u/Der_Dampfhammer

Vibrationen/Dröhnen im Leerlauf.

Moin. Mein kleiner blauer Traktor hier hat diese Woche angefangen, im Stand ein leichtes Dröhnen von sich zu geben. Während der Fahrt ist nichts vernehmbar. Für mich hört es sich an als ob der Auspuff aufliegen würde, dass hatten wir schon einmal. Da hieß es Gummis wieder daraufstecken und weiter gehts.

Jetzt sind alle Gummis aber noch drauf (die ich sehen kann), und es dröhnt eher etwas von vorne. Gibt es da noch andere Sachen, die da Kontakt haben könnten?

Motor ist ein 1,7er DTI in einem Corsa C.

u/Der_Dampfhammer — 4 days ago

Ich öffne langsam meine Augen. Der Wecker bleibt heute stumm, denn es ist Wochenende. Meine bessere Hälfte schläft noch, denn die Nacht war anstrengend. Also schleiche ich mich aus dem Schlafzimmer und starte meinen Morgen allein. Ein schöner starker Tee, eine dicke Knifte Brot, dazu das Vogelgezwitscher von draußen, es könnte schlimmer sein. Nach einer Weile kommt meine Angebetete zu mir an den Tisch, und wir frühstücken in aller Ruhe. Just in dem Moment, wo wir abräumen wollen, klingelt mein verfluchtes Telefon.

Ich schaue aufs Display, es ist mein Chef. "Moin, ich hab ein Riesenproblem, kannst du heute in den Taunus fahren? Firma XY will eine Kündigung rausschicken, ich brauche jemanden, der das macht.", brabbelt er sofort los. Ein fragender Blick zur gegenüberliegenden Seite des Tisches beschert mir die Sicht auf ein zustimmendes Nicken. Kein Wunder, sie wollte sich ja eh mit einer Freundin treffen, daher kann ihr egal sein, was ich mache. Also sage ich spontan zu.

Dann stellt sich auch noch heraus, dass derzeit kein Auto frei ist. Der Chrysler ist nach Albanien exportiert worden, der Mercedes steht mit Kupplungsschaden auf dem Firmengelände, und die beiden Toyotas sind anderweitig unterwegs. Der Kilometerfresser-Corsa meiner Freundin ist auch keine Option, also nehme ich meinen Oldtimer. Ich lasse mich in den Sitz fallen, drehe den Schlüssel um und lausche dem Kolbenorchester. Öldruck ist da, und der Leerlauf ist für einen kalten Motor dieser Bauart verdammt weich, ich kann losfahren.

So geht es also nun zur Firma, die Kündigung abholen. Das Wetter ist herrlich, Sonnenschein bei angenehmen Temperaturen. Die Fenster sind unten, gute Musik schallt aus dem Blaupunkt Bremen, und die Nähmaschine unter der Haube sorgt emsig wie eh und jeh für Vortrieb. Die Wälder der Eifel gleiten an mir vorbei, und der Stress der letzten Tage fällt von mir ab wie Blütenstaub von einer Fensterbank während eines Regengusses. Wenige Minuten später bin ich schon die Himmelsleiter hochgefahren, und ich nähere mich der Firma. Ich bin kaum durch die Anmeldung gefahren, da kommt der Personalleiter auch schon über den Platz gelaufen und drückt mir ein Kuvert in die Pranke.

Eine Unterschrift später habe ich den Motor schon wieder angeworfen, und ich mache mich auf zur nächsten Tankstelle. Ich habe "Glück", Benzin kostet kurz vor zwölf etwas weniger als ich befürchtet hatte. Während fünfundfünfzig Liter in meinen Tank gluckern, mache ich schnell noch die Scheiben sauber, man will ja schließlich etwas sehen können. Der Kassierer komplimentiert meinen fahrbaren Untersatz, er hätte früher auch so einen BMW gehabt, jedoch in rot. Beflügelt von diesen netten Worten schwinge ich mich wieder auf den Fahrersitz.

