

Woraus besteht der österreichische Strompreis? Eine Aufschlüsselung seit 2010
Nach meiner Dieselpreis-Aufschlüsselung hob i ma gedacht, ob ich mir auch den Strompreis anschauen könnte. weiß net obs intressant is für wen, aber vielleicht hilfts dem einen oder anderen.
Der Strompreis aufgeschlüsselt
Des erste Bild das ich Hochgeladen habe ("woraus besteht der österreichische Strompreis") besteht aus 2 Charts:
Linker Chart (Balkendiagramm): Jeder Balken ist ein Jahresendpreis, zerlegt in die offiziellen Eurostat-Komponenten:
- Grün: Energie & Versorgung (Eurostat: "Energy & Supply") - der wettbewerbliche Anteil. Umfasst laut Eurostat: Energieeinkauf, Aggregation, Ausgleichsenergie, Vertrieb, Kundenservice und sonstige Versorgungskosten. Wichtig: Versorger kaufen Strom nicht nur am Day-Ahead-Spotmarkt, sondern auch über Termingeschäfte (Futures) und OTC-Verträge, oft 1–3 Jahre im Voraus. Die hohen Beschaffungskosten aus 2022/23 können daher noch in aktuellen Endpreisen stecken.
- Grau: Netzentgelte (reguliert durch E-Control)
- Blau: Elektrizitätsabgabe
- Hellblau: Ökostrom-Förderbeitrag
- Lila: Umsatzsteuer/Mehrwertsteuer (20%)
- Orange (2022–2024): Staatliche Subventionen (Strompreisbremse, reduzierte Elektrizitätsabgabe)
Rechter Chart (Linienchart): Der Day-Ahead-Börsenpreis (ENTSO-E, Gebotszone AT) im Vergleich zum Endpreis für Haushalte (Eurostat).
Das grüne Band unten zeigt zur Orientierung die Bandbreite der Gestehungskosten für Erneuerbare (3–8 ct/kWh, Fraunhofer ISE - Werte für Deutschland, für Österreich habe ich keine offiziell publizierten Gestehungskosten gefunden. Bei abgeschriebenen Wasserkraftwerken liegen die realen Kosten vermutlich am unteren Ende oder darunter).
Was mir auffällt:
- 2010–2021: Stabil. Der Endpreis lag bei ~20 ct/kWh. "Energie & Versorgung" war konstant bei 6–7 ct. Die Netzentgelte bei 6–7 ct. Steuern und Abgaben bei 6–7 ct. Saubere Drittelung.
- Ab 2022: Verschiebung. "Energie & Versorgung" ist von 7 auf 14 ct gestiegen - fast verdoppelt. Der Endpreis ist auf 29 ct geklettert, obwohl der Staat gleichzeitig die Elektrizitätsabgabe und den Ökostrom-Förderbeitrag massiv reduziert hat (die orange schraffierten Bereiche).
- Aktuell (rechter Chart): Der Day-Ahead-Börsenpreis liegt bei ungefär 10 cent - deutlich unter dem Peak in der Krise von 49 ct (August 2022), aber immer noch über dem Vorkrisenniveau von 3-5 ct. Der Endpreis liegt bei 29 ct. Von der Differenz entfallen ~8,5 ct auf regulierte Netzentgelte und ca. 6,6 ct auf Steuern und Abgaben - des warat erklärbar. Was bleibt: Der Eurostat-Block "Energie & Versorgung" liegt bei 14 ct. Der Day-Ahead-Börsenpreis bei ~10 ct - darin stecken aber bereits die Erzeugermargen (ein Wasserkraftwerk produziert für 3-5 ct, verkauft aber zum Marktpreis). Die ungefähr 4 ct oberhalb des Börsenpreises umfassen laut Eurostat-Definition zusätzlich Beschaffungsstrategie (Futures, OTC), Ausgleichsenergie, Vertrieb und Kundenservice. Margen stecken also potenziell im gesamten Block - von der Erzeugung bis zum Vertrieb. Wie viel davon echte Kosten und wie viel Marge ist, lässt sich aus den öffentlichen Daten nicht aufschlüsseln.
Wohin fließt der Strompreis? Reguliert vs. Markt
Des warat der zweite Chart den ich hochgladen habe "Wer verdient am Strompreis"
Links: Prozentuale Aufteilung des Endpreises in den wettbewerblichen Anteil (Energie & Versorgung) und den regulierten Anteil (Netz + Steuern + Abgaben) seit 2010.
Wichtig: Netzentgelte san net direkt Staatseinnahmen, sondern regulierte Entgelte der Netzbetreiber zur Deckung von Errichtung, Ausbau, Betrieb und Instandhaltung vom Stromnetz. Ich ordne die dem regulierten Bereich zu, weil die E-Control die Tarife festlegt.
