
Manche Dinge ändern sich nie
Michel de Montaigne reiste 1580 über die Schweiz und Süddeutschland nach Italien und überlieferte uns einen lesenswerten Bericht. Er war sehr interessiert an Land und Leuten und hielt auch Anekdoten fest, die man ihm erzählte.
Neben der Erwähnung von zwei Personen, die nach heutigen Kategorien vielleicht Trans- bzw. Intersexuell waren, und einem Mann, der mehrfach zwischen Christentum und Islam hin- und herkonvertierte, teilt er uns auch sein Bild von den Deutschen mit:
"Natürlich floß in sein positives Urteil über dieses Land auch ein wenig die leidenschaftliche Verachtung seines eignen ein, das ihm aus anderen Gründen zuwider und verhaßt war. Doch unabhängig davon zog er die hiesigen Annehmlichkeiten der französischen Lebensweise entschieden vor, und er paßte sich ihnen gar soweit an, daß er den Wein ohne Wasser trank. Wenn es freilich darum ging, um die Wette zu trinken, wurde er lediglich aus Höflichkeit dazu eingeladen, denn man hatte bemerkt, daß er niemals mitmachte.
[...]
Die Deutschen haben die gute Eigenschaft, vom ersten Wort an zu sagen, welchen Preis sie verlangen: Handeln hat da wenig Zweck. Sie sind zwar Prahlhänse, Choleriker und Trunkenbolde, aber, sagte der Herr de Montaigne, weder Betrüger noch Spitzbuben."
(Der erste Teil des Berichts wurde von Montaignes Sekretär verfasst)