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Zukunftsunsicherheit nach WB

Liebe Kolleg:innen,

ich brauche eure Einschätzung und würde mich über Erfahrungen freuen.

Ich arbeite seit gut einem Jahr in der Neuroradiologie an einer großen Uniklinik. Davor war ich 2 Jahre in der Neurologie an einer anderen Uniklinik und 2 Jahre als Neurologe in einem multidisziplinären MVZ in meinem Herkunftsland. Am zufriedensten war ich ehrlich gesagt im ambulanten Bereich: viele verschiedene Patient:innen am Tag, längere Begleitung, viel Kommunikation und direkte Beteiligung an der Behandlung.

Die Bedingungen an meiner aktuellen Stelle in der Neuroradiologie sind eigentlich gut: nettes Team, 1–3 12/24h-Dienste im Monat und relativ viel Forschungszeit, was mir bei der Stellensuche sehr wichtig war und in der ich gerade einige spannende Projekte betreue. Trotzdem merke ich: Wenn ich an die Zukunft denke (mehr Angios, hochgradige Dienste, eigene Forschungsgruppe etc.), kann ich mir nicht vorstellen, das als FA/OA mein ganzes Berufsleben lang zu machen. Radiologie macht mir insgesamt weniger Spaß als die Neurologie damals, vor allem weil mir der direkte Patientenkontakt fehlt. Gleichzeitig habe ich in der Neurologie mitbekommen, wie belastend die OA-Tätigkeit ist, und das schreckt mich ebenfalls ab.

Eine Kollegin aus der Neuro ist nach dem Facharzt in die Praxis gewechselt und dort sehr zufrieden. Ich selbst habe aktuell keine realistische Möglichkeit, das ambulante Arbeiten in Deutschland zu „schnuppern“, und bin daher unsicher: Klinik/universitäre Laufbahn mit Forschung vs. Praxis/MVZ? Forschung macht mir Spaß, aber der ständige Drittmittelkampf, insbesondere in Kombination mit Vollzeit-Klinik, erscheint mir langfristig sehr anstrengend. Andererseits weiß ich aus meiner MVZ-Zeit, wie spannend und erfüllend es für mich war, viele verschiedene Fälle ambulant zu sehen und Patient:innen über längere Zeit zu begleiten. Gleichzeitig fände ich es schade, kaum noch komplexe Diagnostik und Therapiekonzepte bei schwierigen Fällen zu machen, die ja meist in der Klinik bzw. Spezialambulanzen landen.

Daher meine Fragen an euch:

• Wer von euch stand vor einer ähnlichen Entscheidung zwischen Uniklinik/Forschung und Praxis?

• Wer ist aus der Klinik in die Praxis gegangen – bereut ihr es oder würdet ihr es wieder so machen?

• Was waren im Rückblick eure wichtigsten Argumente pro/contra Praxis vs. Unikarriere?

• Und was würdet ihr persönlich empfehlen: Beine stillhalten, FA Radiologie fertig machen und schauen, ob es mit zunehmender Erfahrung besser wird? Zurück in die Neurologie an eine passendere Uniklinik mit gutem Forschungsschwerpunkt? Oder nach Promotion etc. in die Praxis und die Unis mit ihrem Wettbewerb und teils narzisstischen Chefs einfach hinter sich lassen?

Ich freue mich über jede Erfahrung und Meinung. Sorry für viel Text und Danke!

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u/Dry-Measurement-1354 — 16 hours ago