Hi Reddit,
ich brauche euren Rat wegen einer Situation, die mich schon länger beschäftigt und nicht mehr loslässt. Ich hoffe, dass ihr die Situation neutraler betrachten könnt als ich. Dankeschön.
Betroffen sind vor allem mein Mann (M34), seine jüngere Schwester "Lilly" (F22) und ich (F32). Mein Mann und ich sind seit 2018 verheiratet, waren davor aber auch schon etwa fünf Jahre ein Paar. Etwa genauso lange kenne ich auch seine Familie, inklusive Lilly - der Name ist übrigens ein Pseudonym.
Ich muss etwas ausholen, versuche es aber nicht ausarten zu lassen.
Vor rund einem Jahr habe ich eine schwere Diagnose bekommen, die mich psychisch sehr, sehr stark belastet hat. Inzwischen ist alles wieder unter Kontrolle, aber trotzdem hat diese Diagnose Spuren in unserem Leben hinterlassen, und ich befinde mich noch immer in Rehabilitation - vor allem wegen der ganzen psychischen Probleme.
Mein Mann war die gesamte Zeit über immer an meiner Seite, hat mich von vorne bis hinten unterstützt und nach Strich und Faden verwöhnt. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie viele schlaflose Nächte und wie viel zusätzlichen Stress er in dieser Zeit gehabt haben muss. Und ich fühle mich schuldig deswegen; ich spreche mit meinem Therapeuten sehr häufig über diese Schuldgefühle.
Soweit zur Vorgeschichte, die ihr bitte im Hinterkopf behalten solltet.
Vor wenigen Wochen wurde uns von meinen Schwiegereltern mitgeteilt, dass Lilly studieren will und auch bereits von einer Uni ganz in unserer Nähe angenommen wurde. Da Lilly kein BAföG bekommt und die Mieten sauteuer sind, wurde davon ausgegangen, dass sie einfach bei uns wohnen könnte.
Das wurde uns auf die denkbar unsensibelste Art mitgeteilt, die man sich vorstellen konnte, was mich wieder einmal völlig aus der Bahn geworfen hat. Dann musste ich auch noch bei einem Telefonat zwischen meinem Mann und meinen Schwiegereltern mit anhören, dass sie der Meinung sind, ich sei ihm etwas schuldig. Mein Mann sieht das zwar anders, aber solche Aussagen triggern meine Schuldgefühle noch mehr und sind für mich im Moment absolut nicht förderlich.
Und dann kommt noch dazu, dass Lilly ohnehin ein wandelnder Trigger für mich ist. Sie steht noch vor Trump auf meiner Liste von Personen, mit denen ich niemals im Fahrstuhl stecken bleiben möchte. Ich möchte nicht abwertend über sie reden, aber irgendwie müsst ihr auch verstehen, warum ich sie nicht bei uns haben möchte. Sie ist zwar schon 22 Jahre alt, aber vom Verhalten her gleicht sie eher einem bockigen Teenager - laut, provokativ und beleidigend.
Das spiegelt sich auch in ihrem bisherigen Lebenslauf wider: Sie hat einige „kleinere“ Jugendstrafen, und zwei von den drei Ausbildungen, die sie angefangen hat, wurden vom Betrieb beendet, weil sie untragbar war. Die dritte hat sie selbst abgebrochen.
Ich möchte sie nicht bei uns aufnehmen. Ich traue mir das psychisch noch immer nicht zu. Aber mein Mann würde sich freuen, wenn sie zu uns käme, und sie würde ihn auf andere Gedanken bringen, was ich grundsätzlich als positiv erachte.
Wie würdet ihr die Situation bewerten - auch im Hinblick auf unsere Vorgeschichte und meine aktuelle Verfassung? Gibt es eurer Meinung nach einen Kompromiss, der alle glücklich machen könnte?
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Sorry für den dummen Titel, ich fand keinen besseren. Dies ist übrigens ein Throwaway-Account, weil ich anonym bleiben will.