u/Cocktailer34

▲ 44 r/Studium

Das ist jetzt eine grundsätzliche Darstellung. Manchmal ist es mehr, manchmal weniger. Ich lebe ohne große Einschränkungen und bin mir sehr bewusst, dass ich derzeit in einer sehr privilegierten Situation bin. Ich komme ursprünglich aus einem finanzschwachen Haushalt und ohne Stipendium wäre ich sicher auch nicht nach Berlin gezogen. Die Miete ist sehr sehr hoch, der Wohnungsmarkt ist schrecklich. Seid bitte gnädig ✌️

u/Cocktailer34 — 14 days ago

Ich bin zum Studieren nach Berlin gezogen und ehrlich gesagt: Ich bin fassungslos. Vor allem in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften leben viele in einer totalen Parallelwelt.

Es sind diese klassischen weißen Deutschen aus privilegierten Elternhäusern, die sich super links und antikapitalistisch geben, aber nach außen hin auf „arme Socke“ machen. Das ist eine reine Romantisierung von Armut, sie spielen das nur als Lifestyle, weil sie genau wissen, dass im Notfall das Erbe oder Papi wartet.

Es ist kein Zufall, dass Menschen mit Migrationsgeschichte in diesen Kreisen kaum vorkommen. Denn nein, liebe Lisa: Nicht jeder kann 15 Semester studieren und zwischendurch mal ein Jahr nach Australien. Wenn mir dann jemand erklären will, dass Karriere „Quatsch“ ist und man nur „um des Studierens willen“ studiert, merke ich: Der Bezug zur Realität ist komplett weg. Andere müssen für den sozialen Aufstieg hart arbeiten und da ist Karriere definitiv kein Unwort.

Die Selbstreflexion dieser Gruppe ist abgrundtief schlecht. Während sie von Inklusion predigen, sind sie in ihrem Habitus so exklusiv und homogen, dass man als normaler Mensch gar nicht reinkommt. Die Heroisierung der eigenen Meinung und die Verteufelung anderer ist leider Gang und Gäbe.

Es ist traurig, dass die studentische Vielfalt so abnimmt. Diese Leute sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass die nicht-akademische Welt so negativ auf uns blickt: links, vegan, kiffend, laut und scheinheilig. Ich komme aus einer strukturschwachen Region, habe eine Migrationsgeschichte und stehe politisch links, aber in dieser Blase fühle ich mich absolut nicht wohl. Diese performative Identität und die geheuchelte Armut lösen in mir nur noch eine tiefe Abneigung aus.

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u/Cocktailer34 — 18 days ago