Wir jammern über 109.000 unbesetzte IT-Stellen und kriegen es nicht hin, einen vernünftigen Ausbildungsberuf für IT-Security zu schaffen
Bin seit 15+ Jahren in der IT-Security, mittlerweile selbstständig. Das Thema treibt mich seit Jahren um, mich interessiert eure ehrliche Sicht.
In Deutschland hat sich seit 20 Jahren eine bestimmte Erzählung durchgesetzt: Wer kein Abi macht und nicht studiert, hat's nicht "geschafft". Handwerk = Notlösung, Ausbildung = Plan B für die, die im Hörsaal nicht mithalten.
Die Quittung kommt jetzt:
- Fast jeder Zweite eines Jahrgangs studiert, 28 % brechen ab (DZHW/Destatis)
- 250.000 Fachkräfte fehlen im Handwerk (ZDH)
- 109.000 in der IT (Bitkom 2025)
- Eine IT-Stelle bleibt im Schnitt 7,7 Monate offen, eine Handwerksstelle 6,2 Monate
Und parallel haben wir bis heute keinen eigenständigen IHK-Ausbildungsberuf für IT-Sicherheit. Im aktuellen FI (egal welche FR) sind rund 6 Wochen IT-Security drin. Bei der Bedrohungslage 2026 ist das ein Witz.
Was mich am meisten nervt: Gerade in der IT ist die formale Qualifikation eigentlich am wenigsten relevant. Wer Zertifikate und Praxis hat, redet jeden frisch Studierten in Grund und Boden. Trotzdem haftet vielen FIs noch dieses "zweite Wahl"-Gefühl an, weil das Bildungssystem es ihnen jahrelang eingetrichtert hat.
Ein konkretes Beispiel aus der Praxis (ISO 27006): Ein studierter Literaturwissenschaftler erfüllt die formalen Hürden für IT-Prüfrollen oft allein durch sein Studium plus ein paar Schnellkurse. Ein Fachinformatiker mit 10 Jahren Praxis und denselben Zertifikaten kommt formal nicht rein, weil der akademische Stempel fehlt.
Ehrliche Fragen an euch:
- Wie habt ihr das in eurer Laufbahn erlebt?
- Wer hat sich schon mal als "zweite Wahl" gefühlt, weil das Studium fehlt?
- Was haltet ihr von der Forderung nach einem eigenständigen "Fachinformatiker für IT-Sicherheit"?
- Welche Zertifikate haben euch wirklich was gebracht – und welche waren rausgeschmissenes Geld?