Mit seidenweichem Leerlauf schnurrt mein Vehikel vom Gelände, und ab geht es auf die Autobahn. Ein Navi brauche ich noch nicht, bis zum Taunus komme ich auch so zurecht. Köln lasse ich wortwörtlich links liegen, und ich biege auf die A3 nach Frankfurt ab. Trotz vieler Baustellen genieße ich die Fahrt. Seit die Spritpreise so hoch sind fahre ich kaum noch mit dem Oldtimer, er verbraucht im Mix zwischen sieben und neun Litern auf hundert Kilometern. Aber das ist heute egal, denn mein Chef bezahlt ja die Fahrtkosten.

Also fliege ich förmlich durch die Landschaft. Die niederrheinische Tiefebene wird von dem Siebengebirge und dem Westerwald abgelöst. Auch wenn ich diese Strecke schon unzählige Male abgerissen habe, kommt sie mir heute um ein Vielfaches schöner und malerischer vor. So vergeht die Zeit wie im Flug, und ich verpasse fast die Ausfahrt zu meinem Ziel. Ich fahre kurz rechts ran, schmeiße das Navi an und werfe mich in die mit traumhaften Kurven gespickten Mittelgebirgsstraßen.

Die Fenster sind schon lange im Türblech versunken, Brian Johnson brüllt mir in die Ohren und die 4 Kolben unter der Motorhaube tun brav ihren Dienst während sie zwischen den Hügeln einen herrlichen Widerhall verursachen. Zügig aber sicher rolle ich bergauf. Nach einer Weile hole ich zu einem Mercedes ML auf. Zu zweit schlängeln wir uns nun aufwärts. Er fährt mir auf den Geraden davon, während ich ihn in den zahlreichen Kurven immer wieder einhole. Das Dickschiff von einem Daimler wiegt mehr als doppelt so viel wie mein alter Dreier, und das merkt man.

Nun geht es wieder bergab. Der Mercedes biegt nach kurzer Zeit in eine kleine Seitenstraße, und ich ziehe an ihm vorbei. Ich durchfahre ein knuffiges kleines Dorf, der Kirchturm über allem anderen thronend. Mit gemütlichen dreißig Kilometern in der Stunde schleiche ich an einer Meistermetzgerei vorbei. Mein Magen meldet sich postwendend, bin ich doch schon fast drei Stunden unterwegs. Mein Glück ist mir hold, mitten im Nirgendwo hat das einundzwanzigste Jahrhundert auch schon Einzug gehalten: Ein Metzgereiautomat steht in einem kleinen Holzhäuschen neben dem Hauptgebäude.

Ich fackele nicht lange, und zwei Minuten später bin ich um mehrere Bierknacker und einen Laib Fleischkäse reicher. Die neuesten Errungenschaften in meiner Getränkekühltasche verstaut, mache ich mich wieder auf den Weg. Bis zur Zieladresse ist es nun nicht mehr weit, ich fahre nur noch durch zwei weitere Dörfchen, und das Haus des Gekündigten kommt in Sicht.

Knirschend kommt mein Wagen auf dem Kies in der Einfahrt zum Stehen, ebenso knirschend, dieses Mal jedoch mit den Zähnen, nimmt der Hausbewohner seine Kündigung entgegen und zeichnet eine Empfangsbestätigung gegen. Nach getaner Arbeit klemme ich mich also wieder hinter mein Lenkrad, und fahre wieder gen Heimat. An einem schönen Aussichtspunkt halte ich an und schnabuliere ein oder zwei Bierknacker, dann geht es auch schon weiter.

Die Rückfahrt ist so malerisch wie auch ereignislos. Ich genieße einfach die überlange Ausfahrt und freue mich über jedes kleine Detail: Die Gänge, die sich so knackig wie noch am ersten Tag einlegen lassen, der Waldgeruch von draußen, die gute Musik, die Vorfreude auf das Essen daheim, einfach alles.

Und so finde ich mich knapp drei Stunden später wieder zuhause. Ich habe schon schlimmere Wochenenden verlebt, knapp fünfhundert Kilometer im Oldtimer abzureißen war definitiv ein äußerst guter Tag.

u/Der_Dampfhammer — 17 days ago