u/Lady_of_Kjop

Ich hab mir echt monatelang den Kopf zerbrochen wie mein neuer Name nun sein soll. Leider hatte ich im Vorfeld keine wirkliche Eingebung oder Bezug welchen ich nehmen sollte und hatte vermutlich X Ideen nieder geschrieben was vorstellbar ist. Kurzzeitig hatte ich den Namen "Kea" im Auge, hab mich aber dagegen entschieden da ich nicht warm wurde damit. Ende habe ich meine Namenswahl mir sehr simpel gemacht.

Mein erster Name ist eine Homage an meine Großmutter, etwas abgewandelt, aber klar ihr zuzuordnen. Verwandte oder Bekannte der Familie fiel das positiv auf, weswegen der Name von familiärer Seite gut aufgenommen wurde. Mein Zwischenname ist wiederum eine Homage an meine Patentante, Brasilianerin, die auf familiärer Seite meiner Mutter sich sehr im Zuge meines Outing für mich stark gemacht hat und selbst die erste mir bekannte Queere Person meiner Familie ist. Allerdings habe ich den Namen eingedeutscht, da mir gesagt wurde, migrantisch klingende Namen können gesellschaftliche Nachteile mit sich ziehen.

Der Name war dennoch zunächst ungewohnt, aber spätestens seit eine Kollegin mir erzählte wie stark der Name nach außen wirkt und die Resonanz allgemein positiv ist, stehe ich völlig dahinter. 😅 Dann in der Behörde meine Unterschrift und Stadtsiegel dahinter zu knallen... kann ich mich Identifizieren es zu sehen. Zusätzlich hatte ich den Duschgedanken, was mein Name komplett im Grunde bedeutet in Verbindung mit meinem Nachnamen.

"Die reine, siegreiche Henkerin."

Ey, geil.

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u/Lady_of_Kjop — 7 days ago

Es ist eher ein resigniertes Luftablassen.

Meine Familie war nie ausgesprochen reich, aber besaß immerhin in den letzten Jahrzehnten bzw. für mich ab der Nachkriegszeit nachvollziehbar etwas Ackerland, paar selbstgenutzte Immobilien und hier und da finanzielle Reserven. Durch Erbschaften wurde das ganze fairerweise etwas zerstreut, aber diese Erbschaften waren immer Grundlage für die nächste Generation eine Basis zu haben. Diese Grundlage existiert nun nicht mehr. Es wurde verkauft, das Geld verkonsumiert, wertvolle Erbstücke spurlos verschwunden und ich bin die erste Generation die quasi ihr Leben quasi ohne Startkapital bestreiten muss.

Vor ein paar Jahren war ich sogar so blöd und hab ein Testament meiner Großeltern verneint (damit es nicht aufgesetzt wird), da ich loyal an der Abmachung mit meinem Vater festhielt es gemeinsam aufzuteilen. Damals war ich 20, naiv und ohne Lebenserfahrung. Bekam dann 4.000€, die bis heute in nem ETF schimmeln unangerührt. Grob überschlagen sind von der Generation meiner Großeltern zu meiner Generation rund 500.000€ flöten gegangen, Privatinsolvenz, Verkonsumierungen...

Es ist zwar nicht alles schlecht, hab nun nach der Ausbildung einen Posten in einer Behörde, bin Schuldenfrei und verdiene gut. Hab 4.000€ die ich symbolisch als "Unterpfand meiner Ahnen" ansehe, dass ich Teil ihres Vermächtnis auch materiell fortführe und in ein Haus investieren kann, dass ich irgendwann vererben kann.

So richtig aufregen kann ich mich deswegen nicht mehr. Bis auf meine Naivität mit 20, hab ich mir nichts vorzuwerfen. Und dran ändern kann ich nichts dran. Nun sitze ich als 26 Jährige auf den Scherben meiner Familie und gucke wie ich das beste daraus machen kann.

Muss ja, nh? >:c

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u/Lady_of_Kjop — 10 days ago

Ich hab im Zuge meiner Transition entsprechend viel mit meiner Mutter drüber gesprochen und in diesen drei Jahren hatte auch sie viel Zeit zur Reflektion. Da ich ihr mein inneres versucht hab so gut wie möglich zu erklären, öffnete sie sich mir langsam.

Unteranderem das sie als Kind schon dachte, lieber ein Junge sein zu wollen und sie sich oft vergleicht mit Männern: "Ich arbeite wie ein Mann auf meiner Arbeit!", und ist dabei verdammt stolz. Auch denkt sie, dass sie als Mann wohl besser funktionieren würde. Im Alltag ist sie auch gerne "Tomboy", wie sie selbst sagt.

Dagegen spricht aber, dass sie mit ihrem Körper eher in die Feminine Richtung unzufrieden ist und klar feminine Schönheitseingriffe plant. So oder so, Gender ist ein Spektrum und irgendwo da wird sie auch sein. 😅 Aber es hat mich sehr gewundert sowas von ihr zu hören und ob ich meine Transidentität genetisch von ihr geerbt habe? Vermutlich wird es aber ein Zufall sein, aber ich denke darüber ab und zu mal nach und vielleicht spreche ich sie darauf nochmal an und frag etwas gezielter.

Sie kommt allerdings aus einer Kultur bzw. eigene Mentalität, in der Männer stark bevorzugt werden als ohnehin schon, besonders als sie noch klein war (Militärdiktatur etc.) und sie sich deswegen eher mit Männern vergleicht um Erfolg auszudrücken. Mit Transgender hat sie außerdem eher ihre Probleme, auch wenn sie mich akzeptiert inzwischen.

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u/Lady_of_Kjop — 15 days ago