Wohnen ist heute kein Grundbedürfnis mehr, sondern ein Investment
>![Disclaimer, damit es kein Bashing gibt: Ja, KI hat geholfen. Ich bin trotzdem ein Mensch und habe die Angaben mehrfach geprüft]!<
Vor 150 Jahren gaben die meisten Menschen in Österreich den Großteil ihres Einkommens für Essen aus. Wohnen war zwar oft billig — aber die Wohnungen waren klein, kalt und - in heutigen Stadards - teilweise menschenunwürdig.
Heute ist es genau umgekehrt: Essen ist im Verhältnis viel billiger geworden, während Wohnen, Energie und Kredite einen immer größeren Teil des Einkommens verschlingen.
Das hängt eng mit politischen Entscheidungen zusammen.
Anteil vom durchschnittlichen Haushaltseinkommen für Nahrungsmittel und Wohnkosten in Österreich in 25-Jahre-Schritten (1850–2025)
| Jahr | Nahrungsmittel | Wohnen gesamt | Historischer Kontext |
|---|---|---|---|
| 1850 | ca. 60–65 % | ca. 10–15 % | Frühindustrialisierung: Sehr niedrige Löhne, billige Elendsquartiere und Bettgeherwesen. |
| 1875 | ca. 55–58 % | ca. 15 % | Städte wachsen schnell, Mieten steigen in Arbeiterbezirken. |
| 1900 | ca. 50–53 % | ca. 18–20 % | Erste Reallohnsteigerungen; Wohnen wird immer wichtiger im Haushaltsbudget. |
| 1925 | ca. 55–58 % | ca. 3–5 % | Nachkriegskrise und Hyperinflation verteuern Essen massiv; Mieten werden gesetzlich gedeckelt. |
| 1950 | ca. 45–48 % | ca. 8–10 % | Wiederaufbauzeit: Mieterschutz bleibt stark, Nahrung ist weiterhin teuer. |
| 1975 | ca. 22–23 % | ca. 14–16 % | Wirtschaftswunder: Höhere Löhne, aber bessere Wohnungen machen Wohnen teurer. |
| 2000 | ca. 14 % | ca. 22 % | Wohn- und Energiekosten sind erstmals höher als Essenskosten. |
| 2025 | ca. 11–12 % | ca. 26 % | Laut Statistik Austria kostet Wohnen heute mehr als doppelt so viel wie Ernährung. |
Wohnkosten inklusive Miete, Betriebskosten, Energie und Heizung. Historische Werte sind Schätzungen basierend auf historischen Datenquellen wie dem „Kaufkraftrechner“ des Wien Geschichte Wiki (geschichtewiki.wien.gv.at) sowie KI-unterstützten Recherchen.
Die Rolle der Banken
- Früher finanzierten Banken vor allem Industrie, Unternehmen und den Staat — weniger private Wohnungen.
- Ab den 1990ern wurden Banken stärker privatisiert und gewinnorientiert.
- Immobilien wurden für Banken und Anleger immer wichtiger als sichere Geldanlage („Betongold“).
- Die Niedrigzinsphase ab 2012 führte zu extrem billigen Wohnkrediten und stark steigenden Immobilienpreisen.
- Viele Anleger wechselten vom Sparbuch in Immobilien, weil klassische Spareinlagen kaum noch Zinsen brachten.
- Banken verdienten dabei sowohl an Immobilienkrediten als auch an steigenden Immobilienwerten.
- Ab 2022 stiegen durch die EZB-Zinswende die Kreditkosten stark an, während Sparzinsen niedrig blieben.
Die wichtigsten politischen Entscheidungen
| Maßnahme | Zeitraum / Regierung | Treibende politische Kräfte | Wirkung auf Wohnen, Energie oder Banken |
|---|---|---|---|
| Mietrechtsreform | 1994, SPÖ/ÖVP (Vranitzky IV) | SPÖ wollte den Mieterschutz erhalten; ÖVP drängte stärker auf Marktlogik und mehr Spielraum für Vermieter. | Einführung des Richtwertsystems mit Lagezuschlägen. Dadurch wurden Mieten vor allem in guten Lagen leichter anhebbar. |
| Bankenreform & Privatisierung | 1990er- und 2000er-Jahre, SPÖ/ÖVP sowie später ÖVP/FPÖ | SPÖ und ÖVP trieben gemeinsam die Modernisierung und Teilprivatisierung staatsnaher Banken voran; unter ÖVP/FPÖ wurde der marktorientierte Kurs weiter verstärkt. | Banken wurden stärker gewinn- und expansionsorientiert und investierten zunehmend in Immobilien- und Kreditmärkte. |
| Energie-Liberalisierung | 2001–2002, ÖVP/FPÖ (Schüssel I) | Vor allem die ÖVP forcierte die Marktöffnung im Sinne der EU-Liberalisierung; die FPÖ trug den wirtschaftsliberalen Kurs mit. | Strom- und Gaspreise wurden stärker vom Markt abhängig und langfristig volatiler. |
| BUWOG-Verkauf | 2004, ÖVP/FPÖ (Schüssel I) | Finanzminister Karl-Heinz Grasser (formal FPÖ, wirtschaftspolitisch ÖVP-nah) trieb die Privatisierung voran; die ÖVP unterstützte den Kurs. | Rund 62.000 Bundeswohnungen wurden verkauft; der Staat zog sich weiter aus direkter Wohnraumversorgung zurück. |
| Niedrigzinsphase & Immobilienboom | ab 2012, EZB-Politik / mehrere Bundesregierungen | EZB-Niedrigzinspolitik wurde parteiübergreifend akzeptiert; nationale Regierungen griffen nur begrenzt gegen Immobilienpreissteigerungen ein. | Billige Kredite machten Immobilien zum „Betongold“ und trieben Kaufpreise und Mieten stark nach oben. |
| Zinswende & Kreditkrise | ab 2022, ÖVP/Grüne | ÖVP betonte Bankenstabilität und Marktmechanismen; Grüne stärker Konsumentenschutz und soziale Abfederung. | Kreditzinsen stiegen stark an, während Sparzinsen oft niedrig blieben. |