u/CebUniqx

Liebe Community,

nach 123 Tagen möchte ich mit euch meine persönlichen Erfahrungen teilen, um anderen Mut zu machen und eine kleine Hilfestellung zu geben.

Ausgangslage

Gestartet bin ich mit 112kg auf 175cm (34M). Seit meiner Jugend mit Übergewicht und ohne echtes Sättigungsgefühl. Essen war immer Balsam für die Seele, besonders in stressigen Situationen. Grundsätzlich wusste ich wie man sich gesund ernährt, mein großes Hindernis für einen Lebenswandel sind die Versuchungen des Alltags (Warum steht in Büros eigentlich so oft Süßkram rum?).

Mein Weg zu Mounjaro

Nach einer zunehmenden Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, habe ich zunächst versucht mit dem kostenfreien RV Fit Programm einen Lebenswandel zu starten. Ich kann dieses Präventionsprogramm der Rentenversicherung nur empfehlen. Bei RV Fit konnte ich nochmal viel über Ernährung und meine Psyche lernen und hatte die Gelegenheit in der Gruppe verschiedene Sportarten auszuprobieren. Nach einem ersten guten Erfolg bei RV Fit verfiel ich allerdings wieder in alte Muster und konnte auch den Sport nicht aufrechterhalten...

Im Dezember 2025 habe ich mich zu einem erneuten Versuch entschieden. Kurz vor Weihnachten vereinbarte ich einen Termin für Mounjaro bei meiner Hausarztpraxis für Januar und startete parallel genau am 24.12. mit Yazio - ein kleines Geschenk an mich selbst.

Das Gespräch mit meiner Hausarztpraxis war wohlwollend; jedoch kannten die Ärzte bisher nur die Ozempic/Wegovy. Ich habe während der Beratung meine Recherche-Ergebnisse präsentiert und wir haben einen gemeinsamen Behandlungsvertrag aufgesetzt. Es kam bei meiner Ärztin sehr gut an, dass ich Mounjaro als Werkzeug gegen den "Suchtdruck" sehe und langfristig einen Weg finden möchte, auch ohne Medikation mit der "Sucht" klarzukommen. Gemeinsam erarbeiteten wir den Plan, zunächst die 2,5mg aus dem 2,5mg Pen zu probieren und bei guter Verträglichkeit auf die Klick-Methode zu wechseln.

Ein Werkzeug zum Lebenswandel

Die erste Dosis war Lebensverändernd. Ich hatte keine Nebenwirkungen und spürte am Folgetag ein Gefühl, welches ich schon seit meiner Kindheit nicht mehr kannte**: Nach dem Essen ist man satt?!** In den nächsten Tagen wurden, auch dank Yazio, die Portionen kleiner und es stellte sich ein neues Lebensgefühl ein. Schokolade, Kuchen und Kekse waren weiterhin erlaubt, hatten aber nicht mehr die magische Anziehungskraft wie früher. Ein Stück nehmen, ein Stück scannen/eingeben, ein Stück genießen, zufrieden sein.

Die ersten 4 Kilo waren super schnell verloren und beschwingt von diesem Gefühl startete ich mein Sport-Programm. Ich gehe 2x die Woche schwimmen und mache 2x die Woche Ausdauer- und Krafttraining im Fitness-Studio. Inzwischen macht mir der Sport sehr viel Spaß und die Regelmäßigkeit macht es zur Gewohnheit.

Der Sport hat psychologisch leider eine unerwartete Nebenwirkung: der Muskel-Aufbau sorgt zumindest bei mir für eine verlangsamte Abnahme. Das Gespräch mit anderen Mounjaro-Nutzer*innen half mir sehr, dies zu reflektieren und damit nicht entmutigt aufzugeben.

Nach ca. 2,5 Monaten habe ich meine Dosis auf 3mg erhöht, nachdem ich ein paar Tage ein übermäßiges Verlangen nach Essen hatte. Dank regelmäßigem Wiegen, dem Tracking der Sport-Einheiten und dem Tracking der Spritze mit Shotsy konnte ich für mich herausfinden, woher dieses Verlangen kam: ich habe nach dem Training zu wenig gegessen und mein Körper hat gegengesteuert. Mein Körper hat sich allerdings deutlich gerächt (siehe Nebenwirkungen unten) und für die kommenden Wochen gehe ich wieder auf 2,5mg zurück.

