Unsere Fixierung auf Geld vernebelt uns die Sicht auf das was wirklich wichtig für die Gesellschaft ist
Bei jeder Diskussion darüber, wie wir unsere Gesellschaft gestalten wollen kommt irgendwann das Thema Geld auf den Tisch. Wieviel kostet das? Wer soll das bezahlen? Warum bezahle ich soviel? Warum bekomme ich so wenig? Ab dem Punkt ist die Diskussion eigentlich immer beendet, Ideen unsere Welt zu verbessern stehen dem Geld in einem Grabenkampf gegenüber und beide verlieren.
Geld sollte ursprünglich ein Hilfsmittel für den Warenaustausch sein, aber jetzt ist es ein konstrukt, dass die Welt in "Menschen die Geld verdienen" und "Menschen die Geld kosten" unterteilt. Und damit meine ich nicht Arbeitslose oder Kranke, sondern Leute, die in der öffentlichen Verwaltung, im Gesundheitswesen, in der Bildung oder als Busfahrer arbeiten. Immer wenn es schlecht läuft kürzen wir dort alles zusammen, damit man den hart arbeitenden Menschen aus der Wirtschaft ihr schwer verdientes Geld nicht wegnehmen muss. Auf der anderen Seite glaubt man fest dem Mantra, dass die Marktwirtschaft stets versucht effizient zu sein und deswegen jeder, der dort beschäftigt ist furchtbar produktiv ist.
Was wir eigentlich allle Mann wie Frau, rechts wie links, jung wie alt, wollen ist, dass jeder seinen Anteil an der Gesellschaft leistet und sich keiner durchschmarotzt. Jeder soll entsprechend seines Beitrages auf sein Stück vom Kuchen abbekommen. Der Unterschied ist immer nur, wen man beschuldigt, dass er sich durchmogelt.
Leute, die in der Wirtschaft nur Listen ausfüllen und Präsentation malen sind genau so frustrierend wie Leute die ihr Hartz4tum feiern oder Reiche, die sich aus lauter Langeweile den 15ten Supersportwagen kaufen.
Wir können uns Gesellschaft aber einfach als große Gemeinschaft begreifen. Ressourcen herstellen, Menschen versorgen, Dinge organisieren, Freude verbreiten, Ausbilden, Ordnung herstellen usw. sind erstmal gleichwertige Dinge. Wir sollten uns zuallererst Gedanken machen, wie wichtig die Dinge für uns sind und wie anstrengend es ist diese zu bekommen dann können wir überlegen, wieviel Stück vom Kuchen uns das Wert ist und dann können wir mal schauen, ob der, der es macht vielleicht ein viel größeres Stück nimmt. Vielleicht kommen dabei auch Dinge raus, bei denen wir merken, dass wir sie gar nicht benötigen. Natürlich muss man dabei den Gedankenspagat hinbekommen, dass manche Sachen gesellschaftlich wertvoll sind, auch wenn man selbst grade davon keinen Nutzen hat.
Mit diesem Denkansatz bauen wir bestimmt mehr Anerkennung für die Arbeitsleistung der Anderen auf und bekommen eine bessere Vorstellung von fairer Entlohnung. Wir würden nicht mehr auf dem Balkon stehen und klatschen und zwei Jahre später das Gesundheitssystem zusammenstreichen.
Und das soll bestimmt nicht heißen, dass alle gleich viel bekommen. Wer hart arbeitet soll auch mehr bekommen, wer sich sachen angeeignet hat, die nicht jeder kann auch und wer länger schuftet soll auch mehr bekommen. Im Moment bezahlen wir aber nicht leistungsgerecht, sondern man hat halt Glück mit den richtigen Talenten in der richtigen Branche zu arbeiten. Oder eben Pech.