
u/Timi7171

Tomatolix veröffentlicht sein bis dato schlechtestes Video
Erstmal, ich bin riesen Fan seiner Videos und hab selten bis nie was auszusetzen. Aber sein neues Video über Geldsklaven ist ein Schlag ins Gesicht für jeden Betroffenen dieser Sucht.
Ich selber hatte diese Sucht nie, war früher aber oft sehr knapp dran, dort hineinzurutschen. Also bitte stellt wenn ihr Fragen habt keine, die ihr einem Süchtigen Stellen würdet, meine Antwort wäre nur halb authentisch. Außerdem habe ich in der Vergangenheit schon Kontakt mit einem Süchtigen gehabt, der mir geschrieben hatte, nachdem er gesehen hat, dass ich diese Tätigkeit öffentlich auf meinem twitter kritisiert habe.
Dieses ganze Video dreht sich um die Sicht der Ausbeutenden Partei. Das ist so, als wenn man ein Video drehen würde mit einem Glücksspielbetreiber und ihn befragt, was eigentlich die Risiken sind. Klar, kann man machen, aber dann sollte man einen noch größeren Wert darauf setzen, mit Betroffenen dieser Sucht zu sprechen. Tomatolix hätte ohne Probleme einen Suchtigen finden können und mit ihm reden können. Warum tat sein Team das nicht? Ich glaube, er hat selber nicht wirklich verstanden, wie schlimm diese Sucht wirklich sein kann.
Der Part mit der Psychologin, mit der er telefoniert hat, war der beste Teil des Videos. Aber auch da habe ich eine starke Kritik zu ihrem Resümee. Die Aussage, man könne diese Sucht gesund ausleben, ist hochgradig irreführend. Als Psychologin sollte man das wissen, aber Betroffene wissen das erst Recht. Wenn man kein großes Bankkonto hat, schadet einem diese Sucht immer. Kein Süchtiger legt sich irgendwelche Rahmenbedingungen fest, wenn Geld angefragt wird, schickt man es. Auch wenn mans eigentlich selber braucht und im schlimmsten Fall für Dinge wie Miete kein Geld mehr übrig hat. Oder tun Alkoholiker sich etwa festlegen, wie viel Bier sie pro Tag höchstens trinken? Geht diese Taktik denn jemals auf?
Wie die Erfahrung für re1che (das hat mich 15 minuten gekostet, herauszufinden, welches wort ich zensieren muss für die Veröffentlichung. Warum ist re1che zensiert??) Menschen ist, kann ich nicht sagen, da fällt der problematische finanzielle Aspekt weg. Aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das gut für die Psyche ist, tut mir wirklich leid. Das ist ungefähr so seriös, wie zu behaupten, onlyfans abos wären sinnvoll fürs eigene Sexleben. Aber ich verstehe völlig, wenn man mit reichen Süchtigen kein Mitleid hat, diese tragen deutlich weniger Risiken mit sich und haben auch das Geld, sich professionelle Hilfe zu suchen.
Den Vogel komplett abgeschossen hat für mich die Interview Frage "Wie erniedrigt man Männer am besten". In diesem Kontext, wo man eine Sucht beleuchten möchte, völlig unangebracht. Fragst du öffentlich einen Glücksspielbetreiber, wie du deine Kunden am süchtigsten machst? Ich mein, keine Frage ist verboten, man kann das journalistisch auch sinnvoll umsetzen. Aber dann brauchst du auch eine Gegenseite, die dann z.B. bestätigt "ja, so bin ich in die Sucht gerutscht. Ohne ist es einfach eine Normalisierung von Ausnutzung. Bei Videos wo z.B. Schlösser geknackt werden klärt man gleichzeitig millionen von Menschen auf, dass Schlösser nicht wirklich sicher sind und man nimmt die potentiellen Räuber die daraus lernen in Kauf, da ist es das Wert. So wie es Tomatolix gemacht hat hilft er keinem einzigen Opfer.
Das Video wird nur dazu führen, dass die Betroffenen dieser Sucht weiterhin so stark marginalisiert werden wie bisher. Und das von Menschen, die behaupten, dass ihnen Süchtige abseits von diesem Thema wichtig wären. Eine Sucht interessiert euch aber nur, wenn ihr sie nachempfinden könnt. Andererseits wird sie als lächerlich betitelt und man macht sich über Betroffene lustig und fängt vielleicht sogar selber an, diese Menschen auszunutzen.