Kosten / Nutzen / Nebenwirkungen

Meine Ärztin klärte mich auf, dass ich alle Kosten im Rahmen der Behandlung leider selber tragen muss. Bisher waren die Kosten wie folgt:

  • Ärztliches Beratungsgespräch: 10,72 Euro (Faktor 2,3)
  • Blutentnahme: 4,20 Euro (Faktor 1,8)
  • Blutanalyse: 18,09 Euro (Kleines Blutbild, GOT, GPT, Gamma-GT, Lipase, Kreatinin)
  • Mounjaro 2,5mg (4 Dosen + 1 "Goldene Dosis"): 206,20 Euro
  • Mounjaro 15mg (24 Dosen + ? "Goldene Dosen"): 489,23 Euro
  • BD Ultra-fine Pro Pen-Nadeln (100 Stk): 21,36 Euro
  • Alkoholtupfer (100 Stk): 1,49 Euro
  • Yazio Mitgliedschaft: 35,90 Euro / Jahr
  • Fitness-Studio: 27,99 Euro / Monat
  • Schwimmen: ca. 40 Euro / Monat

Meine Ärztin wollte nach den ersten 4 Wochen noch ein Beratungsgespräch führen und nach 12 Wochen. Dazu wurde auch jeweils ein Blutbild angefertigt. Wir haben uns darauf geeinigt, etwa alle 3-4 Monate miteinander zu sprechen (oder eher, falls es kritische Nebenwirkungen gibt). Ich rechne im Schnitt mit ca. 100 Euro Kosten pro Monat für Mounjaro und die ärztliche Betreuung.

Den Nutzen erfüllt Mounjaro definitiv. Ich habe den Suchtdruck des Essens deutlich reduziert und kann deutlich besser Einschätzen, was mein Körper wirklich braucht. Während ich diesen Post verfasse, esse ich genüsslich etwas Schokolade und weiß genau, dass das in mein heutiges Tages-Budget passt. Die 12kg Gewichtsverlust sind ein gutes Zeichen.

Mit der Steigerung auf 3mg kamen die ersten typischen Nebenwirkungen von Mounjaro. Zunächst starkes Magengrummeln und ein Gefühl des aufgebläht sein. Nach dem ersten Anzeichen gab es 3-4 Stunden später ein starkes Aufstoßen mit dem Geruch von faulen Eiern, gefolgt von 1-2 Tage anhaltendem Durchfall. Das ist mir innerhalb von 3 Wochen insgesamt 3 mal passiert und das war sehr sehr unangenehm. Inzwischen vermute ich, dass fettiges und ungesundes Essen ein Auslöser war (und vermutlich einmal eine Lebensmittelunverträglichkeit).

Tipps & Tricks

  1. Mounjaro ist ein Werkzeug, kein Wundermittel. Es hilft den Suchtdruck deutlich zu verringern und wieder eigenständige und mündige Essens-Entscheidungen zu treffen.
  2. RV Fit war ein tolles Programm um zu erfahren, wie Essen und Ernährung funktioniert. Das Ausprobieren von verschiedenen Sportarten ist richtig gut und ermöglicht einem, das zu finden, was Spaß macht.
  3. Yazio ist ein Game-Changer, selbst mit der vermutlich nicht so genauen KI-Funktion. Im Blick zu behalten was man isst, hat einen enormen Effekt auf die eigenen Gewohnheiten.
  4. Offenheit wird bei guten Ärzten in meinen Augen belohnt. Auch im Freundes- und Bekanntenkreis ist Offenheit wunderbar: man kann sich austauschen, sich Hilfe suchen und enthält unglaublich viel Zuspruch und Unterstützung.
  5. Bei Problemen mit der Verdauung (bei o.g. Nebenwirkungen) waren Flohsamenschalen und Haferflocken bzw. Haferbrei extrem hilfreich und wohltuend.
  6. Achtet auf eure Ernährung und vermeidet extrem fettige Speisen. Es ist vollkommen in Ordnung hin und wieder Fast-Food zu Essen - genießt es und "gönnt euch". Habt nur im Blick, was ihr sonst den Tag gegessen habt.
  7. Habt Geduld, auch wenn es schwierig ist. Jeden Tag wiegen ist cool für die Statistik, aber schlecht für den Geist. Schwankungen im Gewicht werden euch frustrieren - redet mit anderen darüber und stützt euch gegenseitig. Der Trend entscheidet und nicht die einzelne Messung. Meine Waage sagt hin und wieder "Well being over numbers" und damit haben die Macher*innen der Waage recht. Wie man sich fühlt, ist wichitger als Zahlen.

Fazit

Mounjaro hat mein Leben positiv verändert, selbst mit den Nebenwirkungen habe ich meinen Weg nicht bereut. Bereits mit 12 kg Gewichtsverlust fühle ich mich deutlich besser und genieße den Blick im Spiegel. Ich werde meinen aktuellen 15mg Pen vermutlich bis Mitte/Ende Juli nutzen können (bei 2,5mg) und wollte dann schauen, was beim Absetzen bzw. beim weiteren verringern der Dosis von Mounjaro passiert. Mein Zielgewicht liegt bei 85kg, allerdings ohne ein zeitliches Ziel. Mein Kopf sagt: well being over numbers.

Für immer möchte ich Mounjaro eigentlich nicht nutzen. Ich hoffe, dass das funktionieren wird. Yazio hingegen darf und wird vermutlich noch viele Jahre als niederschwelliges "Kontrollmittel" bleiben. Ich bin unendlich dankbar, dass Mounjaro meinen "Suchtdruck" signifikant reduziert hat.

Habt ihr Fragen? Schreibt gerne einen Kommentar oder eine Nachricht.

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u/CebUniqx — 18 days ago