Am Wochenende hat mein Neffe Kommunion gefeiert und es war (mal wieder) einfach nur zum Aufregen.
Die Familie meines Neffen ist nicht gerade streng gläubig, aber zumindest sieht er die Kirche nicht nur zu Weihnachten von innen. Ab und an wird auch an irgendwelchen Bibeltagen teilgenommen. Religion spielt in ihrem Leben keine besonders große Rolle, aber eben auch nicht gar keine. Damit gehört mein Neffe schon zu den Kommunionskandidaten, für die das Ganze wenigstens noch entfernt irgendwie Sinn macht.
Aber für den absoluten Großteil der anderen Teilnehmer ergibt das wirklich überhaupt keinen Sinn. Der Zinnober in der Kirche war (mal wieder) an Absurdität kaum zu überbieten.
Da kommen die ach so stolzen Familien in feinster Garderobe zusammen, um beizuwohnen, wie die lieben Kleinen zum ersten Mal das Sakrament der heiligen Kommunion empfangen. Für Anzug und Kleid der Kinder wurden scheinbar keine Kosten gescheut. Immerhin wird man die Sachen ja noch oft tragen (nicht). Nach der Messe geht es mit der Verwandtschaft ins Restaurant und das Ganze wird gefeiert, als wäre es die Hochzeit mit dem Heiland persönlich.
Glaube und Religion müssen bei all diesen Menschen eine wirklich große Rolle spielen. Sonst würde man wohl kaum so einen Aufwand betreiben. Obwohl … eigentlich weiß in der Messe niemand, wann er aufstehen, sitzen oder knien muss. Kaum einer singt mit, weil niemand die Texte kennt (ach, man hätte sich ja ein Gesangbuch nehmen können?). Das Vaterunser kann man aus demselben Grund auch nicht mitsprechen. Als wäre das als Demonstration der eigenen Glaubensfestigkeit noch nicht genug, wird bei der Kommunion der Kinder geklatscht. Geklatscht! In der Kirche!
Dass niemand die Regeln während des Gottesdienstes so richtig kennt, ist kein Wunder. Die Gemeinde hat nicht mal mehr genug Leute, um einen Kommunionsunterricht anzubieten. Das müssten die Eltern übernehmen. Hat aber irgendwie keiner gemacht. Es war wohl nicht genügend Zeit, weil schon das Shoppen der Kleider und Schuhe für die Kleinen so aufwendig war.
Mal ehrlich: Was soll der Blödsinn?
Wie kann man für etwas, das einen ganz offensichtlich nicht die Bohne interessiert, so einen Aufwand betreiben, so viel Geld ausgeben und das mit so viel gespielter Ernsthaftigkeit durchziehen?
Klar, die Kids freuen sich über eine Party mit reichlich Geschenken. Aber warum tun sich das die Eltern an? Ist euer Geltungsbedürfnis wirklich so groß? Früher war man quasi von der Gemeinde gezwungen, da mitzumachen. Aber heute? Das kümmert doch keinen!
Ich bin selbst schon lange kein Kirchenmitglied mehr und glücklicher Atheist. Aber wenn ich auch nur einen Funken Glauben in mir hätte, könnte ich mir dieses groteske Schauspiel der Kommunionsmesse nicht anschauen und müsste – wie Jesus persönlich – die Pharisäer aus dem Tempel werfen.
Als Nächstes steht die Taufe des anderen Neffen auf dem Plan. Ich freue mich schon.