Guten Tag zusammen,
folgende Situation: Meine Freundin (27) hat sich vor 3 Wochen (für mich sehr überraschend) von mir (28) getrennt. Wir hatten in der Woche davor bereits 3 abendliche Gespräche, in denen es darum ging, dass sie unsicher ist, ob sie die Beziehung weiterführen möchte. Wir haben dann immer ehrlich und sachlich miteinander geredet und eigentlich festgestellt, dass die „Gründe“ alle lösbar sind und Kompromisse erarbeitet.
Mich hat die Entscheidung, sich dann letztendlich zu trennen, jedoch sehr überrascht, da ich eigentlich davon ausgegangen war, dass wir jetzt (nach 1 1/2 Jahren Beziehung) einfach nicht mehr die rosarote Brille aufhaben und den Punkt erreicht haben, an dem Unsicherheiten ein Stück weit dazugehören und es gilt, an der Beziehung zu arbeiten.
Grundsätzlich ist es so, dass ich natürlich auch Punkte hatte, die mich gestört haben. Meine Ex-Freundin war mit fast 27 immer noch sehr abhängig von ihren Eltern und hat von diesen gefühlt immer konsequent alles bekommen, was sie sich gewünscht hat. Die Diskussionen, die wir hatten, waren aus meiner Sicht häufig „not that deep“. Es ging viel um das Thema, was das „Bare Minimum“ (für sie) in einer Beziehung ist.
Eine große Diskussion hatten wir beispielsweise dadurch, dass ich meiner Freundin mehrfach ihr Fahrrad nicht aus unserer Wohnung runter- bzw. hochtragen wollte. Teilweise habe ich es proaktiv von mir aus gemacht, habe dann aber irgendwann kommuniziert, dass man es nicht dauerhaft runter- und hochtragen könne und eine andere Lösung suchen müsste. Dies ist ihr anscheinend extrem aufgestoßen, da sie sich sehr darüber aufgeregt hat, dass sie mich überhaupt fragen müsse, ob ich es ihr hochtrage. So hat sie das Thema dann mehrfach angesprochen. Problematisch war für mich, dass sie der Meinung war, dass ich es „immer“ machen müsste. Das wäre für sie normal in einer Beziehung, sich zu helfen, und sie fände es traurig, dass sie überhaupt danach fragen müsse.
Ich habe ab einem gewissen Zeitpunkt das Gefühl gehabt, dass ich „nicht genug“ bin. Mit ihren Freunden fand ich es teilweise auch sehr schwierig (nicht mit allen, aber mit 2–3 Leuten), da diese die Art von Menschen sind, die auf einer Grillparty plötzlich 1–2 Stunden über das Thema Erbschaftssteuer reden oder darüber, welchen Porsche sie sich als Spaßauto holen wollen. Ich habe dann versucht, mich darauf einzulassen, aber es gab immer den einen Moment, ab dem ich nicht mehr so tun konnte, als ob mich die Thematik interessiert. Meine Ex-Freundin wusste über diesen Struggle meinerseits auch Bescheid – letztendlich hatte ich aber nie wirklich das Gefühl, dass es sie interessiert hat.
Letztendlich weiß ich gerade nicht so richtig, wie ich mit der Situation umgehen soll. Sie ist schon ausgezogen, wobei ich ihr beim Umzug geholfen habe und mich dennoch noch nett von ihren Freunden und ihrer Familie verabschiedet habe (den Eltern habe ich bei WhatsApp geschrieben). Dennoch frage ich mich natürlich, was ich hätte anders machen können und ob ich die Beziehung eventuell zu lange als selbstverständlich angesehen habe und ihre Probleme falsch eingeordnet habe. Ich hatte auch überlegt, sie nochmal nach einem Gespräch zu fragen, weiß aber nicht, ob dies die Trennung nicht nur noch schwieriger für mich machen würde.
Was sagt ihr? Habt ihr eventuell mal ähnliche Erfahrungen gemacht?