Kindergarten vernachlässigt Kind und Träger deckt dieses Verhalten
Ich schreibe diesen Bericht als Vater von fünf Kindern.
Eines unserer Kinder, vier Jahre alt, besucht derzeit eine Kindertagesstätte. Bereits seit längerer Zeit haben meine Frau und ich ein zunehmend ungutes Gefühl hinsichtlich der Leitung der Einrichtung sowie der pädagogischen Betreuung in der Gruppe.
Unser Sohn ist für Außenstehende möglicherweise etwas „besonders“ im Verhalten. Es besteht der Verdacht auf ADHS oder eine Form aus dem Autismus-Spektrum. Meine Frau arbeitet selbst pädagogisch mit kleinen Kindern und wir können Verhaltensweisen grundsätzlich gut einschätzen. Schon zu Beginn der Kindergartenzeit haben wir die Einrichtung offen über seine speziellen Bedürfnisse informiert. Er ist gelegentlich weinerlich, manchmal sehr beharrlich in seinen Entscheidungen und schwer umzustimmen, wenn er sich einmal festgelegt hat. Aus unserer Sicht bewegt sich das jedoch im Rahmen individueller kindlicher Entwicklung.
Bereits früh erhielten wir allerdings starke Rückmeldungen seitens der Kita wie: „Dieses Kind können wir so nicht betreuen“ oder „Er braucht eine Integrationshilfe“. Da wir durchaus wissen, wann ein solcher Bedarf tatsächlich vorliegt, empfanden wir diese Reaktionen als deutlich überzogen.
Im weiteren Verlauf häuften sich problematische Situationen. Wir wurden mehrfach wegen aus unserer Sicht geringfügiger Vorfälle aufgefordert, unseren Sohn abzuholen. Gleichzeitig wurden wir in anderen Situationen überhaupt nicht informiert, beispielsweise nachdem er eine Treppe hinuntergestürzt war.
Vor etwa vier Wochen erhielten wir erneut einen Anruf aus der Kita mit der Mitteilung, unser Sohn würde ununterbrochen weinen und lasse sich nicht beruhigen. Meine Frau holte ihn daraufhin ab und stellte fest, dass er vor Schmerzen schrie. Die Betreuungskräfte konnten keine Angaben dazu machen, was passiert war. Es stellte sich später heraus, dass er einen Fußbruch erlitten hatte. Wie es dazu kam, konnte niemand erklären. Unser Sohn selbst sagte, er sei von einem anderen Kind geschubst worden. Offenbar befand er sich zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht einmal in seiner Gruppe und niemand konnte nachvollziehen, wo genau er gewesen war.
Er erhielt anschließend eine stabilisierende Orthese bzw. einen speziellen Schuh. Nach einem zweiwöchigen Urlaub heilte die Verletzung relativ gut, dennoch benötigte er den Schuh weiterhin bei längerer Belastung. Wir gaben diesen daher in der Kita mit und baten darum, ihm den Schuh bei Bedarf anzuziehen und dabei zu helfen, da sein Fuß noch schmerzte. Stattdessen wurde meine Frau beim Abholen von einer Betreuungskraft in unangemessenem Ton darauf hingewiesen, dass sich die Kita „bestimmt nicht um den Schuh kümmern werde“. Man werde dort selbst entscheiden, wann er diesen zu tragen habe – oder eben gar nicht. Diese Reaktion konnten wir nicht nachvollziehen.
Hinzu kam vor zwei Wochen ein weiterer medizinischer Vorfall. Aufgrund massiver Verstopfung musste unser Sohn im Krankenhaus unter Sedierung behandelt und gespült werden. Im Anschluss erhielten wir vom Krankenhaus die ausdrückliche Anweisung, ihm zweimal täglich ein Abführmittel zu geben, ohne die Behandlung zu unterbrechen. Die Klinik stellte hierzu auch eine schriftliche Empfehlung für die Kita aus.
Wir gaben daher täglich eine 500-ml-Flasche mit, in der das Medikament bereits aufgelöst war. Zusätzlich wurde festgestellt, dass unser Sohn generell deutlich zu wenig trinkt. Die Kita wurde lediglich darum gebeten, ihm diese Flasche bei Bedarf zu reichen und sie bei Leerstand mit Wasser oder Saft wieder aufzufüllen.
Die Reaktion darauf war erneut äußerst ablehnend:
„Eine eigene Flasche geht nicht.“
Im Gespräch erfuhren wir außerdem, dass den Kindern offenbar lediglich einmal täglich ein kleiner Becher Getränk angeboten wird. Laut Aussage der Betreuungskräfte reiche das aus. Die verwendeten Becher fassen ungefähr 100 ml und werden von mehreren Kindern gemeinsam genutzt. Eigene Trinkgefäße für die Kinder existieren offenbar nicht. Für uns war das völlig unverständlich und aus unserer Sicht gesundheitlich bedenklich.
Uns fiel zudem auf, dass die mitgegebene Flasche zwar regelmäßig leer war, aber nie wieder aufgefüllt wurde. Auf Nachfrage wurde uns mitgeteilt, dass dies nicht gemacht werde. Später stellten wir fest, dass das Medikament teilweise sogar weggeschüttet und die Flasche lediglich mit frischem Wasser neu befüllt wurde. Dabei handelt es sich jedoch ausdrücklich um eine medizinisch notwendige Maßnahme.
Heute Morgen führten wir deshalb ein Gespräch mit der Kitaleitung, bei dem unser Sohn anwesend war. Die Leitung reagierte äußerst emotional, wurde laut und erklärte sinngemäß, dass dies nicht ihr Problem sei. Zudem verwies sie auf den Betreuungsvertrag, wonach ausschließlich Notfallmedikamente nach Absprache verabreicht würden. Wenn uns das nicht passe, könnten wir uns einen anderen Kindergarten suchen.
Ich war sprachlos über die Art und Weise dieses Gesprächs und die aus meiner Sicht fehlende Professionalität.
Meine Frau kontaktierte daraufhin den Träger der Einrichtung. Leider erhielten wir dort keine Unterstützung. Stattdessen wurde uns erklärt, die Kitaleitung sei „doch immer so nett“ und man höre sonst nichts Negatives über sie. Man vermittelte uns das Gefühl, das Problem liege bei uns als Eltern. Gleichzeitig wurde erneut bestätigt, dass die Flasche mit dem Medikament in der Kita nicht entsprechend bereitgestellt werde.
Mittlerweile machen wir uns ernsthafte Sorgen um das Wohl unseres Kindes in dieser Einrichtung. Unser Sohn berichtete uns sogar, dass Kinder draußen teilweise so durstig seien, dass sie Wasser direkt aus dem Gartenschlauch trinken würden.
Vor einigen Wochen fragten wir deshalb in der Eltern-WhatsApp-Gruppe nach, ob andere Eltern ähnliche Erfahrungen gemacht hätten. Fast alle bestätigten Probleme rund um das Trinkverhalten der Kinder, äußerten jedoch gleichzeitig große Sorge davor, Kritik offen anzusprechen. Laut Elternvertretung sollte die Kita bereits Trinkbecher für alle Kinder bereitstellen – bislang ist dies jedoch offenbar nicht geschehen.
Als ich gestern meinen Sohn abholte, war seine Flasche verschwunden. Schließlich fanden wir sie versteckt in seinem Rucksack.
Wir fühlen uns mit der Situation zunehmend allein gelassen und wissen nicht mehr, wie wir weiter vorgehen sollen – insbesondere, da selbst der Träger dieses Verhalten offenbar unterstützt oder zumindest duldet.
Danke für das Lesen und danke an euren Rat