Erst beim dritten mal falsch drehen merken, dass ich gerade vor meinem Spind sitze und am Schloss drehe.
Erst beim drangenommen werden merken, dass ich gerade im Matheunterricht sitze.
Erst beim aussteigen merken, dass ich gerade mit dem Bus nach Hause gefahren bin
und erst beim Zimmertür schließen auf den Boden sinken und die Tränen zulassen.
Auf dem Boden zusammenrollen und liegen bleiben - 10, 20 oder 30 Minuten - ich habe kein Gefühl für Zeit.
Oder doch (?), denn da sind so viele Aufgaben, die noch zu erledigen sind.
Einfach aufgeben?
Heute will ich nicht leben, morgen gerne wieder.
Heute möcht ich nichts tun außer schlafen und endlich mal tief einatmen.
Das fehlt mir. Das Gefühl einzuatmen.
Nicht das einatmen, bei dem ich gerade genug Sauerstoff zum funktionieren bekomme, nicht das einatmen nach einer anstrengenden Woche und auch nicht das einatmen vor den Sommerferien.
Was ich vermisse sind die tiefen Atemzüge bei denen ich merke, wie die Luft auch wirklich ankommt, wenn ich mich wieder lebendig fühle und nicht, als stünde ich permanent hinter einer abgeschlossenen Glastür.
Ich vermisse das Gefühl tief ein- und ausatmen zu können, ohne danach wieder in den gerade schnell weggeatmeten Stress zu geraten, weil mir einfällt was nun als nächstes ansteht.
Ein Alltag nur noch aus Aufgaben, die zu bewältigen wir alle im Stande sein sollen. Eine Gesellschaft in einem System das verlangt, dass wir wie Roboter unseren Alltag ausführen.
Schlaf, Ernährung, (psychische) Gesundheit - das ist überbewertet, wer braucht das schon?
- Ich brauche das, und ich glaube, viele andere auch.