u/-Out-

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Hey… ich weiß nicht so richtig, wie ich anfangen soll, aber ich trage diese Gedanken schon eine Weile mit mir herum und habe das Gefühl, ich muss sie einfach irgendwo aussprechen.

Ich bin jetzt 23 und identifiziere mich als queer. Letztes Jahr war ich auch über längere Zeit in Therapie, was mir geholfen hat, vieles aufzuarbeiten, aber gleichzeitig auch Fragen aufgeworfen hat, mit denen ich nicht gerechnet habe.

Ich bin sehr religiös aufgewachsen, und deshalb wusste ich die meiste Zeit meines Lebens nicht einmal, dass es so etwas wie trans sein gibt. Das erste Mal, dass ich wirklich damit in Berührung kam, war, als ein Kind aus meiner Schule sich als ftm geoutet hat. Irgendwie ist mir das im Kopf geblieben, auch wenn ich damals nicht wirklich verstanden habe, warum.

Seitdem versuche ich, viel von der internalisierten Homophobie und Transphobie, mit der ich aufgewachsen bin, zu verlernen. Das ist ein langsamer und manchmal unangenehmer Prozess, aber er hat auch dazu geführt, dass ich mich selbst auf eine Weise hinterfrage, wie ich es früher nie zugelassen hätte.

Lange Zeit habe ich mir eingeredet, dass ich meinen Körper hasse, weil ich ein bisschen übergewichtig bin. Das war irgendwie die „einfachere“ Erklärung. Aber in letzter Zeit merke ich, dass es das eigentlich nicht ist. Es ist viel spezifischer. Es sind bestimmte Teile meines Körpers. Meine weiblichen Körpermerkmale, die sich für mich falsch anfühlen und die ich nicht mehr einfach ignorieren kann.

Vor einer Weile habe ich mir die Haare kurz geschnitten, obwohl meine Mutter total dagegen war. Und als ich mich danach das erste Mal gesehen habe… habe ich geweint. Aber nicht, weil ich es bereut habe, sondern weil es sich richtig angefühlt hat. So, als hätte sich endlich etwas gelöst.

Und in letzter Zeit, wenn ich mir selbst vorstelle, sehe ich nicht mehr die Version von mir, die ich früher gesehen habe. Ich sehe eher eine männlich präsentierende Version von mir. Und dieses Gefühl ist verwirrend, aber auch irgendwie… erleichternd? Als würde ich etwas Ehrlicherem näherkommen.

Gleichzeitig gibt es da diese Stimme in meinem Kopf, die mir sagt, dass ich es doch früher hätte merken müssen, wenn ich „wirklich“ trans oder nonbinär wäre. Und dieser Zweifel macht es noch schwieriger, das alles einzuordnen.

Ich weiß noch nicht genau, was das alles für mich bedeutet. Ich habe keine klaren Labels für mich und versuche noch, mich selbst zu verstehen. Aber ich wollte das einfach mal irgendwo aussprechen und vielleicht hören, ob es anderen ähnlich ging oder geht.

Danke fürs Lesen.

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u/-Out- — 14 days ago