich nicht und ist aktuell scheinbar wieder krank geschrieben. Eventuell wurde er auch bereits (mal wieder) gekündigt, er äußert sich fast garnicht mehr. Das Problem ist vor allem, dass ich das Gefühl habe, dass immer noch keine wirkliche Einsicht da ist, dass es so nicht weitergehen kann und man seine Ausgaben und sein Verhalten grundsätzlich in den Griff bekommen muss, statt einfach neue Kredite aufzunehmen. Dazu verbittert er immer weiter und ist politisch längst in blauen Kreisen unterwegs, die Regierung ist sowieso an allem Schuld.

Ich kann auch sehr schwer irgendwas dazu sagen, da er meine Situation als privilegiert wahrnimmt und er das relativ schnell als Angriff sieht. Dazu sei gesagt, ich hatte sicher eine bessere Ausgangslage als er, habe mir aber auch vieles hart erarbeitet. Wie geht man mit sowas als Freund überhaupt noch sinnvoll um? Ich will ihn nicht einfach abschreiben, aber aufdrängen ebenfalls nicht.

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u/Entrophexion — 7 days ago