u/Classic_Gain1973

Ich bin den Jakobsweg von Porto nach Santiago gegangen und wollte am ersten Tag schon wieder nach Hause

Ich konnte die Nacht davor überhaupt nicht schlafen. War voller Sorgen, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Die Wochen vorher habe ich fast täglich geübt, war im Wald, auf Feldwegen, mit und ohne Rucksack unterwegs. Dachte, ich muss es irgendwie schaffen, das wird echt eine lange anstrengende Strecke.

Fünf Tage vor der Reise fingen die Schmerzen an. Füße, Rücken, Nacken. Und einen Tag vor der Reise auch noch eine Art Hexenschuss. Es war grausam. Anscheinend machte sich die Aufregung nun körperlich bemerkbar. Ich war früh im Bett, musste um 7 Uhr raus und lag bis 2 Uhr nachts wach.

Mein erster Gedanke am Morgen: „Finde ich einen Grund, nicht zu fahren? Ich bin todmüde, mir tut alles weh, das macht alles keinen Sinn. Ich habe überhaupt keine Lust.“ Aber auch: „Ich bin so gespannt und freue mich seit Ewigkeiten darauf.“

Ein Freund hat mich zum Flughafen gebracht. Ich war wirklich angespannt. Zwei Wochen alleine, erstmals ohne Frau und Kind unterwegs.

Auf dem Weg zur Maschine wurde ich schon emotional, obwohl es noch gar nicht richtig begonnen hatte. Die Sonne schien, ich hatte alles geplant und trotzdem kam dieses Gefühl von Selbstmitleid hoch. Zweifel. Mir kamen beinahe die Tränen, die ich unbedingt unterdrücken wollte. Es war mir peinlich. Vor mir selbst. Was stimmt nicht mit mir?

Im Flieger war es etwas besser, der Flug selbst aber nicht. Die zwei Stunden bis Porto waren gefühlt eine Dauerturbulenz. Nicht schlimm, aber genug, um mich wieder alles hinterfragen zu lassen.

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u/Classic_Gain1973 — 16 hours ago