Ich hab Arbeit schon immer aufgeschoben. Lernen für Vokabeltests am Vorabend, Facharbeit, Hausarbeiten, Präsentation und auch meine Bachelorarbeit habe ich in Nachtschichten "runtergerotzt" und 15 Minuten vor Abgabe eingeworfen. Die Ergebnisse waren immer in Ordnung und ich bin damit gut zurecht gekommen.
Ich arbeite in einem Bereich in dem ich mir die Erledigung meiner Aufgaben frei einteilen kann und ich Vertrauensarbeitszeit habe. Ich liefere weiterhin gute Ergebnisse, aber während meine Kollegen um 16:00 Uhr Feierabend machen und quality time für sich und ihre Familien haben, hocke ich bis 18:00 Uhr hier, weil ich mich vormittags nicht aufraffen kann anzufangen. Ich kann vormittags aber auch nichts anderes machen, da ich erreichbar sein muss.
Ich struggle schon lange damit und habe gefühlt schon alles durch. Ich hab Bücher gelesen, Apps zum konzentrieren arbeiten, Belohnungen, gamification. Nichts funktioniert. Wenn ich 50 Wiedervorlage zu erledigen habe, schaffe ich ein oder zwei bevor ich mich ablenken lasse (aufs Handy schaue, etwas recherchiere, die Hauspost durchgehe, mir einen Kaffee hole, aus dem Fenster schaue) und eine halbe Stunde ins Land geht bevor ich wieder anfange. Ich erkenne den Moment in dem ich anders handeln müsste jedes Mal aber schaffe es nicht mich regelmäßig davon abzuhalten, obwohl ich weiß, dass ich dann Nachmittags den Frühling mit meiner Familie genießen könnte, wenn ich es schaffe würde.
Ich bin nicht faul, nicht neurodivergent, nicht grundsätzlich undiszipliert (ich hab erfolgreich 10kg abgenommen und das Rauchen aufgegeben, ich bin Marathonläufer), ich schaffe es einfach nicht mich ohne not zur Arbeit zu überwinden, selbst wenn ich das Thema an sich nicht uninteressant finde.
Jemand ne Idee oder Erfahrungen was ich noch probieren könnte?
Edit: 🤷 War wahrscheinlich mein Fehler in der Reddit Blase zu fragen. Natürlich sind hier alle auf dem Spektrum und glauben, dass ich es auch bin (ist nicht abwertend gemeint). Ich werde mich nochmal an anderer Stelle umhören. Ich danke euch trotzdem dafür, dass ihr eure Erfahrungen und Einschätzungen mit mir geteilt habt. Ich werde die Möglichkeit, dass es eine Störung seien könnte, im Hinterkopf behalten, habe aber aufgrund des aktuellen gesellschaften Trends zur Diagnose eher das Gefühl, dass diese Möglichkeit überstark repräsentiert wird.