u/AncientArm8954

Musikprojekt jahrelang 50/50 geteilt, nach persönlichem Streit keine Auszahlungen mehr

Moin an alle.
Ich hätte gerne mal eine ehrliche Einschätzung zu einem laufenden Streit zwischen zwei Musikpartnern / Produzenten. Mir geht es bewusst nicht um „Bestätigung“, sondern darum, wie Außenstehende oder Leute mit Erfahrung im Musik-/Vertragsrecht so etwas realistisch einschätzen würden.

Ich habe über mehrere Jahre gemeinsam mit einer anderen Person Musik produziert und veröffentlicht. Das Projekt lief erfolgreich über DistroKid und andere Plattformen. Wir haben gemeinsam Songs entwickelt, Releases geplant, Entscheidungen abgestimmt und das Projekt aufgebaut.

Die Einnahmen wurden über die GmbH von meinem damaligen Partner abgerechnet und ich habe dann Rechnungen an die GmbH geschrieben.

Wichtig dabei:

  • Sämtliche DAW-/Projektdateien und Musikprojekte liegen bei mir auf dem PC vor.
  • Es existieren zahlreiche WhatsApp-Verläufe zur Zusammenarbeit und zu Einnahmen/Aufteilungen.
  • Es gab allerdings nie einen vollständig ausformulierten schriftlichen Vertrag.

Trotzdem wurden die Einnahmen über einen langen Zeitraum faktisch hälftig verteilt. Dazu existieren:

  • Abrechnungstabellen
  • tatsächliche Auszahlungen
  • WhatsApp-Verläufe
  • gemeinsame Abstimmungen zu Releases und Einnahmen

Bis Januar 2025 habe ich laufend Zahlungen erhalten. Danach nicht mehr.

Wichtig:
Diese Zahlungen stoppten erst nach einem persönlichen Streit zwischen uns, obwohl die Releases weiterhin Einnahmen generierten.

Im Laufe des Streits, der nun über Anwälte läuft, wurden dann erstmals vollständige DistroKid-Abrechnungen vorgelegt. Daraus ergibt sich, dass nach Januar 2025 weiterhin erhebliche Einnahmen erzielt wurden (mehrere tausend Euro), obwohl an mich keine weiteren Auskehrungen mehr erfolgt sind.

Die Gegenseite argumentiert inzwischen unter anderem:

  • sie hätten die organisatorische Hauptarbeit übernommen
  • Plattformbetreuung
  • Marketing
  • Verwaltung
  • Verträge
  • Risiko über eine GmbH
  • Netzwerk
  • Kommunikation etc.

Und deshalb könne man nicht einfach pauschal von einer 50/50-Beteiligung ausgehen.

Was ich daran schwierig finde:
Diese angeblichen Zusatzleistungen bestanden aus meiner Sicht bereits während der gesamten Zusammenarbeit. Trotzdem wurden die Einnahmen über Jahre hinweg faktisch hälftig verteilt. Außerdem erfolgten viele organisatorische Dinge keineswegs ausschließlich durch die Gegenseite, sondern ebenfalls durch mich bzw. in gemeinsamer Abstimmung.

Die Gegenseite hat ihre Position im Laufe der Sache mehrfach verändert.

Anfangs hieß es sinngemäß:

  • kein Anspruch
  • es waren freiwillige Zahlungen
  • kein fester Anspruch auf Beteiligung

Später wurde dann plötzlich angeboten:

  • man könne bei 50/50 bleiben
  • eventuell andere Quoten diskutieren
  • oder mich komplett auszahlen / das Projekt übertragen

Mittlerweile wird argumentiert:

  • man hätte mich „niemals vor Gericht gezogen“
  • die Angelegenheit sei „unnötig eskalierend“

Was dabei aus meiner Sicht untergeht:
Ich habe vor Einschaltung eines Anwalts mehrfach versucht, die Sache privat und außergerichtlich per Mail zu lösen.

Trotzdem wird bis heute kein wirklicher Ausgleich für die Vergangenheit angeboten. Das steht laut Gegenseite aktuell auch gar nicht zur Diskussion.

Stattdessen wird vorgeschlagen:
Ich könne die zukünftige wirtschaftliche Verwertung komplett übernehmen und künftig 100 % der Einnahmen erhalten.

Das Problem dabei:
Die Vergangenheit würde damit faktisch komplett abgeschnitten werden, obwohl seit Januar 2025 weiterhin Einnahmen erzielt wurden, ohne dass ich daran beteiligt wurde.

Außerdem sind die Releases mittlerweile älter. Bedeutet:
Die größten Einnahmen wurden bereits in der Vergangenheit erzielt. Die zukünftigen Einnahmen werden realistisch gesehen eher geringer werden.

Ich überlege inzwischen ernsthaft, Klage einzureichen. Mein Anwalt sieht grundsätzlich Ansprüche, weist aber natürlich auch auf Prozessrisiken und Kosten hin.

Mich würde ehrlich interessieren:

  • Würdet ihr so einen Fall eher vertrags-/schuldrechtlich sehen oder stärker urheberrechtlich?
  • Wie stark würdet ihr die jahrelange tatsächliche 50/50-Praxis bewerten?
  • Würdet ihr sagen, dass die nachträgliche Argumentation mit Verwaltung, Risiko usw. vor Gericht wirklich stark wäre, obwohl trotzdem jahrelang hälftig verteilt wurde?
  • Würdet ihr eher einen wirtschaftlichen Vergleich empfehlen oder tatsächlich klagen?
  • Und wie würdet ihr die Tatsache bewerten, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt nach einem persönlichen Streit einfach keine Auszahlungen mehr erfolgt sind, obwohl weiter Einnahmen eingingen?

Bin gespannt auf ehrliche Meinungen, gerne auch kritisch.

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u/AncientArm8954 — 2 days ago