Wenn euch mehr zum Thema interessiert kann ich euch diesen Blog Post eines Sucherkrankten ans Herz legen: https://findom-help.livejournal.com/
Ich habe jetzt viele jahre lang meiner Mutter versprochen gehabt, bald wieder mit dem lesen anzufangen und es nie hingekriegt. Zuletzt aktiv gelesen habe ich vielleicht mit 10 Jahren, in meiner Jugend hab ich ein paar Bücher gelesen, aber keine nennenswerte Anzahl. Jetzt mit 22 hab ichs nach Jahren wieder geschafft ein Buch zuende zu lesen, Ready Player One. Hatte ich nach knapp 60 Seiten vor nem Jahr abgebrochen, aber ich wusste, dass ich das Problem war und nicht das Buch, weswegen ich kein anderes anfangen wollte. Und es hat gestimmt, das Buch hat sich als großartig herausgestellt. Ich habe es sogar als Handyersatz gelesen, während ich Öffis gefahren bin. Ob bewusst oder unbewusst hat es mich durch seine Internet und Social Media Kritik glaube ich dazu gebracht, Twitter zu deinstallieren. Vielleicht war das Timing auch zufall, keine Ahnung. Ich habe realisiert, dass diese Social Media Platform nur noch negative Emotionen in mir ausgelöst hat. Es hat zwar enorm geholfen, seit einem Jahr nur nocj den Follow Tab genutzt zu haben, aber selbst das hat nicht gereicht, um die Experience wirklich angenehm zu gestalten. Ich hab das Gefühl, als hätte ich irgendeine Droge, zu der ich süchtig war, beiseitegelegt. Auch im Browser hab ichs seit einer Woche nicht geöffnet. Ich bin natürlich immernoch Handysüchtig, aber ich mache zumindest Fortschritte. Außerdem finde ich andere Social Medias, allenvoran Instagram und Reddit viel angenehmer zum konsumieren und um Diskussionen zu führen, auch wenns natürlich trotzdem ein Lebenszeitkiller ist. Und meine Freunde sind alle auf Instagram und dadurch bleibe ich mit ihnen vernetzt. Das nächste Buch steht auch bereit, ich werde mein bestes geben, diese Angewohnheit beizubehalten.
Inspiriert vom "ich mag unpolitische Menschen nicht" post.
Ich habe in meinem Leben noch nie gehört, dass jemand politische Menschen nicht mögen würde. Meistens gehen Beschwerden immer an politische Richtungen, aber dann sind logischerweise beide Gesprächsparteien politisch. Bashing gegen unpolitische Menschen höre ich eigentlich ständig. Trotzdem kann es auf die Bevölkerung gemessen sein, dass unter 50% sich als politisch bezeichnen würden, merkt man ja an der Wahlbeteiligung. Das könnte man als Gegenargument gegen mich einsetzen.
Jetzt zum Thema, ich mag unpolitische Menschen sehr. Ich genieße meistens die Gesprächsthemen. Die allermeisten Hobbies sind zu 95% unpolitisch und die Aussage, dass jedes Gespräch politisch sei, ist einfach Schwachsinn. Wenn alles politisch sei gäbe es keine unpolitischen Menschen und damit auch kein Problem für Menschen, die unpolitische Menschen nicht mögen.
Das was ich an unpolitischen Menschen mit Abstand am meisten schätze ist die Ehrlichkeit und die Fähigkeit, Unwissen ehrlich zuzugeben und kein Halbwissen als Wahrheit darzustellen. Diese Eigenschaft ist (vor allem im Internet) immens unterentwickelt und unterpräsentiert in der Menschheit. Wir hören uns einen Artikel zu einem Thema an, schauen ein Video an und fühlen uns, als wüssten wir jetzt viel oder sogar alles, was es zu wissen gäbe.
Das tun wir schlicht und einfach in der Realität nicht. In jedes politische oder anderweitig komplexe Thema muss viel Zeit investiert werden. 99% von uns sind keine Experten und werden es nie sein und die meisten von uns wissen nur Kleinigkeiten über große Themengebiete. Umso angenehmer ist es natürlich, Menschen zu begegnen die nicht nur politisch sind, sondern auch gebildet und von denen man etwas lernen kann. Auch wenn sie politisch konträr zu einem selbst eingestellt sind. Wenn ich merke, dass jemand viel mehr Ahnung hat als ich selber, höre ich persönlich sehr gerne zu und ich möchte meinen Horizont erweitern. Die meisten stark politischen Menschen möchten aber nicht dazulernen, sondern nur mit Menschen reden, die schon denselben politischen Stempel wie sie selbst tragen.
Außerdem kann man in manchen Fällen auch in Unwissenheit reinrutschen, obwohl man sich die Zeit genommen hat, sich weiterzubilden. Viele Studien sind schlecht gemacht und wenn man immer nur die Ergebnisse liest wird man das nie merken. Und man ist nicht automatisch gebildeter zu Politik, nur weil man komplexe deutsche Sprache spricht, dieses Phänomen sieht man leider auch nicht selten. Trotzdem ist Lesen und Weiterbilden natürlich extrem wichtig, das soll hier keine Kritik daran sein. Sondern die fehlende Quellen- und Qualitätskontrolle vieler Menschen.
Unpolitische Menschen leben, wenn ihr mich fragt, rein objektiv betrachtet in unserer Welt das sozial gesehen angenehmste Leben. Ich rede jetzt nicht nur davon, dass man weniger Probleme kennt. Ich rede vor allem darüber, dass man weniger falsch machen kann und seltener aneckt. Wenn man bei jedem Thema der im eigenen Umfeld populären Meinung folgt passiert einem nichts. Seitdem ich angefangen habe, mich selbst politisch zu bilden, kriege ich vermehrt im Internet Anfeindungen deswegen (im echten Leben bislang nicht, da ich meistens die Fresse halte oder auch manche politische Themen selten aufkommen. Und weil ich lieber zuhöre als rede. Und weil ich selten zu Wort komme). Wenn man unpolitischen Menschen das politisch sein attraktiv machen wollen würde, müsste man sich eigentlich völlig anders verhalten. Dieses Problem wird sich meiner Meinung nach nie in der Gesellschaft ändern und dadurch behalten unpolitische Menschen für immer diesen einen Vorteil, unpolitisch zu bleiben. Soziale Ausgrenzung riskieren die wenigsten gerne.