u/Boring_Trip_1337

Die Ausgangslage:

Über zehn Jahre ein Paar, davon den Großteil verheiratet, 3 Kinder. Ich (m) bin selbstständig, wir haben einen hohen Lebensstandard. Uns geht es sehr gut.

Dafür arbeite ich rund 60 Stunden die Woche – enormer Workload, sehr viel Stress. Auch samstags und sonntags bin ich gedanklich immer irgendwie halb bei der Arbeit. Jede freie Minute stecke ich darüber hinaus in die Familie, insbesondere in die Kinder, aber auch in den Haushalt, so gut es eben geht.

Meine Frau arbeitet (Erwerbsarbeit) maximal 10 Stunden die Woche, oft weniger. Klassisch liegt viel Mental Load der Familie bei ihr. Ich bringe mich aber so gut es mir zeitlich möglich ist ein. Das soll hier auch gar nicht das Hauptthema sein, für den Kontext ist es aber sicher hilfreich.

Ich habe keine nennenswerten Hobbys (mehr), kaum (noch) Freunde, bin ein genügsamer Mensch. Wenn es meiner Familie gut geht, ich hin und wieder zum Sport kann und genau einmal im Monat einen Abend mit den wenigen verbliebenen Freunden „für mich“ habe, bin ich zufrieden.

Zur Sache:

Meine Frau hat sich vor rund zwei Jahren ein Hobby gesucht – in einem Sportverein. Ursprünglich sollte unser größter Sohn dort auch Sport treiben, was inzwischen eher schlecht als recht klappt (Pubertät). Sie hingegen ist zunehmend Feuer und Flamme und bekleidet inzwischen eine höhere organisatorische Position.

Der Zeitaufwand ist mittlerweile enorm: zweimal die Woche abends komplett weg. Dazu einmal am Wochenende einen ganzen Tag, häufig auswärts mit langen Autofahrten. Ein- bis zweimal im Jahr Camps, jeweils ein komplettes Wochenende. Hinzu kommen fast täglich organisatorische Aufgaben: Sie sitzt am PC, macht Skype-Meetings, schreibt WhatsApp-Nachrichten, führt Dokumente. Sogar Wäsche wird teilweise hier gewaschen, und gefühlt steht die halbe Vereinsausstattung bei uns in der Garage.

Neulich hat sie ohne Absprache (!) auch noch eine vierstellige Summe an den Verein gespendet. Ja, wir können uns das leisten – aber ohne Absprache geht so etwas aus meiner Sicht gar nicht.

Wenn sie nicht da ist, bin ich mit den Kindern alleine. Das finde ich grundsätzlich nicht schlimm, aber ich finde es oft schade, dass sie den Verein ganz offensichtlich vor der Familie priorisiert. Am Ende sind es Samstage, Sonntage und viele Abende, die ich wie ein alleinerziehender Vater verbringe, während sie Zeit mit anderen Menschen verbringt – und nur selten mit unserem großen Sohn, wenn er überhaupt Lust hat.

Ich habe das Ganze nie groß problematisiert. Ich trage es. Auch, weil ich weiß und wertschätze, wie viel sie im Haushalt und für die Familie leistet. Sie soll ihren Freiraum haben – und sie hat ihn auch. Weit mehr als ich. Neid ist hier aber nicht mein Thema. Wie gesagt: Ich bin genügsam.

Nun kam es jedoch zu einem sehr emotionalen Gespräch, in dem sie mir vorwarf, ich würde mich nicht genug für den Verein interessieren – und damit auch nicht genug für sie. Ich müsse doch stolz auf sie sein und feiern, wie sehr sie sich dort engagiert. Ich solle doch dabei sein, so wie die Männer anderer Frauen im Verein. Generell wisse sie nicht, ob das mit uns auf Dauer gut gehen könne, da ich offenbar kein Vereinsmensch sei und nicht so altruistisch wie sie.

Sorry, was?

Ich, der ihr das alles überhaupt erst ermöglicht, der ohnehin schon in großem Maße davon betroffen ist und es an vielen Stellen als übergriffig empfindet, wie sehr der Verein unser Privatleben bestimmt, soll jetzt auch noch begeistert am Spielfeldrand stehen und klatschen?

Ich mag den Sport inhaltlich überhaupt nicht. Und es ist auch so, dass ich durch unsere ohnehin sehr intensive Lebenssituation und meinen Workload weder die Energie noch die Zeit dafür habe.
Ich dachte bisher, die Fronten seien klar und wir hätten uns mit der Situation arrangiert. Umso mehr bin ich jetzt entsetzt und ratlos, dass ich von ihr derart angegangen werde. Es geht mir nicht in den Kopf, was das soll.

Konkret geht sie so weit, mir vorzuwerfen, wir würden uns auseinanderleben – und ich sei aufgrund meines mangelnden Interesses an dem Verein daran schuld. Wie bitte? Wer ist denn weg? Wer zieht sich denn regelmäßig aus dem Familienleben heraus?

TL;DR:
Ich arbeite 60 Stunden pro Woche und halte Familie und Alltag am Laufen, während meine Frau extrem viel Zeit in einen Sportverein investiert (mehrere Abende + Wochenenden). Ich habe das immer akzeptiert. Jetzt wirft sie mir vor, ich würde mich nicht genug dafür interessieren und sie nicht ausreichend unterstützen – und stellt sogar unsere Beziehung infrage. Ich bin ehrlich gesagt komplett fassungslos.

reddit.com
u/Boring_Trip_1337 — 13 days ago