Hallo liebes Weibsvolk,
ich (24f) möchte mir etwas von der Seele schreiben, das mich die letzten Wochen über beschäftigt.
Zum kommenden Wintersemster beginne ich mit einem Studium der Sozialen Arbeit, nachdem ich die letzten Jahre über in der Automobil-Branche gearbeitet habe.
Eigentlich war ich mir schon sicher, die Uni in meiner Heimatstadt besuchen zu wollen. Das hätte den Vorteil, dass ich weiterhin kostenlos im Haus meiner Großmutter wohnen könnte.
In den vergangenen Monaten stellte ich jedoch zunehmend fest, wie einsam ich mich hier in der ländlichen Region fühle. Deshalb habe ich meine Fühler etwas ausgestreckt und in einer Stadt, welche ca. 1,5 - 2 Stunden entfernt liegt, Communitys gefunden, bei denen ich mich wirklich wohl fühle.
Da ich soziale Kontakte in Zukunft mehr priorisieren möchte, spiele ich nun mit dem Gedanken, zum Studieren dorthin zu ziehen.
Durch meine bisherige Situation konnte ich Einiges ansparen. Deshalb wäre es, rein objektiv gesehen, finanziell für mich machbar, dieses Risiko einzugehen. Selbst wenn alles schiefgehen würde, hätte ich als Sicherheitsnetz noch immer meine Familie, auf die ich zurückgreifen könnte.
Mir ist bewusst, dass es Menschen mit viel schwierigeren Startbedingungen ebenfalls schaffen, diesen Weg zu gehen.
Trotzdem fällt es mir noch immer schwer, diese Entscheidung ernsthaft zu treffen.
Der Gedanke, einen großen Teil meines finanziellen Sicherheitspolsters aufzubrauchen, bereitet mir Magenschmerzen. Außerdem müsste ich auf viele Annehmlichkeiten verzichten, die ich gerade für selbstverständlich nehme.
Was ich bisher über die Aussichtslosigkeit der Wohnungssuche gehört habe, entmutigt mich noch mehr, es überhaupt zu versuchen. Schließlich kann ich kein hohes, geregeltes Einkommen als Sicherheit angeben.
Mein Umfeld schürt die Ängste noch weiter. In meiner Familie ist noch niemand ein so großes finanzielles Risiko eingegangen und ich fürchte mich für der Scham, wenn ich scheitern sollte.
Ich frage mich, ob die Großstadt mir wirklich so sehr dabei helfen würde, soziale Kontakte zu knüpfen, wie ich es mir gerade erhoffe. Vielleicht baue ich auch nur Luftschlösser und fühle mich dort genau so einsam.
Meiner Entwicklung täte es bestimmt gut, mal rauszukommen, unabhängig zu leben, Risiken einzugehen. Den Rat hat mir jedenfalls meine Therapeutin gegeben.
Auch hätte ich in einer Großstadt viel diversere Möglichkeiten, berufliche Kontakte zu knüpfen und nach dem Studium eine Arbeitsstelle zu finden.
Mein Herz sagt "ja" und mein Kopf sagt "nein".
Wenn ich so reflektiere, habe ich meine Entscheidung eigentlich schon getroffen, doch fehlt es mir an Hoffnung, (Selbst-)Vertrauen und Mut, diese in die Tat umzusetzen.
Vielleicht ist es auch die Angst vor Enttäuschung und Kontrollverlust, die bei mir am größten ist. Noch nie habe ich eine Entscheidung getroffen, deren Ausgang so ungewiss ist. Ich könnte mich heute darauf einlassen und schon vor Studienbeginn scheitern, weil ich keine Wohnung finde. Oder ich könnte die Entscheidung nach 2 Semestern bereuen, weil ich mich noch immer einsam fühle. Oder ich könnte nach 4 Semstern scheitern, weil das Leben doch zu teuer wird. Es gibt soviele Variablen, auf die ich nur bedingt Einfluss habe.
Vielleicht hat jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht? Es tat auf jeden Fall gut, es einmal zu teilen.
Liebe Grüße
Nova