Meine (m27) Ex (w25) hat sich nach der Trennung komplett verändert und ich komme nicht darauf klar
Hey zusammen,
ich suche mal eine Einschätzung von außen, weil ich das Gefühl habe, mich gedanklich im Kreis zu drehen.
Meine Ex-Freundin und ich waren fast sechs Jahre zusammen. Am Anfang wurde alles sehr schnell sehr intensiv. Sie ist praktisch direkt in meine WG bzw. mein Leben eingezogen. Die Beziehung fühlte sich anfangs sehr nah, süß und besonders an. Wir hatten unsere eigene kleine Welt, Insider, Rituale, und ich habe mir wirklich eine Zukunft mit ihr vorgestellt.
Sie hatte eine schwierige Kindheit mit viel Instabilität, Angst und Trauma. Ihr Vater war offenbar sehr destruktiv, und sie hatte große Probleme mit Scham, Unsicherheit und ihrem Körperbild. Leider hat sie das trotz meinem Rat nie therapeutisch aufarbeiten wollen. Ich habe immer versucht, verständnisvoll und unterstützend zu sein.
Sex und körperliche Nähe waren am Anfang vorhanden und kamen auch von ihr aus, aber über die Zeit wurde Sexualität ein riesiges Problem. Über den Großteil der Beziehung wollte sie kaum Sex oder körperliche Nähe. Sie sagte oft, sie hasse ihren Körper, fühle sich hässlich, schäme sich, habe keine Lust, fühle sich unter Druck, sei vielleicht asexuell oder wisse selbst nicht, warum sie nicht intim sein könne. Teilweise wollte sie ihren Körper nicht zeigen und wirkte beim Sex mental abwesend.
Ich habe jahrelang versucht, geduldig zu sein und ihr Sicherheit zu geben. Ich habe ihr unzählige Male gesagt, dass ich sie attraktiv und schön finde. Aber über die Jahre habe ich mich immer unerwünschter, unattraktiver, sexuell abgelehnt und beschämt gefühlt. Wenn ich angesprochen habe, wie sehr mich das verletzt, wurde es oft so gedreht, dass ich das Problem sei. Ich würde Druck machen, meine Bedürfnisse seien zu viel, oder mein Schmerz wurde etwas, wogegen sie sich verteidigen musste.
Ich habe Paartherapie vorgeschlagen, aber sie hat das abgelehnt und als unnötig bzw. Geldverschwendung bezeichnet.
Ich war selbst nicht perfekt. Über die Jahre wurde ich wütend, verletzt und emotional dysreguliert. In Streits haben wir beide geschrien und uns beleidigt. Ich habe verletzende Dinge gesagt und meine Grenzen schlecht gesetzt bzw. nicht konsequent eingehalten. Ich bin deswegen derzeit in Therapie und möchte meinen Anteil aufarbeiten. Gleichzeitig habe ich aber das Gefühl, dass meine Reaktionen auch nach Jahren entstanden sind, in denen ich mich emotional und sexuell entzogen, abgelehnt und immer weiter beschädigt gefühlt habe.
Als die Beziehung endete, schrieb sie mir zuerst einen sehr emotionalen Abschiedsbrief. Darin sagte sie, dass sie mich noch liebe, dass ich ihr wichtig sei, dass wir vielleicht irgendwann nochmal daten könnten und dass unsere gemeinsame kleine Welt weiterhin Bedeutung habe.
Kurz danach kippte alles komplett. Gegen Ende kam es zuerst zu einer Suizidandrohung ihrerseits und danach zu einem Polizeieinsatz, den ich als völlig unverhältnismäßig erlebt habe. Das hat mein Gefühl verstärkt, dass die Situation nicht mehr normal geklärt wurde, sondern eskaliert wurde und ich dabei zunehmend als gefährlicher/problematischer Part dargestellt wurde.
Es gab ein letztes Gespräch in der Öffentlichkeit, bei dem sie und eine Freundin mich massiv beleidigt haben und alles so dargestellt wurde, als wäre ich der gefährliche/toxische Part und sie hätte nichts falsch gemacht. Danach hat sie mich überall blockiert, sogar auf LinkedIn. Kommunikation lief über Dritte. Ein Anwalt war involviert. Sie hat gefilmt, wie sie Schlüssel zurückgibt. Es fühlte sich an, als müsste sie plötzlich ein Narrativ aufbauen, in dem ich gefährlich bin und sie sich vor mir schützen muss.
Was mich am meisten verletzt: Nach fast sechs Jahren fühlte es sich an, als gäbe es keine Würde, keine echte Verantwortungsübernahme und keine Anerkennung dafür, was ich in der Beziehung durchgemacht habe. Ich fühlte mich sozial als „gefährlicher Ex“ dargestellt, während niemand aus ihrem bzw. dem ehemals gemeinsamen Umfeld je meine Perspektive hören wollte.
Gleichzeitig schien sie kurz nach der Trennung in einen komplett anderen Modus zu wechseln. Sie hat ein Bumble-Profil und suchte dort offenbar nach etwas Lockerem bzw. „alles kann, nichts muss“. Ich habe außerdem von einem flirty Chat zwischen ihr und einem ehemaligen Arbeitskollegen erfahren, mit spielerischem/sexuellem Unterton und der Idee, sich spät noch zu treffen.
Genau das macht mich mental fertig: Jahrelang war sie extrem gehemmt, schämte sich für ihren Körper, wollte kaum Sex, wollte mich kaum richtig küssen bzw. wischte sich nach jedem Kuss mit mir den Mund ab, wirkte beim Sex oft nicht anwesend und gab mir das Gefühl, dass mein Begehren ein Problem ist. Und jetzt wirkt sie innerhalb weniger Wochen nach außen plötzlich frei, flirty, sexuell und offen für lockere Erfahrungen mit anderen Männern.
Ich frage mich ständig, ob ich das Problem war. Ob sie mich nie wirklich attraktiv fand. Ob diese neue Version von ihr echt ist oder eher ein Coping-Mechanismus bzw. Bestätigungssuche nach der Trennung.
Ergibt es für euch Sinn, dass jemand in einer Langzeitbeziehung sexuell blockiert ist, aber nach der Trennung plötzlich casual/offen/sexuell wirkt? In meiner ersten Therapiesitzung, in der in nur von der Trennung bzw. den Wochen danach und ihren Aktionen erzählt habe, meinte meine Therapeutin direkt, dass sich das stark nach nicht aufgearbeiteten Trauma bzw. narzisstischen/borderline-nahen Mustern anhört. Von ihrer Kindheit bzw. anderen Vorkommnissen während der Beziehung hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts erwähnt.
Wie höre ich auf, das als Beweis dafür zu nehmen, dass ich unattraktiv oder wertlos war? Ich traue mich mittlerweile kaum mehr aus dem Haus, weil ich Sorge habe, dass mich alle Menschen auf der Straße als hässlich und minderwertig wahrnehmen.
Ich bin dankbar für ehrliche Einschätzungen.