Rechts: Die absoluten Werte der Eurostat-Komponenten für 2025.
Was auffällt:
- 2010–2021: Das Verhältnis reguliert zu wettbewerblich war stabil bei ~65/35.
- 2025: Das Verhältnis hat sich auf 52/48 verschoben. Der wettbewerbliche Anteil ist von 35% auf 48% gewachsen - während gleichzeitig die sichtbaren Abgaben gesenkt wurden.
- In absoluten Zahlen 2025: 13,9 ct Energie & Versorgung, 8,5 ct Netzentgelte, 6,6 ct Steuern & Abgaben.
Was ich nicht erklären kann
Die Eurostat-Kategorie "Energie & Versorgung" umfasst laut Definition: Energieeinkauf, Aggregation, Ausgleichsenergie, Vertrieb, Kundenservice und sonstige Versorgungskosten.
Im gesamten Block von 14 ct stecken Margen auf mehreren Stufen - beim Erzeuger (der zum Marktpreis verkauft, obwohl die Gestehungskosten niedriger sind), beim Händler und beim Versorger. Wie die 14 ct sich auf echte Kosten und Margen aufteilen, lässt sich aus den öffentlichen Daten nicht aufschlüsseln.
Was man aber sagen kann: Vor 2022 lag der gesamte Block bei ca. 6-7 cent. Er hat sich fast verdoppelt. Die Frage ist, ob sich die darin enthaltenen Kosten ebenfalls verdoppelt haben - oder ob vor allem die Margen gewachsen sind. Für uns in Österreich is des besonders deswegen a spannende Frage, weil wir einen großen Teil an Wasserkaft haben.
Die Netzentgelte san von ca. 6,8 auf ~8,5 ct gestiegen. Des wird teilweise durch den nötigen Netzausbau für Erneuerbare erklärt und wird von der E-Control reguliert - also net intransparent, aber trotzdem a spürbarer Anstieg.
Quellen & Methodik
- Endpreis-Komponenten: Eurostat nrg_pc_204_c, Band DC (2.500–5.000 kWh), Österreich, offizielle Kategorien. Hinweis: Eurostat vermerkt für Österreich einen Methodenwechsel ab 2. Halbjahr 2017 (Vollerhebung statt Stichprobe) - die Daten vor 2017 sind daher eingeschränkt vergleichbar, der Langfristtrend sollte aber aussagekräftig genug sein.
- Day-Ahead-Börsenpreis: Energy-Charts / Fraunhofer ISE (ENTSO-E Transparency Platform, Gebotszone AT). Für 2010–2014: PHELIX Day-Ahead Baseload (DE-AT-LU Gebotszone, Strukturbruch bei Gebotszonentrennung). Ab Oktober 2018: eigene Gebotszone AT. Achtung: Der Day-Ahead-Preis ist ein monatlicher/stündlicher Marktpreis, die Eurostat-Balken sind Jahresdurchschnitte - unterschiedliche Zeitbasen, der Vergleich dient der Orientierung.
- Endpreis Haushalt (Linie rechts): Eurostat nrg_pc_204, halbjährlich, alle Steuern inklusive
- Gestehungskosten-Referenzband: Fraunhofer ISE LCOE-Studie - modellierte Werte für neue Anlagen in Deutschland. Für Österreich habe ich keine offiziell publizierten Gestehungskosten nach Erzeugungsart gefunden - wenn wer eine belastbare Quelle hat bitte melden bei mir, dann aktualisiere ich betroffene Daten. Daher als Orientierung, NICHT als exakte Datenkomponente.
- Reguliert vs. Markt: Berechnet aus Eurostat-Kategorien: Wettbewerblich = Energy & Supply. Reguliert = Network + Taxes + VAT. Netzentgelte sind keine Staatseinnahmen, sondern regulierte Entgelte der Netzbetreiber - ich ordne sie dem regulierten bzw "Staats" Bereich zu, weil die E-Control die Tarife festlegt und genehmigt.
- Subventionen (orange): Strompreisbremse + reduzierte Elektrizitätsabgabe, dokumentiert in Eurostat-Metadaten und E-Control/BMK-Veröffentlichungen.
Beim ersten Bild mit den 2 Charts: Alle Blöcke im linken Chart entsprechen den offiziellen Eurostat-Kategorien. Der rechte Chart zeigt ausschließlich beobachtete Marktdaten. Das Gestehungskosten-Referenzband hab ich als solches gekennzeichnet.
Mi interessiert vor allem: Was steckt genau in den 14 ct "Energie & Versorgung"? Wer davon Daten hat oder eine bessere Aufschlüsselung kennt - immer her damit.